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Adidas & Co. in Hechingen Marken-Hersteller machen sehr hohe Auflagen

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Von wegen Schuhgeschäft – dass Rainer Weith bestimmte Marken-Sneaker überhaupt verkaufen darf, hat ihn viel Anstrengung gekostet, dafür hat er sogar ein zweites Geschäft eröffnet. Aber die Mühe hat sich gelohnt, denn Sneaker sind längst die Renner unter dem Schuhwerk. Foto: Stopper

Hechingen - Turnschuhe zum Anzug? Längst tragen so etwas auch gediegene Herren zu offiziellen Anlässen. Nur dass die Turnschuhe heute Sneaker heißen, Kultobjekte sind und auch sonst Produkte, die wenig mit üblichen Schuhen gemeinsam haben.

Einer, der sich in Hechingen bestens mit Sneakern auskennt, ist Rainer Weith vom gleichnamigen Schuhgeschäft an der Johannesbrücke. Oder – um gleich auf die erste Sneaker-Besonderheit zu kommen – verkauft werden die Sneaker im "Trendfreu" direkt gegenüber vom Schuhhaus Weith.

Zweites Geschäft mit eigenem Ladennamen

"Marken-Sneaker kriegt man nicht einfach so als normaler Schuhhändler", erklärt er. Adidas Originals – und keineswegs nur die – dürfen in normalen Schuhgeschäften überhaupt nicht angeboten werden. Nirgends. Die Hersteller machen hohe Auflagen für die, die sie mit ihrer Ware beliefern.

"Das war mit ein Grund, weshalb wir dieses zweite Geschäft mit eigenem Ladennamen aufgemacht haben", so der Schuhhändler. Nur so gab es eine Chance, dass sich Sneaker-Vertreter überhaupt mit einem befassen.

Und selbst da musste Rainer Weith noch um die Anerkennung kämpfen, "fast auf den Knien bittend", berichtet er. "Am Ende kam extra ein Vertreter aus München, hat sich ganz genau meinen Laden angeschaut und erst dann hat er das Okay gegeben". Ähnliches Spiel mit "On", einer Schweizer Running-Marke. "Zwei Jahre habe ich immer wieder mit denen telefoniert, bis die mich beliefert haben."

Wenn Schuhe zum Sehnsuchtsobjekt stilisiert werden

Wie unterscheiden sich Sneaker und Schuhe? "Im Prinzip sind Sneaker nur weiche Schuhe", erklärt Rainer Weith, die Grenze sei bei manchen Marken fließend. Aber viele Sneaker zeigen deutlich ihren Ursprung als dem Sportschuh. Adidas mit seinen drei Streifen beispielsweise, oder Nike mit dem bekannten Haken-Logo.

Gerade bei diesen Marken kennt die Sneaker-Welt übrigens bizarre Auswüchse. Da werden Schuhe in limitierter Auflage herausgegeben, mit Stars in Verbindung gebracht, durch professionellstes Marketing zu Sehnsuchtsobjekten hochstilisiert, für hunderte Euro in ausgesuchtesten Spezialläden verkauft, nur um Stunden später bereits im Internet für tausende Euro weiterverkauft zu werden.

"Das ist eine andere Welt, solche Schuhe habe ich hier nicht", erklärt Rainer Weith. Vielleicht ganz gut, denn vor den ausgesuchten Sneaker-Spezialläden – fast könnte man sie schon Galerien nennen – bilden sich am Tag vor dem Verkauf von Sondermodellen Schlangen, die Leute übernachten auf dem Bürgersteig, nur um an ein Paar der begehrten Schuhe zu kommen. Manche gehen dann trotz aller Anstrengungen leer aus. "Total verrückt", sagt Rainer Weith lachend.

Auch "normale" Sneaker kriegen etwas vom Glanz ab

Bei so etwas macht er nicht mit, aber auch sein Geschäft profitiert von der Aufmerksamkeit, die auf diese Weise auf das Schuhwerk gelenkt wird. Auch normale Marken-Sneaker kriegen was vom Glanz der Sondermodelle ab, werden dadurch cool – die neuesten Modelle sind Gegenstand lebhaftester Diskussionen unter der Jugend. Rainer Weith ist froh, dass er zwei Söhne im Jugendalter hat. "Die kennen sich bei den allerneuesten Trends aus", sagt er anerkennend.

Aber längst haben die Sneaker auch schon die Welt der Erwachsenen erreicht, die früher Sportschuhe eben nur zum Sport getragen haben. Übrigens eine Zeit, als Fußball- und Laufschuhe praktisch ausschließlich in Schuhfachgeschäften angeboten wurden und nicht – wie heute überwiegend – in Sportgeschäften.

"Mercedes-Chef Dieter Zetsche hat vor einigen Jahren bei einer großen Autoschau weiße Sneaker zum Smoking getragen, das wurde im Fernsehen übertragen. Als ich das gesehen habe, war mir klar, dass sich da was geändert hat", berichtet Rainer Weith. Mittlerweile tragen viele Geschäftsleute und selbst konservativ eingestellte Senioren in fortgeschrittenem Alter das sportliche Schuhwerk. "Sneaker sind weich, griffige Sohle, oft kann man ganz einfach reinschlüpfen, das mögen viele", erklärt Rainer Weith.

Manchem mag gar nicht mehr bewusst sein, wer einst in Deutschland dem Sneaker zum Durchbruch verholfen hat. Das dürfte Ex-Sponti Joschka Fischer gewesen sein, als er sich in Turnschuhen zum Minister vereidigen ließ. Das ist lange her. Um genau zu sein war es am 12. Dezember 1985. Übrigens trug er weiße Nike-Schuhe, das nur der Vollständigkeit halber.

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