Sowohl für Schmutz- als als auch Niederschlagswasser fallen Gebühren an. Foto: Schneider

Damit die Abwasserbeseitigung Sulz nicht auf dem Trockenen sitzt, hat man die Gewinne aus den Vorjahren im Blick. Denn besonders die Kläranlagen sind eine teure Sache.

Manch einer mag denken „Aus den Augen, aus dem Sinn“, wenn das Schmutzwasser gurgelnd im Abfluss verschwindet. Doch dass damit richtige Kosten verbunden sind, machte Helena Hermann, verantwortlich für die Stadtkämmerei wie auch die kommunalen Eigenbetriebe, in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich.

 

Denn der Jahresfehlbetrag 2026 des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung (ABS) wird sich voraussichtlich auf rund 382 000 Euro belaufen. Der Grund: Die Aufwendungen von gut vier Millionen Euro übersteigen die geplanten Erträge von 3,7 Millionen Euro – dabei sind diese mit einem Plus von gut 273 000 Euro gegenüber dem Vorjahr gar nicht so gering.

Zwölf Euro im Monat mehr

Dies geht zum großen Teil auf die Abwassergebühren zurück, für die seit Anfang des Jahres neue Gebührensätze gelten. Seither zahlen die Bürger für ihr Schmutzwasser pro Kubikmeter 89 Cent – oder 32 Prozent – mehr, also 3,68 Euro.

Die Mehrkosten bedeuten bei einem vierköpfigen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 160 Kubikmetern eine Erhöhung um 142 Euro im Jahr oder zwölf Euro im Monat.

Kanalsanierung kostet

Gleichzeitig sinkt die Niederschlagsgebühr um vier auf 47 Cent pro Quadratmeter. Bei einer angenommenen Fläche von 200 Quadratmetern versiegelter Fläche ergibt sich so eine Entlastung von acht Euro im Jahr.

Was bei der Aufwendungsseite zu Buche schlägt, ist vor allem die Sanierung der Kanalinfrastruktur, für die deshalb ein Budget von 457 000 Euro vorgesehen ist. Einen großen Posten bildet dabei etwa die Sanierung der Abwasserleitungsbrücke über den Neckar in Fischingen.

Kläranlage verursacht Kosten

Eigene Maßnahmen im Rahmen der Eigenkontrollverordnung werden mit 120 000 Euro beziffert. Die Unterhaltskosten der Kläranlage Sulz belaufen sich voraussichtlich auf 85 000 Euro.

Darin sind unter anderem die Wartung des Blockheizkraftwerks, von Gebläse und Gasfackel, aber auch die Prüfung der Niederdruck-Trockengasbehälter oder der Austausch von Messsonden und elektrischer Anlageteile enthalten.

Baugebiete und Digitalisierung

Eine Kostenreduzierung ist hingegen bei der solaren Klärschlammtrocknung eingetreten. Darüber hinaus wird in die Anlage auch kräftig investiert. So müssen zwei Brauchwasserhydranten und das Schneckenpumpwerk erneuert werden – für rund 83 000 Euro.

Auch die Digitalisierung kostet. Ein digitales Leitungskataster soll eine sichere Datengrundlage bilden, um künftige Projekte besser planen zu können. Kostenpunkt: 10 000 Euro. Investiert wird mit 470 000 Euro ebenfalls in das neue Baugebiet „Fichtenweg/Forchenweg“ in Dürrenmettstetten.

Millionenschwere Sanierungen

Aus dem vergangenen Jahr müssen noch 60 000 Euro für die Mühlheimer „Etzelsteige“ und „Hintergärten“ in Renfrizhausen mit rund 542 000 Euro übertragen werden.

Bei der Sanierung und Erweiterung der Kläranlage in Bergfelden des Abwasserzweckverbands „Oberes Mühlbachtal“ ist die Stadt Sulz mit 2,6 Millionen Euro beteiligt. Die Ertüchtigung der Kläranlage in Glatt bedeutet für die Kommune Kosten in Höhe von drei Millionen Euro.

Rücklagen-Polster ist da

Der Kostenanteil der dringend notwendigen Kanalsanierung „Empfingen – Mühlheim“ beträgt 830 000 Euro. Zum Jahresende 2025 beläuft sich der Schuldenstand auf gut sechs Millionen Euro an Fremddarlehen und knapp 5,2 Millionen Euro Trägerdarlehen.

Doch da aus den Vorjahren noch Gewinnüberschüsse in Höhe von 2,3 Millionen Euro existieren, die innerhalb von fünf Jahren ausgeglichen sein müssen, steht die ABS vergleichsweise gut da.