Ausnahmsweise wurde das Schnurren auf den Samstag vorverlegt, was weder den Schnurrbeiträgen noch dem Besuch einen Abbruch tat. Mit spitzer Feder wurden die Missgeschicke der Mitbürger seziert – von aufgetauten Wurstsalat über verlorene Handys bis zu Philipp-Saar-Ampel.
Wenn Whatsapp seine Ausrufezeichen zurückverlangt und der Wurstsalat im Wasserdampf aufgetaut wird, dann ist klar: In Haslach wird wieder geschnurrt. Aufgrund der Bundestagswahl ausnahmsweise am Samstag, Schnurranten sind beim Lästern flexibel. Acht Gruppen zogen durch acht Lokale und verbreiteten gut gelaunt und bestens aufbereitet, was ihnen während des Jahres an Missgeschicken zugetragen wurde.
Im voll besetzten Schlosserkeller gab Schnurrmeister Manuel Seitz mit seiner Gruppe singend das Motto des Abends vor: „Let me entertain you.“ Und die Unterhaltung war über fünf Stunden lang wirklich gut.
Die Globetrottel wussten sehr lustig von Schellenhansel-Obmann Denis Fritz mit Ausrufezeichen-Fetisch zu berichten, der mit großem Aufruf eine der Masken suchte – und diese im eigenen Keller fand. Der Ski-Urlaub der Familien Giesler, Blum und Freunde ließ gut gereimt die Gäste bei „sie hatte nur noch Schuhe an“ oder „Taximann“ mitsingen.
Akrobatische Einlage gelingt
Sportlich fuhr Richard Kienzler die Treppe des Kellers mit dem Fahrrad herunter und Sohn Daniel trug den „Fawowa“ – den Fahrrad-Wohnwagen – hinterher. Sie spotteten über die Fußballer Maic Mayer, Davide Tamburello, Jo Felten und Frank „Mättle“ Matt, die nach einem ordentlichen Fest der Hunger überfiel und die im Tiefkühler fündig wurden: „Hurra, jubeln sie im Quadrat – gefrorener Wurstsalat.“ Besonders lustig wurde die Geschichte, weil Matt als Betroffener an der Theke saß und sich unter viel Gelächter anhören musste, wie der Wurstsalat über Wasserdampf aufgetaut wurde.
Und „Mättle“ musste gleich schon wieder herhalten, als die Gruppe In 80 Tagen um die Welt loslegten. Denn beim Bezirkspokalfinale des SV Haslach in Berghaupten verlor Armin Faißt sein Handy. Tags drauf wurde es per Google geortet – und im Hause Matt lokalisiert. Wort- und Ideenreich aufbereitet, wurde viel gelacht. Dass Juliane Seitz ihrem Sohn Lenny mit Zahlenluftaballons zum 24. statt 23. Geburtstag gratuliert hatte, wussten die Schnurranten.
Den Vogel des Abends schoss Martin Schwendemann ab, als seine Gruppe als Guller nach den Sternen griff.
Verlorenes Handy wird zu Hause lokalisiert
Sie zogen nicht nur das Haut-Screening von Sarah Weis durch den Kakao, sondern hatten sich vor allen Dingen der Dreikönigsänger angenommen. In einer wahnwitzigen Zukunftsvision stellte Schwendemann die weitere Entwicklung aller Gruppen nach deren Bedürfnissen vor, die einmal quer durchs Städtle mit ordentlichen Seitenhieben aufgerufen wurden. Der Applaus war entsprechend groß.
Die Waschmänner wussten von Sören Fuß und dessen verunglücktem Versuch, Sahne mit dem elektrischen Rührgerät zu schlagen, was eine Küchenrenovierung nach sich gezogen habe. Und auch von der Partei der ewigen Jugend wollten sie wissen, hatte doch Helmut Wiegand die Ischias-Riege zur Hauptversammlung für das Jahr 2925 eingeladen. „900 Jahre in die Zukunft – da muss man Optimist sein“, bilanzierte Herbert Rittershofer.
Laut und lustig wurde es beim Auftritt der Gassenfezer, die sich als erstes Patric Hüttner vom Autohaus Staiger vornahmen. Dass ausgerechnet ihm der Sprit zwischen Fischerbach und Haslach ausging, wurde genüsslich ausgebreitet. Und dann spulten sie zurück ins vergangenen Jahr, als Simon Gisler mit der Story vom Klavier in der Sauna geschnurrt wurde.
Jetzt wurde die Geschichte weiter gesponnen, denn nach der aufwendigen Entsorgung des Instruments auf dem Vulkan fehlte zur Sauna-Nutzung der Sichtschutz in Richtung Nachbarschaft.„Zum Glück hen mir noch Platz im Zoo“, hieß es dann für die Geschnurrten von Jürgen Blank und Jochen Burger.
Ampelanlage auf’s Korn genommen
So gaben sie Willi Schöner und Frau Uli mit auf den Weg, nach der freundlich gewährten Starthilfe am Ende den Motor des eigenen Fahrzeugs wieder abzustellen. Horst Schmieders Krankenhaus-Odysee aufgrund einer schmerzenden Kontaktlinse, die allerdings noch in der Schachtel lag, sorgte für beste Unterhaltung.
Und auch bei den Tankproblemen von Heidi Müller mangelte es nicht an Ratschlägen der beiden. Die neue Ampel am Bollenbacher Ei wurde nach Aufforderung der Schnurranten des Dumm-Dumm-Geschosses durch das Publikum besungen – oder viel mehr „Philipp-Ampel-Saar“, der in Haslach für die höchste Pro-Kopf-Einwohner-Ampel-Quote Deutschlands sorge. Dass der Bürgermeister ganz ungewollt den Heiratsantrag von Lukas Giesler für seine Julia „verhundst, verbockt und verhagelt“ hatte, war Saar ganz offensichtlich selbst nicht bewusst gewesen. Arnold Müller aus der Engelstraße wurde im Fitnesturm sehr treffend parodiert.
Die Kreuzfahrt von Rainer und Michaela Gutmann, bei der Wasser lediglich in weißer Unterhose bekleidet im Speisesaal geholt wurde, wird wohl in lustiger Erinnerung bleiben. Abschließend hieß es: „Egal, wer künftig in Berlin regiert – mit uns könnt ihr auch nächstes Jahr rechnen.“