Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Abzocke mit "Lichtspaziergang"? Falsche Angaben um Balinger Spendenkonto

Von
Demonstranten halten beim "Lichtspaziergang" Schilder in die Höhe. Dort wurde am Montagabend auf die dazugehörige Internetseite verwiesen. Diese und ein weiterer, damit eng verbundener Onlineauftritt weisen viele Ungereimtheiten auf. Foto: Maier

Bei zwei Onlineauftritten, die im engen Zusammenhang mit dem sogenannten Balinger Lichtspaziergang stehen, gibt es Ungereimtheiten. Was die gemeinsame Recherchen unserer Zeitung mit dem SWR ergeben haben, und warum sich die Organisatoren möglicherweise wegen Veruntreuung verantworten müssen, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Balingen - Für wenigstens zwei Online-Auftritte, die im engen Zusammenhang mit dem sogenannten Balinger "Lichtspaziergang" stehen, ist im Impressum als Verantwortlicher ein angeblich in Balingen wohnender Mann genannt, der in Balingen aber gar nicht gemeldet ist. Ebenso fragwürdig ist nach gemeinsamen Recherchen unserer Zeitung und des SWR: Auf den beiden Seiten mit den falschen Impressen wird um Spenden gebeten, und es wird Aktionsmaterial verkauft. Entwickeln sich die "Lichtspaziergänge" sowie der Protest gegen die Corona-Maßnahmen damit zu einem dubiosen Geschäftsmodell?

Konkret geht es um die Seiten keinepanik-zollernalb.de sowie lichtspaziergang.de. Auf letztere hat Christoph Gorschlüter, Mitveranstalter des "Lichtspaziergangs", am Montagabend ausdrücklich hingewiesen: Es handele sich um eine neue Seite, auf der Interessierte alle Informationen zum Corona-Protest in Balingen fänden.

Beide Seiten sind erkennbar eng miteinander verknüpft: Die Angaben im Impressum sind identisch, die Seiten verweisen aufeinander, für Spenden wird dieselbe Bankverbindung angegeben. Nur: Wer steckt eigentlich dahinter?

Zwei Onlineauftritte, ein Bankkonto

Als Verantwortlicher auf beiden Seiten ist aktuell ein gewisser Christian Gerling-Fendt genannt. Als Anschrift angegeben war bis Dienstag die Adresse Auf Schmieden 68 in Balingen. Nachfragen ergeben, dass an diesen Angaben vieles merkwürdig – und ganz einfach alles falsch ist.

Ganz erstaunlich ist zunächst, dass der Name des angeblich Verantwortlichen der Keine-Panik-Seite in den vergangenen beiden Wochen gewechselt hat: Vor rund 14 Tagen war dort noch ein gewisser Krystof Kohlschütter hinterlegt; erst seit wenigen Tagen ist es der angebliche Christian Gerling-Fendt, der auch für die Lichtspaziergang-Seite verantwortlich zeichnet. Die in den Impressen genannte Adresse – Auf Schmieden 68 – war indes stets dieselbe.

Genau diese Adresse aber gibt es in Balingen nicht, wenn man es ganz genau nimmt. Schmiden schreibt sich ohne "ie", nur mit "i". Es erscheint seltsam, dass jemand seine eigene Adresse – und das mehrfach – nicht korrekt zu schreiben weiß.

Noch seltsamer wird es, wenn man bei Werner Steimle nachfragt. Er ist Eigentümer des Gebäudes Auf Schmiden 68 (korrekt geschrieben), betreibt dort eine Metzgerei. Ein Mann namens Kohlschütter oder Gerling-Fendt sei ihm nicht bekannt, sagt Steimle. Es wohne auch niemand mit diesen Namen in seinem Haus. Und er selbst stecke nicht hinter den Onlineauftritten, versichert Steimle glaubhaft.

Christian Gerling-Fendt gibt es gar nicht

Aber wer dann? Zumindest der seit wenigen Tagen im Impressum genannte Christian Gerling-Fendt ist es nicht. Das belegt eine Auskunft aus dem Melderegister der Stadt Balingen. Ein Mann mit diesem Namen sei in Balingen weder derzeit gemeldet noch als gemeldet gewesen verzeichnet, sagt das Bürgerbüro.

Die Impressen beider Seiten sind also falsch, irreführend und entsprechen damit möglicherweise nicht den gesetzlichen Anforderungen. Grundsätzlich muss ein Impressum nach herrschender Rechtsmeinung eine ladungsfähige Anschrift des Inhabers einer Website enthalten – schließlich sollen Nutzer einer Seite wissen, mit wem sie es zu tun haben. Zwingend vorgeschrieben ist ein Impressum laut Telemediengesetz für geschäftsmäßige Online-Dienste; laut Rundfunkstaatsvertrag gilt diese Pflicht auch für journalistisch-redaktionell gestaltete Seiten, die zur Meinungsbildung beitragen können.

