Vorurteile und vieles, was nicht ins WC gehört: Die Verbandskläranlage im Raum VS zeigt, wie moderne Technik Abwasser reinigt – und warum falsche Entsorgung teuer wird.
Die Verbandskläranlage Deißlingen-Mittelhardt reinigt das Abwasser für Teile von Villingen-Schwenningen. Doch was dort mit dem Abwasser geschieht und warum die Arbeit dort ganz anders ist als man denkt, das haben wir uns vor Ort einmal angeschaut.
Der Klärvorgang des Abwassers besteht aus vier Stufen, berichtet Stefan Eberling, der Betriebsleiter der Verbandskläranlage. Die erste Reinigungsstufe ist die mechanische, hier werden der Unrat und grobe Schmutzteile wie Klopapier entfernt. Dann folgen Sand, Erde sowie Fette.
Die zweite Reinigungsstufe ist biologische Reinigung, Bakterien und Mikroorganismen bauen organisches Material ab. Die folgende Reinigungsstufe – die chemische Reinigung – säubert das Wasser von Düngemitteln wie Phosphaten und Nitraten.
Die Spurenschadstoffentnahme ist die letzte Reinigungsstufe, bevor das saubere Wasser wieder in den Wasserkreislauf – in diesem Fall den Neckar – gelangt. Diese Stufe gibt es erst seit letztem Jahr, erklärt Eberling. 95 Prozent der Spurenstoffe wie Medikamentenreste und Röntgenkontrastmittel werden mithilfe von granulierter Aktivkohle entfernt.
Kläranlage stinkt nicht
Die Vorstellung, dass es bei einem dieser Vorgänge stinken würde, sei allerdings falsch, meint der stellvertretende Betriebsleiter Dominik Edeler. „Eine gut funktionierende Kläranlage stinkt nicht.“ Der einzige etwas naserümpfende Geruch käme von der Bioabfallvergärungsanlage von nebenan, ergänzt er augenzwinkernd.
Doch nicht nur mit diesem Vorurteil haben die Klärwerk-Mitarbeiter zu kämpfen: Das meiste Abwasser käme nicht aus der Toilette, meint Eberling. Alles Abwasser aus der Dusche, den Waschbecken, aber auch aus der Industrie lande in der Abwasserbehandlungsanlage.
Für etwa 85 000 Einwohner, dabei ist die Industrie miteingerechnet, werde das Abwasser in der Verbandskläranlage Deißlingen-Mittelhardt gereinigt. 80 Prozent davon komme aus Schwenningen, der Rest komme unter anderem aus Dauchingen, Weigheim, Mühlhausen, Deißlingen und dem Industriegebiet Trossingen.
Bedeutung des Klärwerks
Dass ein Klärwerk zur kritischen Infrastruktur gehöre, sei den wenigsten bewusst, erläutert der Betriebsleiter. Ohne die Arbeit, die im Verbandsklärwerk geleistet werde, gebe es kein sauberes Trinkwasser und für die Umwelt bedeute es eine Katastrophe.
Aber auch die Berufsbilder im Klärwerk seien anders als gedacht, erklärt der Abwassermeister. Die Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik sei anspruchsvoll mit Fächern wie Mathe, Physik, Chemie, Technik und auch Biologie. Außerdem gebe es viele Quereinsteiger aus unterschiedlichen technischen Berufen.
Als Abwassermeister hat man ebenfalls die unterschiedlichsten Aufgaben von der Organisation der Reparaturen und Sanierungen, der Erstellung und Dokumentation der Daten über Störungserkennung und -behebung bis hin zur Kontrolle der Zulauf- und Ablaufwerte und vieles mehr.
Spannender Beruf
Es sei ein spannender und vielseitiger Beruf, meint Eberling. Denn am Morgen wisse man nie, was der Tag für einen bereit halte. Als er selbst als Mechaniker bei der Verbandskläranlage begonnen habe, habe er den Plan gehabt, nur ein bis zwei Jahre zu bleiben. „Jetzt bin ich 20 Jahre dabei“, sagt er schmunzelnd.
Vorurteile, dass man mit Schaufel und Gummistiefeln im Klärschlamm stehe, damit sehen sie sich schon konfrontiert, so Edeler und Eberling. „Aber alles sei technologisiert“, fügt der Betriebsleiter hinzu. „Die Verfahrenstechnik ist moderner als in mancher Fabrik.“ Dass sie die Pumpen einmal von Fäkalien und anderem Unrat befreien müssten, komme äußerst selten vor – und dann nur mit hygienischer Schutzausrüstung.
Unsachgemäße Entsorgung
Diese Arbeit müsste oft dann verrichtet werden, wenn Menschen Dinge in die Toilette werfen, die darin nichts verloren hätten. Besonders häufig werden dabei Damenhygieneartikel, Wattestäbchen, Feuchttücher, Kondome, Farben und andere toxische Stoffe über das WC entsorgt. „Da entsteht ein Arbeitsaufwand, der nicht sein müsste“, meint der stellvertretende Betriebsleiter ernst.
Dieser Arbeitsaufwand, der Materialverschleiß sowie die Ersatzteilbeschaffung, die durch die unsachgemäße Entsorgung entstehen, haben Einfluss auf die Abwassergebühren, je mehr Müll, umso höher die Gebühren, erklärt Eberling.