Nach dem Abstieg aus der Regionalliga richtet sich der Fokus für die TSG Balingen nun auf die neue Spielzeit in der Oberliga.
Gegen Schlusslicht Bahlinger SC hat sich der designierte Absteiger TSG Balingen am Samstag nicht gerade von seiner Sahnesseite präsentiert. Mit 1:2 (0:2) unterlagen die Schwaben.
Schon zwei Spieltage vor Saisonende haben die Balinger derweil in den meisten Bereichen Klarheit. Zunächst die sportliche Dimension: In ihren vorerst letzten beiden Regionalliga-Spielen, am Samstag (14 Uhr) bei Mitabsteiger Schott Mainz und zum Schluss gegen Astoria Walldorf (16. Mai), geht es für die Balinger nur noch darum, auf welchem der drei letzten, den also auch regulären Abstiegsplätzen sie über die Ziellinie laufen werden. Aktuell sind sie Vorletzter.
Kaum noch Fragezeichen für Annel
Auch in Sachen Organisation und Personal stellen sich Manager Jonathan Annel kaum noch Fragezeichen, so dass der neue Trainer, Michael Schilling (FC Rielasingen-Arlen), im Hinblick auf Kader frühzeitig ein bestelltes Feld vorfindet: Die Vorstandschaft um TSG-Chef Eugen Straubinger dürfte den Verein auch in der Oberliga führen, zumindest läuft Straubingers Vertrag noch ein weiteres Jahr. Auch an der Aufstellung des Aufsichtsrats dürfte sich bis zur nächsten Mitgliederversammlung in gut sechs Monaten nichts tun. Er wird von einem Konsortium an Unternehmern um den Rosenfelder Heinrich Sülze (Vorsitz) geführt.
Was den Kader anbelangt, haben die Württemberger zuletzt mit einem weiteren Spieler verlängert – mit Silas Bader (bisher vor allem U23). Ferner verpflichteten sie mit Tom Gerlach einen zweiten Keeper neben Louis Potye. Der 18-Jährige kommt aus der Jugend der Stuttgarter Kickers. Offen ist damit lediglich die Zukunft von Marko Pilic. Im Falle eines Abschieds wäre er der elfte Abgang.
Warum der Umbruch doch so groß ausfällt, beantwortete Annel an anderer Stelle. In manchen Fällen seien die Vorstellungen von Verein und Spieler zu verschieden gewesen, in anderen Konstellationen hätten die Spieler den Verbleib an den Regionalliga-Erhalt gebunden. Außerdem wolle man den Neubeginn, der mit sechs Eigengewächsen begangen wird, auch selbst. Dazu kommen fünf Externe. Einen „kompletten Neuaufbau“ habe man dagegen nicht gewollt, so Annel.
Pedro Morais verlässt Balingen
Aufseiten jener Spieler, die künftig andere Farben vertreten, bestätigte Pedro Morais das Statement seines bisherigen Arbeitgebers, übrigens als einziger der scheidenden Balinger. Die anderen ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet. „Die Gespräche mit der TSG waren ehrlich und respektvoll“, sagte der 25-Jährige, der im Sommer 2021 an die Eyach gewechselt war. „Am Ende sind wir aber in einigen Punkten nicht ganz zusammengekommen. Für mich gab es andere Angebote, die besser zu meiner sportlichen und persönlichen Situation gepasst haben“, so Morais, der über die genauen Gründe und seinen neuen Verein, der schon feststehen soll, keine Verlautbarungen machen möchte.
Bei manchen dürfte es vermutlich auch an den Gehaltsvorstellungen und/oder der oft weiten Anreise zum Trainings gelegen haben. Bestätigt ist das offiziell nicht. Klar ist aber: Mit dem großen Geldbeutel konnten die Schwaben, die die Quasi-Profiliga Regionalliga mit einem Amateurteam bestreiten, noch nie wedeln.
Kluft zwischen Amateur- und Profivereinen
Wie eklatant die Kluft zwischen Amateur- und Profivereinen in der vierten Liga ist, zeigt sich an der Tabelle. Mit Alzenau (15.), Schott Mainz, der TSG und Schlusslicht Bahlingen trifft es im Abstiegskampf jene vier Teams, die sich an der Regionalliga mit berufstätigen Amateuren versuchen mussten. Während die übrigen Clubs also fast jeden Tag trainieren, versuchten sich die Balinger mit drei bis vier Feierabend-Einheiten pro Woche. Am Ende zu wenig Zeit, um das anspruchsvolle System des scheidenden Trainers Murat Isik weitgehend fehlerfrei umzusetzen. Denn genau daran, an vielen vermeidbaren Fehlern und Gegentoren, scheiterte die TSG am Ende.