Grünflächen mit Großveranstaltungen in Einklang bringen will Bürgermeister Lorenz Wehrle mit einer Klimaanpassungsmaßnahme am Rathausplatz.
Der Rathausplatz als Hitze-Hospot soll bald passé sein. Mit großen Bäumen, aufgelockerten Flächen und Staudenbeeten wird er zu einer grünen Insel in der Stadt.
Bereits im Bau- und Umweltausschuss war die Maßnahme, mit der die Klimaresilienz gestärkt und eine kühle Insel in der Stadt geschaffen werden soll, auf einhelligen Anklang gestoßen.
Aufgrund des regen Interesses hat Bürgermeister Lorenz Wehrle die Planungen am Dienstag im Gemeinderat noch einmal ausführlich vorgestellt und seine Ausführungen mit anschaulichen Visualisierungen untermalt.
Zunächst unternahm er einen Exkurs in die Geschichte. Denn: Als das Rathaus 1962 quasi auf der grünen Wiese errichtet worden war, waren auch auf dem gepflasterten Vorplatz noch mehrere Grünflächen vorhanden – neben dem seit damals existierenden markanten Brunnen einerseits und in Form einer großen Rasenfläche, die damals bis unter den Uhrturm reichte, andererseits.
Der Brunnen sei „ein großes Pfund, das wir haben“, lobte Wehrle die ursprünglichen Planer. Auch das Rathaus selbst gefalle ihm architektonisch sehr gut.
Seitdem hat sich viel geändert, längst recken sich rund ums Rathaus Häuser in die Höhe, ein Rathaus-Anbau ist dazugekommen.
Um die bisherige Nutzung als Veranstaltungsort für die Großveranstaltung 3-Länder-Stadt-Festival und zwei Mal in der Woche als Marktplatz für die Bewohner Weils nicht zu gefährden, mussten bei der Planung viele Dinge berücksichtigt werden.
So verlaufen unter dem Platz zahlreiche Leitungen, weshalb das Pflaster nicht überall aufgebrochen werden könne. Die Marktstände brauchen im zentralen Bereich feste Standflächen und müssen zwischen den neuen Bäumen auf den Platz fahren können. Ein großer Bereich wurde außerdem für die große Hauptbühne des 3-Länder-Stadt-Festivals ausgespart.
Trotz all dieser Einschränkungen finden etliche neue Bäume und Bänke Platz: So etwa eine lange, schlangenförmige Bank im Bereich der Grünfläche mit Mammutbaum an der Westseite des Platzes, die außerdem aufgelockert und zusätzlich bepflanzt werden soll. Diie „marode“ Flügelnuss im östlichen Bereich (Carré Ost) des Platzes wird durch einen japanischen Schnurbaum ersetzt. An den Brunnen angrenzend werden Staudenbeete mit Wegen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen.
Schatten gibt es künftig dann vor allem an den Rändern: Drei Silberlinden werden gen Süden hin gepflanzt, vor der Rathausfassade sorgt säulenförmiger Spitzahorn in einer langen Reihe für eine Art grünen Schleier.
Aus den Reihen der Grünen, die die Initiative zu der Klimaanpassungsmaßnahme eines entsprechenden Antrags aus dem Jahr 2022 wegen sich zuschreiben, gab es Lob, aber auch Kritik. Noch mehr Grün hätten manche gern gesehen, noch mehr Begegnungsflächen und: „Mehr Innovation“. Es gab aber auch Räte (Simone Brobeil, Thomas Bayer, Lars Augustin und Matthias Dirrigl). Dirrigl schlug zudem noch die Anhörung des Behindertenbeirats vor, die von der Stadtspitze gerne aufgegriffen wurde.
Am Ende stimmte der Gemeinderat mit 19 Stimmen bei fünf Enthaltungen, vornehmlich aus der Fraktion der Unabhängigen, freien Wähler dem Vorhaben zu. Gesamtkosten in Höhe von 420.000 Euro hatten bei der UFW-Fraktion zunächst den Wunsch entstehen lassen, die Entscheidung über das Vorhaben bis nach der Klausurtagung des Rates im Juni zu vertagen und erst im Juli einen Beschluss zu fassen.
Es fehle noch an finanzieller Klarheit, hatte etwa UFW-Stadtrat Jürgen Walliser in die Runde geworfen. Da man ohnehin demnächst noch einmal „über die Bücher“ gehe, sei eine Vertagung der richtige Weg. Dies, obwohl man nicht gegen den Entwurf, sondern vielmehr sehr angetan davon sei.
Stimmen aus der AfD-Fraktion schlossen sich diesem Anliegen an. Axel Schiffmann stellte schließlich den Antrag auf Vertagung des Beschlusses, über den zunächst gesondert abgestimmt wurde. Die Entscheidung fiel in dieser Vorabstimmung knapper aus: Zehn Stimmen für die Vertagung und einer Enthaltung standen letztlich 13 Stimmen einschließlich der von OB Diana Stöcker entgegen, die den Beschluss gleich fassen wollten.
„Je länger wir das verschieben, desto teurer wird es“, hatte CDU-Stadträtin Simone Brobeil für ein schnelles Umsetzen der Pläne plädiert. „Wir sollten das gleich machen, wenn wir doch alle dafür sind“, hatte sie an die Ratskollegen appelliert.
Bürgermeister Wehrle machte zudem deutlich, dass die Umsetzung so geplant sei, dass sie genau zwischen einem und dem nächsten 3-Länder-Stadt-Festival stattfinden könne, dass also, wenn alles läuft wie geplant, die Umbauarbeiten bereits im Herbst dieses Jahres starten könnten.
Das überzeugte letztlich auch einige der Zweifler, die dem Beschluss zur Begrünung am Ende doch noch ihre Stimme geschenkt haben.