Die Brücke wird seit 2019 von einem gewaltigen Stahlkonstrukt gestützt. Foto: Rousek

Im Frühjahr 2019 wurde die stillgelegte Eisenbahnbrücke am Adlereck für einsturzgefährdet erklärt. Obwohl das nun schon mehr als zwei Jahre zurückliegt, rückt die Deutsche Bahn nur spärlich mit Informationen über das weitere Vorgehen heraus. Nur so viel: Losgehen mit dem Abriss soll es tatsächlich 2022.

Calw - Es ist schon eine ganze Weile her, als Calw wegen der maroden stillgelegten Eisenbahnbrücke am Adlereck wochenlang zur geteilten Stadt wurde. Genau genommen rund 29 Monate.

 

Passiert ist seither nicht viel. Lediglich die Information, dass die Brücke im Frühjahr/Sommer 2022 abgerissen und 2028 neu gebaut werden soll, ließ sich eine Sprecherin der Deutschen Bahn, in deren Zuständigkeit die Brücke liegt, auf Nachfrage unserer Zeitung entlocken. Das war im Sommer 2020.

Konkretere Informationen gibt der Staatskonzern auch heuer nicht heraus. "Sobald die Planungen abgeschlossen sind, können wir zur konkreten Zeitschiene und Regelung des Verkehrs informieren", so eine weitere Bahnsprecherin. Ob sich die Calwer wieder auf eine Sperrung der Hauptverkehrsader einstellen müssen, bleibt also unklar.

Stadtverwaltung wird nicht über aktuelle Planungen aufgeklärt

Fest steht: Im Zuge des Abrisses soll ein Provisorium im selben Bereich, angrenzend an das benachbarte Bauwerk errichtet werden, sagt die Sprecherin. Dieses ist vonnöten, weil die marode Brücke bislang als Randweg für die Schienen der Kulturbahn diente – beispielsweise für Instandhaltungsarbeiten oder Evakuierungen. Das Provisorium soll die Brücke so lange ersetzen, bis sie neu gebaut wird – also sechs Jahre lang.

Doch die Frage tut sich unweigerlich auf, weshalb der Staatskonzern, der derzeit wieder mit streikenden Lokführern Schlagzeilen macht, zuerst ein Provisorium und erst dann die richtige Brücke baut. Und dann auch noch so viel später.

"Das dauert eine Weile, bis so eine Brücke geplant ist, da reden wir von Jahren", so eine weitere Sprecherin der Bundesbahn auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten. Sie verweist weiterhin auf aufwendige Genehmigungsverfahren. Eine solche Brücke brauche einen gewissen Planungsvorlauf sowie Zeit. Und das nun geplante Provisorium sei eben notwendig, um die Zeit bis dahin zu "überbrücken", so die Sprecherin weiter.

Aktuelles erfährt Stadt aus Presse

Auf die Rückfrage hin, weshalb die bereits zitierte "Weile" bei der Bahn satte sechs Jahre – also die Zeit zwischen Abriss und Neubau – andauert, meint die Sprecherin salopp: "Eine ›Weile‹ ist ja relativ." Relativ lange also wird es noch dauern, bis die Calwer eine neue Brücke am Adlereck erhalten und keine weitere Sperrung mehr fürchten müssen.

Von all diesen Plänen gänzlich unberührt, weil unwissend, ist unterdessen die Stadtverwaltung Calw. Obwohl diese die Deutsche Bahn gebeten hatte, sie über die weitere Vorgehensweise und die Planungen zu informieren, sei dies nicht geschehen, beklagt Carina Reck, die Persönliche Referentin des Oberbürgermeisters. Seit die akute Einsturzgefahr der stillgelegten Eisenbahnbrücke im April/Mai 2019 gebannt wurde, habe die Stadtverwaltung von der Deutschen Bahn nichts mehr gehört. Aktuelles zu den Plänen, so Reck, erfahre die Stadt lediglich aus der Presse.