Der Pilot war erfahren, die Technik intakt. Doch tiefe Wolken lagen auf dem Gelände. Der Zwischenbericht legt nahe: Es war ein fataler Sichtflug im Februar 2025 ins Hindernis.
Es war allen ein Rätsel: Was nur kann so denkbar kurz vorm Ziel passiert sein? Ein Kleinflugzeug war Anfang Februar 2025 bei Gutmadingen, an der Grenze zum Schwarzwald-Baar-Kreis, abgestürzt. Der Pilot konnte nach aufwändigen Suchmaßnahmen mitten in der Nacht nur noch tot geborgen werden.
Dabei war er dem Ziel, das er nach seinem Abflug bereits um 14.38 Uhr im italienischen Bozen über Meran und Bregenz anpeilte, schon so unglaublich nahe: Der Zielflughafen wäre Donaueschingen gewesen, nur ein paar Kilometer weiter.
Erst läuft alles nach Plan
Zunächst schien alles nach Plan zu laufen. Laut Zwischenbericht und Funkverkehr passierte der Pilot mit seiner zweimotorigen Maschine gegen 14.58 Uhr die Grenze zu Österreich im Bereich Reschenpass, um 15.13 Uhr habe er noch das Wetter am Verkehrslandeplatz Donaueschingen erfragt. Nur acht Minuten später soll es passiert sein: Das Flugzeug kollidierte „in einem flachen Winkel mit den Baumwipfeln auf dem südöstlich des Ortes Gutmadingen befindlichen Höhenzug Länge“, heißt es im Bericht.
Der Pilot flog laut Bericht im Sichtflug – üblicherweise orientieren sich Piloten dabei am Horizont und markanten Punkten, navigiert wird visuell, nicht primär mit Instrumenten.
Angaben über die Flughöhe liegen der BFU nicht vor. Aber über das Wetter in der Region gibt es detaillierte Informationen – gemäß Routinewettermeldung von 15.20 Uhr, etwa 50 Kilometer südlich der Unfallstelle, vom Flughafen in Zürich, wurde eine geschlossene Wolkendecke registriert – und die Vorhersage habe für die nächsten zwei Stunden keine wesentliche Änderung prognostiziert.
Tragisch: Die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) bereitgestellte „RGB-Karte“ zeigte, was die Bilder der Webcam in Donaueschingen bestätigten, nämlich, „dass zum Ereigniszeitpunkt an der Unfallstelle tiefe und mittelhohe Wolken vorherrschten, während der Verkehrslandeplatz Donaueschingen frei von Wolken war“.
Doch diesen hat er an diesem Tag nie erreicht. Es habe keinen Funkkontakt mit dem Piloten auf dem Durchflug durch die Kontrollzone Friedrichshafen mehr gegeben, ist zu lesen.
Suche unter schwierigen Bedingungen
In Donaueschingen nie angekommen, wurde am frühen Abend in Gutmadingen ein Großaufgebot an Helfern mobilisiert. Blaulicht durchzuckte die Nacht, Fetzen von Funksprüchen hallten durch die Nacht. Am Himmel kreisten Drohnen und ein Hubschrauber samt Wärmebildkamera. Unten suchten die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, DRK und Maltesern in der eiskalten Februarnacht rund um Geisingen, Gutmadingen und die Autobahn A 81 nach dem abgestürzten Flugzeug.
Dichter Nebel – oder besagte Wolkendecke – behinderte die Sicht auch hier und erschwerte die Suche, die erst nach Stunden mit der traurigen Gewissheit geendet hat, dass ein Pilot an diesem Abend sein Leben verloren hatte.
Abschlussbericht steht noch aus
Bereits kurz nach der Tragödie war spekuliert worden, ob der Nebel oder tiefliegende Wolken auch schuld waren am Absturz des mit einer Person besetzten Kleinflugzeugs. Nachgefragt bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, kurz: BFU, wird diese Annahme genährt, wenngleich Pressesprecher Germout Freitag ausdrücklich betont, dass die Unfallursache noch immer nicht zweifelsfrei feststehe und deshalb im Zwischenbericht – der Abschlussbericht der Untersuchungen steht noch immer aus – deshalb auch explizit nicht genannt werde.
Es liest sich nüchtern: „Pilot tödlich verletzt“ und „Luftfahrzeug zerstört“ ist im Bericht über die Tragödie mit der Piper nahe Gutmadingen nebst der Information über einen entstandenen Flurschaden zu lesen. Der Pilot sei im Sinkflug durch eine aufliegende Bewölkung geflogen – vereinfacht erklärt bedeutet der meteorologische Fachbegriff, dass eine Wolke tief, quasi direkt über dem Boden lag. In diese sei der Pilot mutmaßlich hineingeflogen – und schließlich „mit dem Baumbestand eines Höhenrückens“ kollidiert.
Kein Hinweis auf Fehler
Die BfU geht derzeit demnach von einem kontrollierten Flug in ein Hindernis aus – Hinweise auf eine fehlerhafte Technik, eine gesundheitliche Einschränkung des Piloten oder einen klassischen Flugfehler fanden sich in den bisherigen Untersuchungen nicht. Diese Einschätzung mit Blick auf die Gesundheit des 77-jährigen Piloten wurde, vor allem durch die Obduktion, untermauert, wonach der Aufprall zum Tod geführt habe: „Nach Obduktionsbericht war der Aufprall nicht überlebbar.“ Der Mann galt als sehr erfahrener Pilot, verfügte über die entsprechenden Lizenzen sowie ein Tauglichkeitszeugnis, das erst am 7. Januar 2025 und damit wenige Wochen vor dem Unglück erneut ausgestellt worden war – 2000 Stunden Flugerfahrung, davon 1600 mit der Unglücksmaschine, einer Piper PA-34, und in den letzten zwölf Monaten vor dem Unfallflug 73 absolvierte Flugstunden und 58 Landungen.