Rechtlich noch nicht abschließend geklärt ist derweil, ob die Vorgabe auch für private Blogger-Seiten gilt. Entscheidend sind die Reichweite, das angepeilte Publikum sowie das Kriterium des unternehmerischen und geschäftsmäßigen Handelns.

Gilt die Impressums-Pflicht also für die Seite keinepanik-zollernalb.de? Dort geht es eigentlich nur um ein Thema: Corona. Mit allem drum und dran. Mit viel Geraune. Das könnte vielleicht gerade noch als private und damit nicht impressumspflichtige Seite durchgehen.

Steckt Mitorganisator Christoph Gorschlüter hinter allem?

Fraglich ist indes, ob dies immer noch gilt, wenn dort "Aktionsmaterial" wie Aufkleber ("Impfzwang? Nein danke", "Gesundheits-Diktatur? Nein danke") zum Verkauf angeboten werden. Und fragwürdig ist es allemal, wenn auf einer Seite mit falschem Impressum um Spenden geworben wird. An wen geht das Geld?

Fest steht, dass sowohl auf lichtspaziergang.de als auch auf keinepanik-zollernalb.de dieselbe Bankverbindung für Spenden genannt ist. Es handelt sich um ein Konto der Deutschen Bank. Auch über Paypal seien Zuwendungen möglich. Bestelllungen für die Aufkleber könne man "jederzeit gerne per Mail" aufgeben, als Ansprechpartner hinter der Adresse steht nur ein Vorname, mutmaßlich der Ansprechpartner und damit derjenige, der die Bestellung entgegennimmt: Christoph.

Christoph? Vielleicht Krystof (Kohlschütter), der Mann, dessen Name bereits im Impressum der Keine-Panik-Seite mit dem falschen "Schmieden" auftauchte? Oder, diesem mutmaßlich ebenso wie Christian Gerling-Fendt erfunden Namen recht ähnlich, Christoph Gorschlüter, der Mitveranstalter des "Lichtspaziergangs"? Der sich auf der Panik-Seite ("Wir über uns") zusammen mit anderen mit einem kurzen Video vorstellt?

Dafür gibt es starke Indizien. Denn mittlerweile wurde – mal wieder – das Impressum beider Online-Auftritte überarbeitet. Zwei Mal änderten sich die Angaben seit Dienstag, und zwar nach einer Anfrage bei Christoph Gorschlüter: Wir fragten nach, ob er einen Kontakt zu Herrn Gerling-Fendt herstellen könnte. Metzger Steimle sei verwirtt, weil auf den Webseiten seine Adresse genannt sei. Daraufhin verschwand am Dienstag zunächst die Hausnummer 68, die Straße "Auf Schmieden" (immer noch falsch geschrieben) blieb zunächst dieselbe. Später dann wurde auch diese geändert: Angegeben ist nun ("c/o") die Adresse von Christoph Gorschlüter.

Unklar ist, an wen die Spenden gehen

Der Mitveranstalter des "Lichtspaziergangs" machte in einem Telefonat auch widersprüchliche Angaben: Auf die Frage, wer Herr Gerling-Fendt sei, sagte er am Dienstag zunächst und ganz spontan: "Das bin ich." Im weiteren Verlauf meinte Gorschlüter dann, das sei jemand, der den "Lichtspaziergang" mit organisiere. Er könne einen Kontakt herstellen, per SMS.

Als Antwort auf die Kurznachricht kam dann nur noch sinngemäß, dass auf der Homepage alles stehe, was es zu sagen gebe. Und: "Vergessen Sie definitiv alles darüber Hinausgehende!"

Nun ist das "darüber Hinausgehende" wohl genau das, was eine breite Öffentlichkeit und viele Teilnehmer des "Lichtspaziergangs" interessieren dürfte. Etwa die Frage, wer denn nun die Seite betreibt. Oder wer Empfänger der Spenden ist, um die auf den beiden Seiten gebeten wird. Wofür, sofern bislang Spenden eingegangen sind, das Geld verwendet wird. Eigentlich ganz normale Fragen. Antworten: Fehlanzeige. Schon die Fragen werden unterbunden.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Antworten werden der angebliche Gerling-Fendt oder aber Gorschlüter in nächster Zeit aber möglicherweise anderen Stellen liefern müssen: Die Polizei prüft den Sachverhalt. Ermittler hatten insbesondere die Keine-Panik-Seite bereits auf dem Schirm, allerdings überflogen sie bisher nur kursorisch deren Inhalte auf mögliche Rechtsverstöße. Mittlerweile sind sie aufgrund unserer Recherchen auch auf die Lichtspaziergang-Seite sowie die engen Verbindungen der beiden Online-Auftritte aufmerksam geworden. Auf die falschen, oft wechselnden Angaben im Impressum. Auf die Spendenaufrufe.

Ein Beamter meinte am Mittwoch, das rieche unter anderem nach Veruntreuung von Spendengeldern.

Wir waren beim jüngsten Lichtspaziergang mit der Kamera vor Ort:

Fotostrecke
Artikel bewerten
30
loading

Top 5

33

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.