Eine grüne Figur warnt davor, dass in der Bahnhofstraße Kinder unterwegs sind. Immerhin befindet sich dort auch ein Kindergarten. Beeinflusst dieses Wissen das Verhalten der Verkehrsteilnehmer? Ein neuer Blitzer hat das überprüft.
Fünf Tage lang wurden Verkehrsteilnehmer in der Sulzer Bahnhofstraße am katholischen Kindergarten St. Johann ins Visier genommen. Und das von einem Blitzer, wie er in der Art noch nicht allzu oft im Kreis Rottweil zu sehen war. Wer hat da die Einhaltung der Geschwindigkeit überprüft, wollen wir wissen. Und: Wird tatsächlich auch in der Nähe des Kindergartens zu schnell gefahren?
Seit November im Kreis Rottweil
Eine Nachfrage beim Landratsamt Rottweil sorgt für Aufklärung. Dort teilt man uns mit, der aufgestellte Blitzer befinde sich im Eigentum des Landkreises. Die Beschaffung des so genannten semi-stationären Enforcement-Trailers (Kosten: 265 000 Euro) war im September 2024 durch den Rottweiler Kreistag beschlossen worden. Am 20. November sei die Lieferung erfolgt.
„Unser Modell kann gleichzeitig beide Fahrspuren überwachen“, erklärt Pressesprecherin Andrea Schmider zu der Neuanschaffung. Daher unterscheide sich das äußere Erscheinungsbild von den anderen Anhängern, die man sonst kenne.
Der Landkreis Rottweil hat laut Zahlen des Landratsamtes im Jahr 2023 bei mobilen Geschwindigkeitsmessungen rund 300 000 Euro eingenommen, bei Ausgaben von rund 280 000 Euro.
Das Ziel: Unfälle reduzieren
Ziel der Messungen sei es, das Geschwindigkeitsbewusstsein der Fahrer zu schärfen und so langfristig die Zahl der Unfälle mit der Ursache Geschwindigkeit zu reduzieren, hatte die Landkreisverwaltung dem Kreistag im Dezember mitgeteilt. Denn diese sei im Kreis Rottweil im Jahr 2023 höher gewesen als im Jahr davor.
Der neue Blitzeranhänger kam vom 22. bis 27. Januar in Sulz zum Einsatz. Die erlaubte Maximalgeschwindigkeit lag bei 30 Kilometern pro Stunde. Nach der Auswertung durch ein externes Unternehmen liegen nun die Ergebnisse vor. Insgesamt fuhren 220 Verkehrsteilnehmer zu schnell.
So viele wurden erwischt
In Fahrtrichtung Freudenstädter Straße wurden in diesem Zeitraum 3681 Fahrzeuge (3534 Autos) gemessen. Durchschnittlich wurden 27 Kilometer pro Stunde gefahren.
Es gab allerdings auch 172 Beanstandungen (4,7 Prozent) – alle bei PKW. Der schnellste Autofahrer war mit 55 Kilometern pro Stunde unterwegs.
In der Gegenrichtung wurden 2137 Fahrzeuge gemessen, davon 2042 PKW. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 26 Kilometern pro Stunde.
Verstöße gab es 46 (2,2 Prozent) – auch hierbei handelte es sich ausschließlich um PKW. Der schnellste war mit 50 Kilometern pro Stunde unterwegs.
Zwei Unfälle im Jahr 2023
Die Auswertung zeigt, dass in der Bahnhofstraße vor allem Autofahrer dazu tendieren, zu schnell unterwegs zu sein – obwohl es sich durch den nahe gelegenen Kindergarten um eine neuralgische Stelle handelt.
Die Anzahl der Verstöße bleibt zwar im einstelligen Prozentbereich und unter der Schwelle fünf Prozent. Die Sulzer Bahnhofstraße war aber auch schon Schauplatz eines Unfalls.
Im November 2023 sprang eine Vierjährige unvermittelt zwischen zwei parkenden Fahrzeugen auf die Straße und wurde von einem Auto verletzt. Im selben Jahr ereignete sich laut Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder außerdem ein Unfall, bei dem ein Radfahrer leicht verletzt wurde.
Erst kürzlich kippte zudem der mit Holz beladene Anhänger eines Lastwagens um. Dabei wurde allerdings lediglich ein Auto beschädigt.