Die Kläranlage in Agenbach war Gegenstand ellenlanger Diskussionen im Neuweiler Gemeinderat. Foto: Fritsch

Zusammenschluss von Agenbach mit anderen Anlagen geplant. Gemeinderat hat viele Fragen.

Die Kläranlage in Neuweilers Teilort Agenbach wird heiß diskutiert im Gemeinderat. Bei einer Planung, die die Zusammenlegung mehrerer Kläranlagen vorsieht, gibt es zahlreiche Rückfragen. Doch Zeit ist im Grunde noch genügend vorhanden.

Neuweiler - Joachim Hölle, Susen Linhart und Stephan Lendl ergriffen nach dem sie betreffenden Tagesordnungspunkt eiligst die Flucht. Kein Wunder, wurden die drei externen Experten zum Thema "Abwasserkonzeption für das Kleine und Große Enztal" vom Neuweiler Gemeinderat doch arg in die Mangel genommen.

Ersatzlösung schon länger geplant

Doch von Anfang an: Dafür muss man zurück ins Jahr 2016. Dem Gremium wurde damals schon einmal ein Plan vorgestellt, um eine Ersatzlösung für die Kläranlage in Agenbach zu finden. Damals war auch eine Idee im Gespräch, aus der Anlage in Agenbach eine biologische Kläranlage zu machen. Doch das wurde nun verworfen – die jetzt präsentierte Konzeption verbindet nämlich die Kläranlagen im Kleinen und Großen Enztal miteinander. Die Anlagen aus Agenbach, Christophshof, Meistern und Rehmühle (alle drei auf Bad Wildbader Gemarkung) sollen gesammelt an die Anlage in Calmbach geleitet werden – damit man den immer höher werdenden Anforderungen und schärferen Grenzwerten weiter gerecht werden kann.

Doch hierzu braucht es zahlreiche Pumpwerke und lange Leitungen – über alles sei das aber die bessere Variante, versicherte Hölle vom Planungsbüro "Sweco", der in der Sitzung anwesend war. Doch die hat ihren Preis: Mit 8,16 Millionen Euro kalkuliert man.

Neubau wegen Naturschutz schwierig

Der Abwasser- und Klärexperte erklärte dem Gemeinderat dann auch, dass eine ursprüngliche Variante, die einen Kläranlagenneubau in Betracht zog, schwerlich realisierbar wäre, da der einzig mögliche Standort inmitten eines Schutzgebietes liegt. Dass das hoch problematisch werden kann, bestätigte Linhart, die beim Landratsamt für Umwelt- und Arbeitsschutz zuständig ist: "Wenn es andere Varianten gibt, die gleichwertig sind, dann wird in der Regel die gemacht."

Und genau mit dieser Variante, dem Anschluss der Agenbacher Kläranlage an diese in Calmbach, sorgte im Gemeinderat Neuweiler für eine gewisse Missstimmung. Wieso Neuweiler 36 Prozent der Kosten an der Maßnahme tragen solle, obwohl man nur eine von vier betroffenen Anlagen in die neue Lösung miteinbeziehe, wollte Rätin Doris Hammann wissen.

Die Berechnung sei hoch komplex, so Hölle. Nur so viel: Diverse Arbeitsstränge würden verschieden aufgeteilt, teils Leitungen komplett oder gesplittet abgerechnet. Man könne aber mit einer Förderung in Höhe von 60 bis 80 Prozent rechnen. "Also kann sich das noch verschieben?", wollte Hammann abermals um Sorge um die Gemeindekasse wissen. "Zum Vor- aber auch Nachteil", so die knappe Antwort von Bürgermeister Martin Buchwald.

Warnendes Beispiel aus Neubulach

Auch Rainer Dörich warnte vor einer Kostenexplosion. "Man muss das hier vor Ort schon noch mal genau betrachten. In Neubulach hat man auch deutlich mehr Millionen verbaut als ursprünglich geplant", blickte der Rat zurück. Tatsächlich hatte man für die Abwasserkonzeption Holzbronn-Liebelsberg ursprünglich neun Millionen Euro eingeplant – schlussendlich schwoll die Summe bis zur Fertigstellung 2016 auf vergleichsweise astronomische 20 Millionen Euro an.

Die Gründe für die Kostenexplosion damals: ein überfordertes Planungsbüro, von übergeordneten Behörden wie Landratsamt und Regierungspräsidium erzeugter Zeitdruck sowie Unzulänglichkeiten im Förderwesen. Danach kamen zu allem Überfluss auch noch Probleme mit dem Baugrund hinzu. Alles in allem ein warnendes Beispiel. "Das kann hier auch drohen", fürchtete Dörich das Schlimmste, sah den Ausweg aber auch als "alternativlos" an.

