Der Abwasserzweckverband Nagold hat ein riesiges Problem mit Fremdwasserzufluss. Besonders dramatisch ist dabei die Situation in Salzstetten. Dort soll nun probeweise mit einem Versuch gegengesteuert werden.
Es ist die erste Sitzung des Abwasserzweckverbands Nagold im neuen Jahr: Vieles ändert sich – Verabschiedungen, neue Gemeinderätinnen und Räte im Gremium, ein neuer technischer Leiter – vieles bleibt aber auch gleich. Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann wurde als Verbandsvorsitzender wiedergewählt, ebenso wie sein Stellvertreter Volker Schuler, Rathauschef in Ebhausen.
Den Posten der zweiten Stellvertreterin übernimmt Haiterbachs neue Bürgermeisterin, Kerstin Brenner. Sie ersetzt ihren Haiterbacher Vorgänger Andreas Hölzlberger. Die Amtszeit der Ämter ist auf fünf Jahre vorgesehen. Großmann stimmte den Zweckverband auf eine schwierige Zeit ein. Auf den Baustellen laufe es zwar, beim Düker-Neubau unter der Nagold etwa, in den kommenden Jahren seien aber weitere Investitionen nötig.
Dazu werde 2025 ein Kredit in Höhe von 4,85 Millionen Euro aufgenommen. Neue und bessere Reinigungsstufen erfordern mehr Energie, erklärte Peter Haselmaier, technischer Leiter der Abwasserentsorgung in Nagold. Auch hier sei mit einem Kostenanstieg zu rechnen. „Um eine Gebührenerhöhung kommen die Bürger daher gar nicht herum“, so Großmann.
Alarmierende Zahlen bei Fremdwasser
Das größte Sorgenkind des Zweckverbands befindet sich zurzeit im Horber Umland: Das Regenüberlaufbecken in Salzstetten. Die Fremdwasserverschmutzung, meist Wasser aus Bächen oder Drainagen, das sich ungewollt mit dem Schmutzwasser in der Kanalisation vermischt, beträgt im Verbandsgebiet knapp über 30 Prozent. Dieses sogenannte Mischwasser landet dann bei überfüllten Regenüberlaufbecken meist in den umliegenden Gewässern – im Falle von Salzstetten im Brühlbach – und verunreinigt diese.
Ingenieur Wolfgang Lieb analysierte die Situation für den Zweckverband. Seine Zahlen sind besorgniserregend. Von 2016 bis 2023 ergebe sich beim Überlaufbecken in Salzstetten eine mittlere Entlastungsdauer von 780 Stunden beziehungsweise eine Häufigkeit von 65 Tage.
Im nächstliegenden Becken in Altheim seien die Zahlen weniger dramatisch, aber immer noch zu hoch. Hier sei eine Entlastungstätigkeit von 526 Stunden oder 40 Tagen vorhanden. Die durchschnittliche Entlastungshäufigkeit von Regenüberlaufbecken liegt zwischen 18 bis 36 Mal pro Jahr.
Mehr Zufluss ohne Überlastung
Eine veränderte Drosselung in Salzstetten soll hier Abhilfe schaffen. Momentan fülle sich das Becken, sobald der Zulauf die Marke von 25 Litern pro Sekunde übersteigt, erklärte Lieb weiter. Versuchsweise soll dieser Drosselabfluss bis auf 45 Liter pro Sekunde erhöht werden.
Dies werde aber an den Füllstand im Altenheimer Becken gekoppelt. Überschreitet dieser die Marke von 3,80 Metern, werde der Zulauf bei 35 Litern pro Sekunde gedrosselt. Bei einem Füllstand von 4,90 Metern wird der Zufluss auf den ursprünglichen Wert von 25 Litern pro Sekunde zurückgesetzt. Die Kläranlage dürfe nicht überlastet werden.
Steinach für Abfluss besser gerüstet
Dadurch wird die Auslastung in Altheim deutlich. Durch die höheren Kapazitäten, aber vor allem wegen der mechanische Vorreinigung, sei dies mehr als vertretbar, so das Fazit.
Das Wasser fließt somit vorgereinigt in die Steinach. Der Größenunterschied der Gewässer habe ebenfalls eine Rolle bei der Beurteilung gespielt. In der Steinach wird das Mischwasser deutlich stärker verdünnt.
Wann der Probebetrieb starten soll ist noch nicht festgelegt. Vom Landkreis Calw gibt es für den Test grünes Licht.