Projektleiter Julian Klilchling vor einem der Windräder, die derzeit bei Seewald gebaut werden. Foto: EEF

Mehr als ein Jahrzehnt wurde der Windpark Seewald geplant – nicht ohne Widerstand. Jetzt steht er vor der Fertigstellung. Der Projektleiter gibt Einblicke.

Acht Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 164 Metern werden derzeit bei Besenfeld gebaut. Projektleiter Julian Kilchling von der Erneuerbare Energien Fabrik (EEF) aus Berlin spricht bei seinem Besuch im Schwarzwald mit unserer Redaktion über den Zeitplan, den Unfall mit einem Rotorblatt und die Akzeptanz von Windkraft.

 

Der Unfall Dass sein Projekt einmal bundesweit Schlagzeilen schreibt, darauf hätte Julian Kilchling gerne verzichtet. Im Januar rutschte ein Schwertransport mit einem 70 Meter langen Rotorblatt bei Calmbach ab und sorgte für eine Vollsperrung der B 294. Er war auf dem Weg nach Besenfeld zum Windpark Seewald – dem Projekt, das Kilchling für die EEF leitet.

So ein Unfall sei „nicht alltäglich“ und wohl auf technische Defekte zurückzuführen, sagt Kilchling. Die Anlieferung der teils riesigen Komponenten für die Windräder werde von kompetenten Dienstleistern abgewickelt und lange geplant – auch mit Streckenstudien, in denen die Straßen bemessen, kritische Stellen ausgemacht und entsprechend angepasst werden. „Die Wege von der Autobahn bis zum Windpark sind im Schwarzwald teilweise recht lang und können sehr kurvig sein“, weiß der Projektleiter. „Mit so einem Rotorblatt mit knapp 75 Metern Länge wird es schwierig, überall durchzukommen.“

Der Zeitplan Es soll der einzige Makel beim Bau des Windparks bleiben. „Momentan sind wir sehr zuversichtlich, dass der Unfall für den Gesamtablauf keine Verzögerungen mit sich bringt.“ Und der Zeitplan ist straff: Voraussichtlich im August sollen die acht Windräder in Betrieb genommen werden. Ein Parkfest, zu dem alle Bürger und Partner eingeladen sind, soll dann wohl im September steigen.

Die Anlagen Die Nabenhöhe der acht Windräder, also der Abstand zwischen Boden und der Mitte des Rotors, beträgt jeweils 164 Meter. Es handelt sich um sieben Anlagen mit einer Leistung von 5,7 Megawatt und eine mit 4,8 Megawatt. Damit sollen die Windräder nach Angaben des Projektierers jährlich insgesamt bis zu 100  Megawattstunden Strom erzeugen – womit rund 28 000 Haushalte versorgt werden können. Laut Kilchling ein „sehr realistischer Wert“. Denn vor dem Bau hätten über Monate Windmessungen stattgefunden – die im Übrigen auch von der finanzierenden Bank erwartet würden –, so dass man eine gute Prognose für die Windmenge habe.

Die Planung und Übernahme Die Planungsphase für den Windpark dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Die Firma Altus Renewables entwickelte das Projekt zunächst für deren Muttergesellschaft KMW AG (Kraftwerke Mainz-Wiesbaden). Im September 2025 übernahm Kilchlings Firma EEF den Windpark, als sich dieser bereits im Bau befand. EEF versteht sich als ganzheitlicher Projektentwickler, was bedeutet, dass die Firma Projekte über alle Phasen betreut – von der Flächenakquise über die Planung, den Bau und den Betrieb. Dass ein Windpark in einer späten Phase eingekauft wird, ist laut Kilchling nicht selten: Derzeit kämen viele Projekte in den Markt, was mit politischen Veränderungen wie der Planungsbeschleunigung zu tun habe.