Bei allen Befürchtungen, es helfe nichts, denn die Anlage in Agenbach könnte zwar aufgerüstet werden, aber nur für teures Geld. "Auf längere Sicht ist das nicht machbar. Alles geht, solange es nicht mehr wird von den Anforderungen", meinte Hölle.

Beteiligung an Reparaturen

Ein anderes Thema, das Reinhard Kussack umtrieb war die Frage nach der Finanzierung. "Wie sind wir dann an Reparaturen der Anlage in Calmbach beteiligt", fragte er auch in Richtung Lendl, der in Bad Wildbad für die Kläranlagen mitverantwortlich ist. Er könne sich da einen Zweckverband oder ähnliches vorstellen, meinte Buchwald. Lendl konnte sich hingegen vorstellen, die Kosten über die Menge an eingeleitetem Abwasser oder nach Einwohnern aufzuteilen.

Die Kosten hatten es dem Neuweiler Gemeinderat aber irgendwie angetan. Man habe dann ja drei Millionen Euro an Kosten, klagte Rat Rainer Hanselmann. So sei das nicht, beschwichtige Experte Hölle. In der Tat hatte Hanselmann die durchaus missverständlich präsentierten Zahlen falsch interpretiert. 1,4 Millionen würden schlussendlich wohl fällig für Neuweiler.

Das war einige Gemeinderäten trotzdem etwas zu viel. Man bezweifelte den Nutzen im Vergleich zur eigenverantwortlichen Aufrüstung der heimischen Kläranlage in Agenbach. Hölle machte dann eine simple Rechung auf: "Wenn wir nichts machen, betreiben wir 50 bis 60 Jahre drei Anlagen und so nur eine große." Unterm strich sei das so doch die deutlich wirtschaftlichste Lösung, warb der Sweco-Mann für die Verknüpfung der Anlagen. "So einfach ist es dann aber auch nicht", insistierte Bürgermeister Buchwald und sprang seinem Gemeinderat zur Seite: "Da kommen ja noch große Pumpen hin und die verbrauchen eine Menge Strom", gab der Schultes zu bedenken. Die kurze Rechnung aus drei mach eins gleich günstig sei "zu kurz gesprungen".

Gemeinderat Bernd Greule hatte ohnehin einen ganz anderen Übeltäter ausgemacht, der für die Zusammenlegung verantwortlich sei: das Landratsamt. "Ich denke, viele kleine Anlagen werden dicht gemacht, damit das Landratsamt weniger kontrollieren muss", hielt Greule der Landratsamtsvertretung unverholen vor.

"Das ist nicht ganz richtig", verteidigte sich Linhart. Der Gewässerschutz sei oft das Problem und kleine Anlagen seien nicht so leistungsfähig wie die größeren, weshalb eine Zusammenlegung durchaus sinnvoll sei.

Trotz allem fürchtete Greule die Kostenfalle: "Uns fliegt das um die Ohren", warnte er. Zumal ja nicht klar sei, welche Kosten noch in der Calmbacher Anlage auflaufen würden. "Da fehlt nur noch das Nachklärbecken", beschwichtigte Lendl den aufgebrachten Gemeinderat. Doch am Ende einigte man sich, dass Bad Wildbad noch die Daten für die laufenden Betriebskosten nachliefert, damit man eine bessere Entscheidungsgrundlage schafft.

Einsparung beim Personal marginal

Gemeinderat Jonathan Stockinger stellte daraufhin auch noch in Frage, ob man denn wirklich so viel bei den Personalkosten spare. "Ich glaube kaum, dass wir da wirklich was sparen." In der Tat bestätigte die Verwaltung dann, dass man im Zweifel bei der Kläranlage lediglich 0,7 Stellen sparen würde. Trotz aller Bedenken befürwortete schlussendlich auch Gemeinderätin Hammann die vorgestellte Variante: "Auf längere Sicht ist das sicher kostengünstiger." Stichwort längere Sicht: Wann denn alles fertig sei, fragte Greule nochmals scharf nach. Anfangen könne man wohl erst 2023, dann rechne man mit einer Bauzeit von vier bis fünf Jahren, meinte Hölle abschließend. Der Gemeinderat stimmte dann aber doch dafür, die Pläne weiter voranzutreiben – mit einer Ergänzung: Die weitere Prüfung einer Variante des Neubaus wurde explizit in den Beschluss aufgenommen. Was am Ende rauskommt, werde man dann zu gegebener Zeit entscheiden, versicherte Buchwald.

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