Der Haltinger Ortschaftsrat spricht sich nicht für eine Kandertal-S-Bahn aus (Symbolfoto). Foto: Ehrlich

Obwohl Sympathien für eine S-Bahn auf den Kandertal-Gleisen erkennbar sind, spricht sich der Ortschaftsrat gegen eine Beteiligung der Stadt an den Planungskosten aus.

Mit sieben Ja-Stimmen folgte der Ortschaftsrat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, die notwendigen Vorplanungen und Grundlagenermittlungen für eine S-Bahn durch das Kandertal nicht in der geforderten Höhe über den städtischen Haushalt mitzufinanzieren.

 

Nur Linn Fischer, Bernhard Scharf (Bündnis 90/Die Grünen) und Jürgen E. Walliser (FDP/Freie Bürger) votierten dagegen.

Hauptamtsleiterin Annette Huber erläuterte, dass der nicht vom Land abgedeckte Kostenanteil für die Vorstudien, der bei rund 1,4 Millionen Euro liege, nur zur Hälfte über die Kreisumlage finanziert werden soll.

Die andere Hälfte, also 700 000 Euro, müssten die fünf Anliegerkommunen selbst aufbringen, was für Weil am Rhein auf Grundlage der Einwohnerzahl Haltingens einen Anteil von 245 000 Euro bedeuten würde. Hinzu käme der Anteil an der Kreisumlage.

„Und das wäre nicht das Ende, sondern erst der Einstieg“, so die Hauptamtsleiterin weiter. Denn bei den Leistungsphasen I und II handle es sich lediglich um unverbindliche Vorstudien. Sollte danach in die weiteren, konkreten Planungsphasen eingetreten werden, kämen noch weit höhere Kosten auf die Stadt zu. In der gegenwärtigen prekären Haushaltslage – der Etat 2026 weist ein zweistelliges Millionendefizit aus – seien diese hohen Kosten nicht in die Finanzplanung zu integrieren.

Wegfall der Buslinie 55 würde schmerzen

Zumal die Stadt in einer Kandertal S-Bahn eher nachteilige Auswirkungen sehe. Vor allem der Wegfall der Finanzierung der Buslinie 55 durch das Land würde schmerzen. Weil es derzeit keine Bahnverbindung ins Kandertal gebe, gelte diese Linie als Schienenersatzverkehr und werde damit vom Land finanziert. Komme die S-Bahn, würde die Linie ganz oder zumindest zum Teil wegfallen, wenn die Stadt nicht finanziell einspringe. Um den Halbstundentakt aufrechtzuerhalten müssten 450 000 Euro im Jahr durch die Stadt aufgebracht werden, so Huber.

Wie wichtig die Buslinie 55, die aus Sicht der Stadt sehr gut angenommen wird, für die Schülerbeförderung, aber auch für Pendler ist, wurde von fast allen Rednern betont. „Ich will eine Lanze für diese Busverbindung brechen“, sagte Mona Hagin.

Die Kinder aus dem Kandertal, die in Weil Realschule oder Oberrheingymnasium besuchen, seien darauf angewiesen. Wenn es nicht mehr viele gut verteilte Bushaltestellen, sondern nur noch einen Bahnhaltepunkt in Haltingen gebe, wäre das ein Verlust, meinte auch Axel Schiffmann.

Aber auch die Schrankenschließzeiten, vor allem am Dreispitz, sehe die Stadt als problematisch an, führte Annette Huber aus. Auch dies war für einige Ortschaftsräte ein gewichtiges Argument: Eugen Katzenstein sah die Gefahr, dass Feuerwehrleute dadurch im Ernstfall nicht rechtzeitig zur geplanten neuen Feuerwache Nord kommen. Ortsvorsteher Peter Reinacher stimmte dem zu: „Wenn die S-Bahn kommt, bauen wir unsere neue Wache am falschen Ort“.

„Vehemenz“ des Widerstands überrascht

Jan Bautz zeigte sich überrascht, „mit welcher Vehemenz das Projekt plötzlich torpediert wird“. Er sah OB Diana Stöcker und den Kreis von ihren anfänglich zustimmenden Haltungen wieder zurückrudern. Aber auch er sah eine funktionierende Feinerschließung durch Busse als unerlässlich an.

Nachdrücklich appellierten Linn Fischer und Bernhard Scharf dafür, das Geld in die Hand zu nehmen, um überhaupt eine fundierte Faktengrundlage zu schaffen. Die von den Gegnern zahlreich vorgebrachten Argumente gegen das Projekt, von möglichen Lärmschutzwänden mitten durch Orte bis hin zu großen Erschütterungen, basierten lediglich auf Befürchtungen und Mutmaßungen und eben nicht auf Fakten.

Vorplanungen würden Fakten liefern

Diese würden erst die Vorplanungen schaffen, sagte Scharf. Wenn man zu solch einem frühen Zeitpunkt aus dem Projekt auszusteigen, vergebe man eine nicht wiederkehrende Chance, ergänzte Linn Fischer, die registrierte, dass viele Räte auf einem „schmalen Grad zwischen Zustimmung und Ablehnung“ wandelten.

In der Tat bekannten Axel Schiffmann, Eugen Katzenstein und Heidi Jakob-Frey, zu Beginn ein großes Faible für die S-Bahn-Idee gehabt zu haben und dem Projekt nun ambivalent gegenüberzustehen.

Räter kritisieren Ultimatum

Sie kritisierten, dass den Anliegerkommunen der 31. Dezember als Ultimatum gesetzt wurde, bis zu dem eine verbindliche Äußerung vorliegen müsse. Angesichts dieses Zeitdruckes und der prekären Haushaltslage der Stadt konnte sich die Mehrheit schließlich nicht dazu durchringen, dem Gemeinderat eine Mitfinanzierung in der geforderten Größenordnung zu empfehlen.