In Unterkirnach soll das Gelände im Ackerloch mit Minihäuser bebaut werden. (Symbolfoto) Foto: ppa-5tock.adobe.com

Ehemaliger Pensionsbetreiber hofft auf Schub für Tourismus. Landwirt pocht auf Erhalt der idyllischen Erholungsfläche.

Unterkirnach - Karl Werf setzt sich für das Mini-Haus-Projekt im Ackerloch in Unter­kirnach ein. Der ­Gründer des Akkordeonspielrings, früherer Gemeinderat und ehemaliger Besitzer einer Gästepension mit 32 Betten, ist für die Bebauung des Geländes im Ackerlochs.

Warum stimmen Sie am 13. Dezember bei dem Bürgerentscheid für die Umwandlung der Ackerlochfläche in Tourismusfläche mit der späteren Bebauung von Mini-Houses?

Es gibt keine andere Wahl, weil keine Industrie in Unterkirnach möglich ist. Viele private Unterkünfte wurden aufgegeben, und neue Übernachtungsmöglichkeiten werden selten geschaffen. Für den Fremdenverkehr benötigt man eine bestimmte Anzahl von Betten und größere Wohnungen.

Glauben Sie, dass die Mini-Houses, die die Investorinnen dort bauen möchten, die Infrastruktur von Unterkirnach stärken?

Auf jeden Fall, denn die Wohnmobilisten kaufen zum Beispiel bei uns ein und lassen auch Geld in der Gastronomie. Ich glaube, dass durch die Mini-Houses die Infrastruktur gestärkt wird, denn die Mieter dieser Häuser werden auch zum Beispiel im Nahkauf einkaufen und gehen mindestens einmal am Tag in die Gaststätten. Die Familien mit Kindern werden die Spielscheune und das Hallenbad nutzen. Aber ich finde, dass mehr Unterhaltung für die Touristen geboten werden muss. Da denke ich zum Beispiel an Heimatabende und Konzerte. Ich selbst hatte eine Pension mit 32 Betten und machte abends Musik, wodurch ich viele Stammkunden hatte. Ich hätte auch noch ein weiteres Haus gebaut, musste aber aus familiären Gründen und mehreren Todesfällen in der Familie davon Abstand nehmen. Man muss sich etwas einfallen lassen und etwas riskieren.

Warum gefallen Ihnen die Mini-Houses und finden Sie, dass diese in den Schwarzwald gehören?

So, wie sie vorgestellt werden, gefallen sie mir nicht, ich würde mir einen anderen Baustil wünschen und nicht solche Schachteln mit Dach. Der Platz ist sehr gut, aber das eingezeichnete Bad müsste sehr aufwändig gepflegt werden und wäre auch eine Gefahrenstelle. Verkehr ist jetzt schon da oben von vielen Fahrzeugen, die dort oben in Richtung Groppertal fahren.

Interview mit Rainer Dold

Rainer Dold lehnt das Mini-Haus-Projekt im Unterkirnacher Ackerloch ab. Der Landwirt im Groppertal ist gegen eine Bebauung mit Mini-Houses auf der Ackerlochfläche.

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Warum sind Sie gegen die Umwandlung der landwirtschaftlichen Fläche im Ackerloch in Tourismusfläche und die Bebauung mit Mini-Houses?

Landwirtschaftliche Fläche, die von einem Landwirt benötigt wird zum Erhalt des landwirtschaftlichen Betriebs für solch ein fragwürdiges Projekt in touristische Fläche umzuwandeln, ist für mich ein klares "No Go". Hier stehen andere Flächen zur Verfügung. Es gibt kein Bauprojekt, das es wert ist, ein Idyll wie das Ackerloch, das von Einheimischen und Touristen zur Erholung aufgesucht wird, zu verschandeln. Fakt ist, dass bei einer Umwandlung der Fläche es jederzeit bei einem Scheitern des Projektes möglich ist, Wohnhäuser zu errichten, das sollte beim Bürgerentscheid jeder bedenken.

Gefallen Ihnen die Mini-Houses, die die Geschwister Lassak bauen wollen, nicht, und wären Sie für eine Bebauung mit Mini-Houses im Schwarzwald-Stil?

Meiner Meinung nach passen die Häuser vom Stil her nicht in den Schwarzwald. Der Bau der Mini-Häuser im Schwarzwald-Stil schon eher, aber nicht im Ackerloch. Wenn es hier um eine Erweiterung eines Baugebietes ginge, wäre es noch mal etwas anderes, aber da das Ackerloch umringt von Wald ein separates Anschauungsbild ergibt, wäre jede Veränderung ein Frevel an diesem Stückchen Natur.

Glauben Sie nicht, dass die Mini-Houses von Touristen angenommen werden und die Infrastruktur stärken?

Momentan ist Ausnahmezustand und nichts ist vorhersehbar. Der Bürgermeister und der Gemeinderat begründen ihre Zustimmung für dieses Projekt auf Berechnungen, die von Institutionen gemacht werden. Die Wirtschaftsweisen hatten auch ein größeres Wirtschaftswachstum vorhergesagt, was dann auch heruntergeschraubt werden musste. Jetzt in Corona- Zeiten ist es meiner Ansicht nach nicht vorhersehbar, beispielsweise wegen drohender Arbeitslosigkeit, ob so ein Projekt überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. Wer weiß denn, was in einem Jahr ist? Wie sieht denn der Plan B aus? Eine Bebauung mit Wohnhäusern?