Ob die Farbwahl Zufall war? Oder gab‘s die Sportwagen früher nur in Knallrot? Bei der ADAC Historic waren allerdings auch etliche  Fahrzeuge vertreten, die mit weniger PS unterwegs sind und bei denen der Auspuff nicht extra laut röhrte. Foto: Ernst Klett

Wo sonst Holzbauten gefertigt werden, röhrten die Auspuffe: Zwischenstopp bei Willi Mayer in Bisingen bei der Oldtimertour durch die Region Neckar-Alb! Hier sind die Bilder.

Ein Auto soll einen von A nach B bringen. Dieses möglichst, ohne dass man den Pannenservice braucht, und gern bequem und, aktuell, spritsparend. Solche nüchternen Überlegungen gibt es garantiert nicht bei den 125 Teams der Oldtimerrallye des ADAC Württemberg, die sich inzwischen „Historic“ nennt. Zwei Tage bereisten sie von Metzingen aus die Region Neckar-Alb und verdrängen die momentanen Treibstoffpreise aus dem Bewusstsein. Im Vordergrund steht schließlich der Spaß am historisch wertvollen Fahrzeug unter lauter Gleichgesinnten.​

 

Stetten am kalten Markt und Bisingen waren am Freitag zwei Stationen der Tour mit Rallyeprüfungen. Die muss man sich freilich nicht gar so anspruchsvoll und stressig vorstellen. Am Nachmittag ging es in der Fabrikationshalle von Willi Mayer Holzbau in Bisingen darum, möglichst flott von der Einfahrt zur hinteren Ausfahrt zu kommen.

Gemessen wurde professionell mithilfe von Lichtschranken. Das nennt sich im Oldtimer-Sprech „Gleichmäßigkeitsprüfung“. Im Bisinger Fall war es eine sportliche Wertung. Zuvor, in der Albkaserne auf dem Großen Heuberg, hatte es eine sportliche und dazu noch eine touristische Wertung gegeben.

Wer selbst ein Auto hat, das schon mehr als ein Dutzend Jahre zählt, der weiß, dass man mit diesen älteren Gerätschaften pfleglich umgehen sollte. Umso mehr gilt das für Fahrzeuge, die über 30 Jahre und oftmals noch viel, viel älter sind. Deshalb waren die Fahrer und die wenigen Fahrerinnen zwar vergleichsweise eilig unterwegs in der Fertigungshalle, aber doch mit so viel Vorsicht, dass dem gepflegten Blechle auch ja nichts passieren kann.

Ausfälle gibt es immer mal wieder. Die Materialermüdung! Von den ursprünglich 127 Fahrzeugen, die für die „Historic 2026“ gemeldet waren, gingen am Freitagmorgen in der Metzinger „Motorworld“ 125 an den Start. Da hatten welche kurz vor der Tour schlappgemacht. Unter den Teilnehmern waren auffallend viele Porsche mit mächtig PS unter der hinteren Haube (911 Carrera 3.2 Cabrio, 944 mit und ohne Turbo und noch etliche 9-er mehr).

Bis heute unübertroffen in der Optik: ein NSU Prinz!

Einzeln oder im kleineren Rudel passierten die Bisinger Station überdies automobile Schätze wie eine Corvette Stingray, ein Jaguar XJV V 12, diverse Triumph Spitfires, Alfa Romeos, ein Mercedes Benz 450 SLC, ein Ford Modell A Pick Up, ein Ford Mustang Cabriolet und ein Volvo Amazon P122s. Bezeichnungen, die nur den Connaisseuren etwas sagen dürften.

Aber bei der ADAC-Oldietour sind auch Hingucker zu erleben, die man in diesen Kreisen eher nicht vermuten würde. Wer kennt heute noch einen Daihatsu Cuore Ü30? Die japanischen Kleinwagen der ersten Generationen waren offenkundig sehr robust. Gut gehalten hat sich ebenfalls ein Renault 5 Alpine Turbo. Ein hochmotorisierter Kleinwagen, der in den 80er-Jahren durch erhebliche Rostanfälligkeit bestach, wie der Autor bestätigen kann. Auch eher klein, aber alt und deshalb wertvoll: die Fiat 500 und 127, welche die Lichtschranken in Bisingen passierten. Bis heute unübertroffen in der Optik: ein NSU Prinz!

Gereinigt ist das nicht, was Oldtimer hinten absondern

Abgasmäßig war das Gelände mitunter Hardcore. Denn die Fahrzeuge müssen im Originalzustand sein, sonst verlieren sie ihren Oldtimerstatus. Gereinigt ist das nicht, was Oldtimer hinten absondern. Ein Automobilist aus der Schweiz beharrte auf die entsprechende Frage hin vehement darauf, dass sein Italiener bleifrei vertrage, und das wohlgemerkt ohne jegliche Zusätze. Wobei auch Sprit von heute ungereinigt verbrannt mächtig stinkt.

Am Samstag folgte Teil 2 der „Historic 2026“. Altensteig und Rottenburg waren die Stationen, und die Oldies wollten wie angekündigt auch Rangendingen passieren. Man dürfte gehört und vielleicht auch gerochen haben. ​