Der Abwasserzweckverband macht sich auf den Weg - und lässt sich selbst vom Schnee, der am 26. März 2026 noch lag, nicht aufhalten. Beim Ortstermin am Regenüberlaufbecken Täbingen besprach der Verband mit dem Landratsamt, Betriebsleiter und Ingenieurbüro, wie es mit der Betonsanierung weitergeht. Foto: Abwasserzweckverband

Im Unteren Schlichemtal müssen Regenüberläufe und Becken erneuert werden – und zwar dringend. Warum der Abwasserzweckverband in der Bringschuld ist.

Bis zum Jahr 2024 hätten an allen Regenüberlaufbecken (RÜB) neue Messsysteme installiert werden sollen. „Das Land will sicherstellen, dass bei den hohen Fördergeldnern auch angemessene Technik integriert ist“, erklärte Jakob Geiger vom Ingenieurbüro Raidt und Geiger der Versammlung. Der Abwasserzweckverband Unteres Schlichemtal kam in der jünsten Sitzung nämlich vorwiegend zusammen, um über die Zukunft der Regenüberlaufsysteme zu sprechen.

 

1978 erfolgte die Verbandsgründung und 1982 wurde die Kläranlage in Betrieb genommen. Dabei sind sowohl Mitglieder aus dem Zollernalbkreis als auch des Landkreises Rottweil vertreten. Das Gebiet erstreckt sich von Zimmern unter der Burg und Dautmergen über Leidringen bis nach Irslingen und umfasst 55 Quadratkilometer. „Die Kläranlage wurde immer wieder erneuert“, erklärt Vorsitzender Frank Scholz. Die weiteren Installationen, wie etwa Regenüberläufe und RÜB werden nun sukzessive auf den neusten Stand gebracht.

Ein Becken nach dem anderen

Sieben RÜB unterhält der Abwasserzweckverband. Da der Zustand des Beckens in Täbingen am schlechtesten ist, wird hiermit begonnen, die restlichen Becken, zuforderst Zimmern u.d.B. und Leidringen, folgen. Die Betonsanierung wurde bereits angestoßen. 290.000 Euro wird die Maßnahme kosten, außerdem kommen 30.000 Euro Ingenieurhonorar als Nebenkosten hinzu sowie die Maschinentechnik, also die Erneuerung veralteter mechanischer Teile. Nach der Ausschreibung und Submission könnten die Arbeiten ab Mitte Juli starten.

Doch damit ist es noch lange nicht getan, die Betonsanierung ist quasi erst der Anfang. Ein Messsystem soll aufgebaut werden und eine zentrale Datenverwaltung mit Fernwirksystem. 90 bis 200 Kubik Inhalt haben die RÜB. „Bisher erfolgten die Aufzeichnungen manuell, dabei war auch die Reinigung aufgrund von organischem Material erforderlich“, veranschaulicht Scholz. „Zukünftig sollen eingestaute Wassermengen erfasst werden mit einem Datenlogger, so eine Art Tagebuch. Das wird dann automatisiert und zeitgleich übermittelt.“

Allerdings hat so ein zukunftsfähiges System natürlich auch seinen Preis. 350.000 bis 400.000 Euro fallen pro RÜB an, 70 bis 80 Prozent davon förderfähig. Über die smarte Lösung kann der Betriebsleiter von der Kläranlage aus auf alle RÜB zugreifen, sodass die Steuerung personalschonend und kostensparend erfolgen kann. Aktuell erfolgt dies noch manuell. Die Umsetzung muss jedoch noch warten. Es soll vorübergehend eine „kleine Variante“ installiert werden, die lediglich die Daten zu Menge und Zeit übermittelt.

„Wir hätten 2025 die Ferntechnik schon einbauen sollen“, so Scholz. „Wenn wir darauf warten, verschiebt sich das sonst auf 2027/28 und das wird nicht akzeptiert. Wir müssen den kleinen Zwischenschritt machen, weil wir in der Bringschuld sind.“ Auch Geiger unterstrich: „Es sind alle RÜB, für die das Landratsamt Messdaten fordert und zwar vehement. Da werden wir nicht drumherum kommen.“

„Wir sind in der Bringschuld“

In Verzug ist der Verband unter anderem geraten, da es einen Betriebsleiterwechsel gab. Außerdem ist zumindest in Täbingen zunächst die Betonsanierung erforderlich, bevor die Technik in irgendeiner Weise angepasst werden kann. Das Landratsamt zeige Verständnis und begleite den Prozess sachlich.

Knapp 50.000 Euro fallen für die vorübergehende Option an. „Wir wollen aber kein Geld aufwenden, das verloren wäre“, stellt der Vorsitzende klar. Bis 2030 müssen nicht nur alle Becken, sondern auch die Regenüberläufe selbst mit entsprechender Fernmeldetechnik versehen werden. Sobald die Becken also mit angemessener zukunfts- und leistungsfähiger Technik ausgestattet werden können, wird die vorübergehende Installation auf die Regenüberläufe übertragen. Den Beginn macht Täbingen. Ob eine vorübergehende Variante auch für die restlichen sechs RÜB notwendig sein wird oder ob bis dahin direkt auf die smarte Lösung umgestiegen werden kann, wird sich mit Fortschreiten der Maßnahme zeigen.