Die Privilegierung der Windenergie ist auch der Grund dafür, dass die acht Windräder gebaut werden dürfen. Solange der Teilregionalplan Windenergie nicht in Kraft ist, greift das Baugesetz, in dem geregelt ist, dass Windräder im Außenbereich zulässig sind, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen und die ausreichende Erschließung gesichert ist.

Für Projektentwickler wie EEF besteht dabei die Herausforderung darin, sich geeignete Standorte zu sichern. Der Prozess beginne damit, einzelne Flächen zu kaufen – in der Hoffnung, dass sich diese irgendwann zu einem größeren Stück verbinden lassen. Mit acht Anlagen sei Seewald ein großer Windpark in Süddeutschland.

Nicht nur die Eigentümer von Flächen, sondern auch die Gemeinden will Kilchling bei seinen Projekten abholen. „Bei jedem Projekt ist man glücklicher, wenn man mit den Gemeinden Wege findet.“ Den Austausch mit Bürgermeister Dominic Damrath bezeichnet er als „sehr produktiv“.

Die Akzeptanz Fakt ist aber auch, dass der Windpark umstritten ist. 2023 hatte die Gemeinde Seewald Klage gegen die acht Windräder eingereicht, nachdem der Gemeinderat das Einvernehmen zuvor versagt und sich auch bei Bürgern Protest geregt hatte. „Mit den geplanten Windkraftanlagen und den 14 Anlagen des bestehenden Windparks wären wir von Windkraftanlagen umzingelt“, sagte der damalige Bürgermeister Gerhard Müller. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg entschied, dass die Windräder gebaut werden dürfen. Daraufhin erteilte dann auch der Gemeinderat mehrheitlich die Baugenehmigung für den Windpark. Die Gemeinde soll von diesem profitieren: Eine Beteiligung der Kommune mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde ist vorgesehen. Bei 100 Megawattstunden wären das 200 000 Euro jährlich.

Nach den acht Windrädern ist wohl nicht Schluss: Die Firma Altus Renewables plant bereits den Windpark Seewald II mit vier 179 Meter hohen Anlagen – ebenso viele sind es beim geplanten Windpark Trischelwald südlich von Seewald auf Gemarkung Röt und Igelsberg.

Auch beim Windpark Seewald II deutet sich nun ein juristisches Tauziehen an. Der Gemeinderat hat kürzlich das Einvernehmen für das Projekt versagt. Der Unterschied zum ersten Windpark: Mittlerweile ist der Teilregionalplan Windenergie verabschiedet worden. Bis dieser in Kraft tritt, dauert es allerdings noch einige Monate. Es könnte also ein Rennen gegen die Zeit werden.

Als studierter Politikwissenschaftler beschäftigt sich Kilchling nach eigenen Angaben viel mit dem Thema Akzeptanz. Seiner Erfahrung nach legt sich der Missmut mit der Zeit – er weiß aber auch: „Es wird sicher von manchen Personen auch als Belastung wahrgenommen.“ Dass die Höhe der Windräder für viele ein Thema sei, könne er verstehen: „Das ist schon ordentlich.“

Die Effizienz Kilchling betont aber auch: „Man kann mit solchen Anlagen sehr viel mehr Energie erzeugen als noch vor 10 oder 15 Jahren.“ Und bei acht Anlagen in einem Park würden sich Skaleneffekte bemerkbar machen.

Kritiker entgegnen allerdings, dass sich Windkraft ohne Förderung nicht rechnen würde – nicht zuletzt, da der Schwarzwald im Vergleich zum Norden windarm sei. „Man kann das Erneuerbare-Energien-Gesetz schon als Subvention sehen“, sagt Kilchling.

Allerdings müsse man gesamtgesellschaftlich die Fragen stellen: „Möchte man nur im Norden bauen? Und wie kommt der Strom dann in den Süden?“ Kilchlings Antwort lautet: „Gesamtgesellschaftlich ist es schon ein Vorteil, wenn wir hier in Seewald einen Park haben.“