Diese Abgeordneten aus Baden-Württemberg verzeichneten die meisten Fehltage bei namentlichen Abstimmungen – obere Reihe von links: Sieghard Knodel (fraktionslos), Marcel Bauer (Linke), untere Reihe von links: Vinzenz Glaser (Linke) und Jürgen Koegel (AfD). Foto: Imago, dpa, Collage: STZN

Grundsätzlich sind Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg nicht weniger diszipliniert als die aus anderen Ländern, was Abstimmungen angeht. Es gibt aber auch Ausreißer.

Die Teilnahme von Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg an namentlichen Abstimmungen im Parlament in Berlin in den vergangenen zwölf Monaten klafft weit auseinander. Während beispielsweise die Hälfte der Mandatsträger der CDU aus dem Südwesten einer Erhebung unserer Zeitung nach nicht eine der 46 namentlichen Abstimmungen verpasste, kommen Linke oder AfD auf einen viel schlechteren Schnitt.

 

Sieghard Knodel – Medien nennen ihn den „Schwänz-König“

Dies ist häufig durch regelmäßige Abwesenheiten einzelner Abgeordneter zu erklären, die den Schnitt ihrer Fraktionen gewaltig anheben. Der Spitzenreiter der Fehltage bei namentlichen Abstimmungen ist allerdings fraktionslos: Sieghard Knodel hat an nur fünf der 46 Abstimmungen teilgenommen. Mit der Bundestagswahl 2025 zog der Unternehmer aus Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) über die Landesliste für die AfD ein, trat kurz darauf aus Partei und Fraktion aus, behielt aber sein Mandat.

Wie sich Sieghard Knodel – manche nennen ihn „Schwänz-König“ – als Bundestagsabgeordneter im Netz präsentiert. Foto: Facebook-Seite AfD-Kreisverband Reutlingen

Knodel ist nicht nur in den Reihen der Abgeordneten aus Baden-Württemberg, sondern auch im gesamten Bundestag der Politiker mit den meisten Fehlzeiten, manche Medien nannten ihn deswegen schon „Schwänz-König“. Mit den Medien gesprochen hat Knodel meistens nicht, auch auf eine Anfrage unserer Zeitung hat eine Mitarbeiteiterin denkbar knapp mit der Mitteilung reagiert, dass Knodel sich zu diesem Thema nicht äußern möchte. Lediglich dem SWR hat er im Januar 2026 seine Beweggründe verraten: Einerseits leide er an Burn-Out, andererseits habe seine Firma habe so viel Steuern an den Staat gezahlt, dass er jetzt auch mal was zurückbekommen könne, zitierte ihn der Sender.

Elf Tage weniger als Knodel fehlte der AfD-Politiker Jürgen Koegel aus Heilbronn. Er kommt auf 30 Fehltage bei 46 namentlichen Abstimmungen. Auch er ließ eine Anfrage unserer Redaktion unbeantwortet.

Die drittmeisten Fehltage Südwest-Abgeordneter bei namentlichen Abstimmungen im Bundestag gehen auf das Konto des Linken-Politikers Marcel Bauer aus Karlsruhe. Mit 22 Abwesenheiten, also ungefähr der Hälfte des unrühmlichen Spitzenreiters, fehlt zwar auch er weit über dem Durchschnitt. Aber im Gegensatz zu Knodel, der offen vom Staat abkassieren möchte, verfängt seine Begründung für sein regelmäßiges Fernbleiben womöglich etwas mehr. Seine Fehltage führt er darauf zurück, „dass meine ebenfalls berufstätige Ehefrau und ich uns die Sorgearbeit zu gleichen Teilen aufteilen. So musste ich mehrmals aufgrund der Krankheit meiner Tochter, meiner Ehefrau oder weil die Kita ausgefallen war, zuhause bleiben.“

Auf Bauer folgt in der Liste Vinzenz Glaser, ebenfalls von der Linkspartei. Der Abgeordnete aus Freiburg fehlte bei 21 namentlichen Abstimmungen, die genannten Gründe sind ganz ähnlich. Er teile sich „gemeinsam mit meiner ebenfalls berufstätigen Frau gleichberechtigt Verantwortung für die Betreuung unseres Sohnes“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Insbesondere während der Eingewöhnungszeit in der Kita seien krankheitsbedingt Betreuungsausfälle angefallen.

Auch eine Grüne fehlte häufig

Die fünftmeisten Abwesenheiten bei namentlichen Abstimmungen verbucht die Grünen-Parteichefin Franziska Brantner für sich. Sie fehlte 17 Mal. Ihr Büro teilte dazu mit, dass sie im November 2025 einen Sitzungstag krankheitsbedingt verpasste, an dem gleich fünf namentliche Abstimmungen stattfanden. Auch sonst sei Brantner stets entschuldigt gewesen.

Alice Weidel am Rednerpult im Bundestag – bei namentlichen Abstimmungen fehlt die Parteichefin aber gerne mal. Foto: Michael Kappeler/dpa

Den siebten Platz teilen sich der AfD-Politiker Martin Hess aus Ludwigsburg und dessen Parteichefin Alice Weidel . Beide blieben in der aktuellen Legislaturperiode 15 namentlichen Abstimmungen fern – also knapp einem Drittel. Dem „Spiegel“ gegenüber sagte die AfD-Fraktion lediglich, dass man keine Statistik zu Fehltagen führe.

Auf namentliche Abstimmungen können alle Fraktionen mit mehr als 5 Prozent im Bundestag bestehen – üblicherweise wird davon bei besonders wichtigen oder kontroversen Fragen Gebrauch gemacht.

Was die Abgeordneten in Baden-Württemberg angeht, haben die der Linkspartei hier am öftesten gefehlt, im Schnitt zu mehr als 27 Prozent – was noch deutlich schlechter als der Bundesschnitt ist, der bei etwa 19 Prozent liegt. Die größte Disziplin bei namentlichen Abstimmungen legt sowohl den Bund betrachtet als auch auf Baden-Württemberg bezogen die Union an den Tag. Von den Baden-Württembergern fehlten bei namentlichen Abstimmungen nur 3,6 Prozent seit März 2025.