Laut ACE verzichtet in Baden-Württemberg jeder zweite junge Radler auf den Helm. Foto: AP

Viele Fahrräder haben Mängel, und 69 Prozent der Schulkinder tragen keinen Kopfschutz.  

Stuttgart - In ihrem jugendlichen Leichtsinn setzen viele Schulkinder ihre Sicherheit auf dem Fahrrad immer wieder aufs Spiel. Zwei von drei radelnden Schülern sind ohne Schutzhelm unterwegs.

Tom kennt eine Abkürzung auf dem Weg zur Schule. Auch an diesem Tag sitzt er wieder "oben ohne" auf dem Sattel. Das wird sich rächen. Als er über den Feldweg rast, kreuzt plötzlich eine Katze vor ihm auf. Tom zieht abrupt an der Bremse und stürzt kopfüber auf den Boden. Er blutet an der Stirn und muss zum Arzt, der die klaffende Wunde wieder zusammennäht. Eine Gehirnerschütterung hat er auch.

Ein Unfall, wie er sich täglich irgendwo in Deutschland ereignet. Dabei wären die Folgen oft weniger schlimm, würden sich die Radfahrer besser schützen. Doch das tun sie viel zu selten. Die Zahlen, die jetzt eine stichprobenartige Untersuchung des Auto Clubs Europa (ACE) liefert, sind erschreckend. 69 Prozent der jungen Zweiradfahrer haben demnach keinen Helm auf, und 54 Prozent tragen beim Radeln ungeeignete dunkle Kleidung. Die schlechtesten Helmtragquoten haben ostdeutsche Bundesländer, vorneweg der Freistaat Sachsen, wo sich 87,5 Prozent der Schüler verweigern. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg verzichtet jeder zweite junge Radler auf den Helm.

Jedes vierte Fahrrad mit defektem Licht

Insgesamt 129 Schulen sowie mehr als 10.000 Radler und deren Fahrräder haben die ACE-Inspektoren begutachtet. Sie stellten auch fest, dass in 16 Prozent der Fälle der Schulranzen einseitig am Fahrradlenker transportiert wurde oder lässig über nur eine Schulter geworfen war. Damit nicht genug. Bei jedem vierten Fahrrad war das Licht defekt. Mal fehlte der Dynamo, mal der Schweinwerfer, mal das Rücklicht.

Ebenfalls bei jedem vierten Rad gab es Mängel bei den Reflektoren, die wichtig sind, damit auch querende Verkehrsteilnehmer einen Radfahrer rechtzeitig erkennen. Bei jeweils acht Prozent fehlten Bremsklötze oder die Reifen hatten zu wenig Profil. Bei fast jedem fünften Rad fehlte die Klingel.

Die Ergebnisse haben dazu geführt, dass der Verkehrsclub heute die Schulministerkonferenz zum Handeln auffordern wird. Die einschlägigen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Verkehrssicherheit sind mittlerweile 17 Jahre alt. Zeit genug, um sie zu novellieren, meint der ACE. Zudem müssten sich Schüler, Lehrer und Eltern mehr um die Fahrradsicherheit und Mobilitätserziehung kümmern. Ganz oben auf der Liste steht, dass Schulkinder einen Helm tragen müssten.

Alle 18 Minuten ein Unfall

Wie gefährdet die Jugendlichen sind, zeigt auch der jüngste Bericht des Statistischen Bundesamtes (Destatis) über Kinderunfälle. Laut Destatits erlitt im vergangenen Jahr alle 18 Minuten ein Kind im Straßenverkehr einen von der Polizei aufgenommenen Unfall mit Verletzung. Ein Drittel der verunglückten Kinder kam auf einem Fahrrad zu Schaden. Von den 2010 im Straßenverkehr getöteten Kindern waren 19 Prozent mit dem Rad unterwegs.

Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil waren Jungen insbesondere als Radfahrer wesentlich stärker gefährdet als Mädchen. Der Unfallanteil der Jungen liegt bei 66 Prozent, bei den Mädchen ist es ein Drittel. Zurückgeführt wird dies unter anderem auf die erhöhte Verkehrsteilnahme und Risikobereitschaft von Jungen.