Abstiegskampf pur zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach (3:2). In unserer Bildergalerie bilden wir das Restprogramm der Kellerkinder ab. Foto: Baumann

Ein Blick in die Datenbanken schlüsselt auf, mit welchen Mitteln die Kellerkinder der Bundesliga gegen den Abstieg kämpfen. Und wo ihre großen Schwächen liegen.

Stuttgart - Der Kampf gegen den Abstieg, er beginnt – Stand jetzt – bei Platz 13. Mit acht beziehungsweise neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz dürften der VfL Wolfsburg sowie der VfL Bochum aus dem Gröbsten raus sein. Die rote Zone beginnt bei Borussia Mönchengladbach (27 Punkte) und erstreckt sich bis zum VfB Stuttgart auf Platz 17 (22). Das Schlusslicht aus Fürth glaubt mit nur 14 Punkten wohl selbst nicht mehr an ein Wunder. Ein Blick in die Datenbanken der Spieleanalysten zeigt: Die fünf Abstiegskandidaten spielen einen höchst unterschiedlichen Fußball – mit ganz eigenen Stärken und Schwächen.

 

13.  Borussia Mönchengladbach

Die jüngste 2:3-Niederlage der Fohlenelf beim VfB demonstrierte eindrücklich, was die Borussia zu leisten imstande ist – und auch nicht. Zwei wunderbar herausgespielte Treffer, viel mehr war nicht. Die Gladbacher verlassen sich allzu sehr auf ihre spielerische Qualität. Dass diese zweifelsohne vorhanden ist, belegen zahlreiche Werte: Gladbach setzt auch im Abstiegskampf auf stilvollen Kombinationsfußball. Die Mannschaft von Adi Hütter hat viel Ballbesitz (Platz fünf im Ligavergleich), eine gute Passquote (Platz 3) und wird häufiger gefoult, als sie selbst austeilt.

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Konterfußball und hohe Bälle sind nicht das Ding der Borussia.

Keine Mannschaft schlägt weniger Flanken (163) und erzielt weniger Tore aus Umschaltsituationen (2). Der Fußball ist im Prinzip derselbe wie in den Jahren zuvor. Nur dass er jetzt nicht mehr funktioniert. In dieser Saison klappt vor allem das Toreschießen nicht. Nur Union Berlin und der VfL Wolfsburg sind vor dem Tor noch ineffizienter als der Tabellen-13.

14.  FC Augsburg

Auch der FC Augsburg bleibt sich treu. Anders als Borussia Mönchengladbach beharrt die Mannschaft von Markus Weinzierl auf ihrem Kratzbürsten-Fußball. In den Zweikämpfen hart an der Grenze des Erlaubten (schon 52 Gelbe Karten, nur Hoffenheim und Wolfsburg kassierten mehr Verwarnungen), im Spiel mit Ball ohne Schnörkel. Tief stehen und kontern – Augsburg pflegt den klassischen Stil eines Kellerkindes. Kaum eigener Ballbesitz (Platz 17 im Vergleich) und die wenigsten gespielten Pässe zeugen davon. In Reece Oxford, Jeffrey Gouweleeuw und dem nun verletzten Felix Uduokhai verfügen die bayerischen Schwaben über klassische Abwehrkanten, die in der Luft alles abräumen. Nur drei Mannschaften lassen mehr Kopfbälle auf das eigene Tor zu. Kratzen, beißen, rennen (zweitmeiste Sprints) – das soll auch in diesem Jahr zum Klassenverbleib führen.

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15.  Arminia Bielefeld

Getoppt wird der von bösen Zungen als Anti-Fußball bezeichnete Stil der Augsburger nur von einer Mannschaft: Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen konzentrieren sich auf die Grundtugenden. Bielefeld gewinnt hinter dem FC Bayern die zweitmeisten Zweikämpfe der Liga. Niemand entscheidet mehr Kopfballduelle für sich. Und niemand legt mehr Kilometer zurück. Eindrucksvolle Werte, die trotzdem nur für Platz 15 reichen.

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Weil die Arminia zwar gut verteidigt und die viertwenigsten Gegentore kassiert. Dafür aber vor dem gegnerischen Tor kaum Angst und Schrecken verbreitet: 22 Treffer sind der Flop-Wert in der Bundesliga schlechthin. Bielefeld hat die wenigsten Abschlussaktionen, die wenigsten Torschüsse innerhalb des Strafraums und ist noch nicht einmal besonders effizient (Platz 12). Gefährlich ist die Mannschaft von Trainer Frank Kramer nur durch Konter (fünf Tore, Platz sechs) – das passt ins Bild.

16.  Hertha BSC

Während bei Gladbach, Augsburg und Bielefeld eine Linie wenigstens erkennbar ist, gestaltet sich der Fall Hertha BSC schwierig. Mit anderen Worten: Bei den Hauptstädtern stimmt wenig bis nichts. Abhängig ist der Tabellen-16. vor allem von starken Individualisten wie Torjäger Stevan Jovetic (sechs Treffer). Trainer Tayfun Korkut verabreicht seiner Mannschaft gewohnten Sicherheitsfußball. Den Ball überlässt Hertha gern den anderen (Platz 16 bei Ballbesitz), Korkut versucht über Umschaltsituationen zum Erfolg zu kommen. Problem: Dafür braucht es schnelle Spieler. Und daran mangelt es der Hertha. Sowohl bei der Anzahl der absoluten Sprints, der Sprintdistanz als auch bei der Zahl der Tempoläufe macht die alte Dame ihrem Namen alle Ehre.

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17.  VfB Stuttgart

Anders als bei der Konkurrenz aus Augsburg, Bielefeld und Berlin ähnelt der Fußball des VfB Stuttgart eher dem der Gladbacher. Der Tabellen-Vorletzte zieht sich selten weit zurück und versucht mit Ballbesitz (Platz 8) und Passspiel (Platz 6) Dominanz auszuüben. Und das schon die ganze Saison und meist unabhängig vom Gegner. Eine große Schwachstelle in dieser Saison markiert die Konterabsicherung. Niemand kassiert mehr Kontertore als der VfB – und keine andere Mannschaft lässt mehr Torschüsse zu. Die alte Devise: Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften, gilt genauso im Kampf gegen den Abstieg: In der Vergangenheit erwischte es meist Mannschaften mit löchriger Defensive – und weniger die Teams mit notorischer Sturmflaute.

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