Sozialminister Manfred Lucha (Zweiter von links) machte sich im Juli vergangenen Jahres ein Bild von der Arbeit im Abstrichcenter, das im Alten Bahnhof in Wolfach eingerichtet wurde. (Archivfoto) Foto: Kleinberger

Kooperationen laufen weiter. Großes Lob für Rückendeckung durch Verwaltung.

Die Schilder sind bereits abmontiert, das meiste Mobiliar abgeholt: Langsam verwandelt sich die Corona-Abstrichstelle im einstigen Wolfacher Bahnhof wieder in ihr vorheriges Dasein.

Wolfach - Fast ein Jahr diente sie – neben den Corona-Schwerpunkt-Praxen – als zentrale Corona-Anlaufstelle im Mittleren Kinzigtal.

"Der Schritt kommt nicht überraschend", sagt Christoph Brunner, Hausarzt aus Wolfach und Notfallpraxisbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für den Bezirk Wolfach.

Das Testen auf eine Infektion mit Covid-19 wurde nach und nach von den sogenannten Corona-Schwerpunkt-Praxen (CSP) in der Region übernommen. Daher war es nicht mehr nötig, das Wolfacher Testzentrum weiter betriebsfähig zu halten. "Zuletzt wurde es am 27. Januar genutzt", erläutert Brunners Stellvertreter als Notfallpraxisbeauftragter, Stephan Ziehms aus Haslach. Insgesamt sei das Testzentrum, wie die Abstrichstelle zuletzt offiziell bezeichnet wurde, im Alten Bahnhof zwischen März 2020 und Januar 2021 an 75 Tagen geöffnet gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Dafür waren rund 20 Ärzte aus der Region meist zusammen mit weiteren Mitarbeiterinnen im Einsatz.

"Ohne deren Engagement wäre es nicht möglich gewesen, das Testzentrum und die damit verbundene Arbeit über einen so langen Zeitraum aufrechtzuerhalten", bedanken sich die beiden KV-Beauftragten.

Von den 1486 Abstrichen, die im Testzentrum Wolfach gemacht wurden, waren 6,7 Prozent positiv. Die meisten Fälle gab es im Oktober: Da wurden 26 der insgesamt 100 Corona-Infektionen festgestellt. Jetzt ist die Rückgabe der Räume an die Stadt geplant.

Großes Lob für Rückendeckung durch Verwaltung

"Wir sind überaus dankbar, dass Bürgermeister Thomas Geppert vor gut einem Jahr so schnell und unproblematisch gehandelt hat. Ohne die Unterstützung aus dem Rathaus wäre die Einrichtung des Testzentrums und einer zeitweisen Fieberambulanz in den Räumen der Musikschule nicht möglich gewesen", sagt Christoph Löschmann, Geschäftsführer von "Gesundes Kinzigtal". "Dieses Vorgehen zeigt, wie bedeutend und verlässlich regionale Strukturen sowie die Zusammenarbeit sind", ergänzt Martin Wetzel, Facharzt aus Hornberg, für das Ärztenetz MQNK.

Die Notfallbeauftragten Brunner und Ziehms, Gesundes Kinzigtal und das MQNK hatten ihre Kompetenzen im Corona-Management Kinzigtal gebündelt und sowohl das Gesundheitsamt als auch die Kassenärztliche Vereinigung unterstützt. Neben dem Engagement der vielen ärztlichen Kollegen und dem Entgegenkommen der Kommune waren es auch Unternehmen, die einen Beitrag zum Gelingen der Einrichtung leisteten. Martin Wetzel: "Wir mussten ja normale Räumlichkeiten in ein Testzentrum verwandeln. Da waren entsprechende Hygienevorgaben umzusetzen, wir benötigten Schutzausrüstung und die technische Infrastruktur – vom Drucker bis zum Laptop mit Kartenlesegerät."

Das wäre ohne zusätzliche Hilfe in der Kürze der Zeit gar nicht möglich gewesen, bedanken sich die Verantwortlichen. "Wir haben das Testzentrum ja in weniger als einer Woche aufgebaut und zum Laufen gebracht", erinnert Brunner.

Corona-Management bleibt aktiv

Trotz der Schließung des Testzentrums bleibt das Corona-Management weiter aktiv. Die Zusammenarbeit in den vergangenen zwölf Monaten habe gezeigt, dass der Austausch und die Abstimmung untereinander wichtig sei und daher aufrechterhalten bleiben müsse, sind sich die Verantwortlichen einig.

Welche Bedeutung die Abstrichstelle Wolfach hatte, zeigte sich unter anderem am Besuch des baden-württembergischen Sozialministers Manfred Lucha im vergangenen Juli. Zusammen mit der heimischen Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Grüne) ließ er sich das Testzentrum zeigen und sprach im Anschluss mit den Verantwortlichen. "Es ist sehr positiv, dass Stadt, Ärzte und Gesundes Kinzigtal so schnell und flexibel auf die Krise reagiert haben. Die Corona-Ambulanz leistet eine wichtige Arbeit in der Pandemie", teilte Sandra Boser im Nachgang mit.

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