Bei der Entfernung der Tiere gibt es einiges zu beachten. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Aufgepasst im Risikogebiet Rottweil: Ein Zeckenbiss kann schnell ernste Folgen haben. Wie die aktuelle Lage im Kreis ist, und was bei einem Biss zu tun ist: Wir fragen nach.

Auch wenn bis vor Kurzem wieder Schnee lag: Die Zecken im Kreis Rottweil sind schon seit einigen Wochen aktiv – und gefährlicher denn je. Für 2025 laufen die Auswertungen noch. Doch es könnte laut Experten der Uni Hohenheim erneut ein Rekordjahr darstellen, was die Infektionszahlen bei der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) angeht. Im Kreis Rottweil, der als Risikogebiet gilt, gibt es auch in diesem Jahr schon einen bestätigten Fall, wie wir auf Nachfrage beim Landratsamt Rottweil erfahren.

 

„Im Kreis Rottweil konnten bisher Schildzecken der Gattung Ixodes ricinus nachgewiesen werden. Diese sind unter anderem Überträger der Zoonoseerreger FSME und Borreliose“, erklärt uns Pressesprecherin Andrea Schmider. Auch der Kreis Rottweil verzeichne beim Thema FSME, „wie andere Risikogebiete in geografisch höher angesiedelten Lagen“, steigende Zahlen seit 2001.

FSME-Erkrankungen nehmen wieder zu

2025 wurde laut Robert-Koch-Institut mit 693 FSME-Erkrankungen – Stand Ende Februar 2026 – bundesweit die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 gemeldet. Baden-Württemberg steht laut Experten zusammen mit Bayern mit 80 Prozent der Krankheitsmeldungen an der Spitze der FSME-Risikogebiete.

Wegen der milden Winter sind Zecken mittlerweile außerdem fast das ganze Jahr über aktiv. In diesem Jahr wurde der erste FSME-Fall in Baden-Württemberg bereits vor einem Monat – im Ostalbkreis – gemeldet.

Mehr Aufklärung – auch zum Thema Impfen

Laut Landesgesundheitsamt in Stuttgart habe in den vergangenen Jahren die Zahl der infizierten Zecken und damit die Erkrankungshäufigkeit in Baden-Württemberg zugenommen, bestätigt Andrea Schmider. Der Landkreis Rottweil sei laut RKI-Angaben außerdem schon seit mehr als zehn Jahren ein Teil des FSME-Risikogebietes.

Das Gesundheitsamt Rottweil habe 2024 und 2025 eine Feldstudie zu FSME durchgeführt. „In Tennenbronn wurde ein sogenannter Naturherd an FSME-positiven Zecken gefunden – das Gesundheitsamt plant aus diesem Anlass, die Aufklärungsarbeit von dort aus zu verstärken, wozu auch die Information rund ums Thema Impfen gehört“, erklärt Schmider.

Geimpft werden kann lediglich gegen FSME. In Baden-Württemberg waren allerdings 2024 laut Landesgesundheitsministerium nur rund 17 Prozent der Bürger vollständig dagegen geimpft. Im Kreis Rottweil liege die Impfquote laut RKI bei 21 Prozent, berichtet Andrea Schmider auf Nachfrage. Laut letztjähriger Einschätzung des RKI seien die Impfquoten in den Risikogebieten unzureichend.

Was tun beim Zeckenbiss?

Und was ist zu tun, wenn man von einer Zecke gebissen wird? Zur Entfernung kursieren schließlich mehrere Theorien. Das Rottweiler Gesundheitsamt rät: „Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke sobald wie möglich herausgezogen werden – möglichst alle Teile, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen – niemals am vollgesogenen Körper – und zieht sie langsam aus der Haut“.

Die Zecke dürfe auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. „Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt“, erklärt Andrea Schmider.

Wann ist ein Arztbesuch nötig?

Sobald die Zecke entfernt sei, werde eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen. Falls kein Zeckenentfernungsinstrument oder Desinfektionsmittel zur Hand sei, sollte die Zecke trotzdem sofort entfernt werden, etwa mit dem Fingernagel, um das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern, so Schmider auf unsere Anfrage.

Und bei welchen Zeichen ist der Besuch beim Arzt angezeigt? „Ein früher Hinweis auf eine beginnende Borreliose kann die Ausbildung eines roten Infektionsrings um den Einstich, die sogenannte Wanderröte, sein. Deshalb ist es ratsam, die Einstichstelle regelmäßig zu beobachten. Auch ein Foto von der Stichstelle kann hilfreich sein.“

Sollte nach einigen Tagen bis Wochen eine deutliche ringförmige Hautrötung, typischerweise im Zentrum blasser als am Rand, entstehen und sich ausweiten, empfiehlt das Gesundheitsamt, zur Abklärung den Hausarzt aufzusuchen. In einigen Fällen erscheine auch nur eine unspezifische Hautrötung, die wandere – „auch hier wäre eine Abklärung empfehlenswert“.

Sollte man in den ersten sieben bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen entwickeln, wäre auch das ein Anlass für einen Arztbesuch, heißt es vom Rottweiler Gesundheitsamt.

Damit es erst gar nicht zum Biss und damit zu einer drohenden Infektion kommt, rät das Landesgesundheitsamt, beim Aufenthalt draußen helle, geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen und auch Repellentien – Mittel, die die Zecken durch ihren Geruch abwehren – aufzutragen. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden.

Durch Zecken übertragbare Krankheiten

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
ist eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren hervorgerufen wird. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zeigen sich bei manchen Infizierten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Krankheitsgefühl. Bei einem Teil kommt es nach einer symptomfreien Zeit von bis zu einer Woche zu einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks. Krankheitszeichen sind Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Ausfälle des Nervensystems. Schwere Verläufe können mit Lähmungen an Armen und Beinen, Schluck- und Sprechstörungen, Atemlähmungen und starker Schläfrigkeit einhergehen. Es kann auch zu bleibenden Schäden kommen. Etwa ein Prozent der Erkrankten stirbt an FSME.

Borreliose
betrifft überwiegend die Haut, aber auch das Nervensystem, die Gelenke und das Herz können betroffen sein. Das Infektionsrisiko ist laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit geringer, wenn die Zecke frühzeitig entfernt wird, und steigt nach Saugen der Zecke von mehr als zwölf Stunden an. Etwa einer von 100 Zeckenstichen führt in Deutschland dazu, dass die gestochene Person an einer Borreliose erkrankt. Ein typisches Zeichen, das bei etwa 90 Prozent der Fälle auftritt, ist die sogenannte Wanderröte. Fieber, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen sind im weiteren Verlauf der Erkrankung zusätzlich möglich.