Die Ausgaben zur Ertüchtigung der Burladinger Anlage sind explodiert: 13 Millionen Euro.
Es war keine komplette Überraschung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, aber dennoch deprimierend. Die Kosten für den Bau der vierten Klärstufe der Burladinger Kläranlage haben sich seit der Planung mehr als verdoppelt – von sechs auf 13 Millionen Euro.
Stadt und Gemeinderat haben die Sanierung frühzeitig angemeldet. Man erhält eine Förderung von 80 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Die Teuerung des Projekts, die sich in mehreren Schritten ergab, war nicht das erste Mal Thema im Gemeinderat. Trotzdem wurde die Frage laut: Wie konnte das passieren?
Sebastian Platz, Teamleiter des ausführenden Ingenieurbüros SWECO, wiederholte, was er in früheren Sitzungen vorgetragen hatte. Die Bau-, Material- und Energiekosten hätten sich infolge des Ukrainekrieges empfindlich verteuert. Hinzu kämen beim Material Engpässe. Nicht zuletzt seien im Verlauf des Baus zusätzliche Arbeiten und Aufgaben angefallen.
Die Unwägbarkeiten waren nicht absehbar
„Die Kosten sind schon Wahnsinn, das ist alarmierend“, kommentierte CDU-Fraktionssprecher Michael Eisele. Hätte die SWECO einige Unwägbarkeiten, die sich bei der Realisierung des Projekts ergaben, nicht einplanen müssen – oder können? Platz verneinte das. Die Schwierigkeiten, die sich etwa durch das spezielle Gelände ergeben hätten, seien gleichfalls nicht absehbar gewesen.
Der Gemeinderat nahm den Bericht zur Kenntnis. Nochmals zur Sprache kam, dass die Erweiterung der Anlage nicht auf Beschluss des Gemeinderates oder der Stadt zustande gekommen sei, sondern es sich um eine gesetzliche Bestimmung handele, die auszuführen sei. Man habe immerhin richtig gehandelt, das Projekt rechtzeitig anzugehen und Fördermittel zu beantragen.
Der Beschluss zur Errichtung der vierten Reinigungsstufe fiel im Dezember 2019. Die Anlage soll künftig mit Pulveraktivkohle betrieben werden, um die verschärften Ablaufwerte auf der Kläranlage Burladingen einzuhalten. Mit der jetzigen Technik sei das nicht zu schaffen. Dabei geht es um den Abbau von „Spurenstoffen“, die aus Medizinprodukten oder Reinigungsmitteln ins Abwasser gelangen.
Zuwendungsfähigen Ausgaben belaufen sich auf fast zehn Millionen Euro
Der erste Bauabschnitt umfasste die Errichtung einer „maschinellen Überschussschlammeindickung“, die zweite Phase, den Neubau eines Nachklärbeckens mit Rohrkanal und Betriebsgebäude für Elektro- und Maschinentechnik. 2020 erteilte das Regierungspräsidium eine Bewilligung für einen Zuschuss von 2 701 000 Euro. 2023 erhöhte die Behörde für die förderfähigen Kosten von 6 318 448 auf einen Zuschuss von 5 054 800 Euro.
Inzwischen belaufen sich die zuwendungsfähigen Ausgaben auf 9 518.077 Euro. Wegen der Mehrkosten trat die Stadt erneut an das Regierungspräsidium heran und beantragt weitere Zuwendungen in Höhe von 2 559 662 Euro. Ob die Summe bewilligt wird, stand in der Sitzung des Gemeinderates noch nicht fest.
Zweiter Bauabschnitt, der im Jahr 2023 in Angriff genommen wurde: Dort betragen die zuwendungsfähigen Ausgaben 1 672 002 Millionen Euro, dafür wurde ein Zuschuss in Höhe von 1 337 600 Euro bewilligt.