Am Dreikönigstag begeisterte die Narrenzunft Schwenningen in der Neckarhalle hunderte Freunde und Fans. Im Terminkalender stand das Abstauben, das zugleich Türöffner für die fünfte Jahreszeit war.
Villingen-Schwenningen - Nach zwei Jahren Schmalspur-Fasnet aufgrund der Pandemie setzten viele den Tag auch wieder mit einem Riesenschritt auf der Rückkehr zur Normalität gleich.
Zum Auftakt stimmte der Fanfarenzug erstmals gemeinsam mit Teilen des Villinger Fanfarenzugs auf das närrische Spektakel ein. Zunftmeister Lutz Melzer appellierte in Zeiten der multiplen Krisen von Krieg, Inflation und Klima, sich etwas zu trauen und den Blick mit Humor und Zuversicht in die Zukunft zu richten. Er begrüßte Vertreter aus mehr als 20 Zünften aus Villingen-Schwenningen und Freiburg, die Stadtmusik und die für die Pausen zwischen den einzelnen Programmpunkten zuständige Harmonie Schwenningen. Alle waren in ihren traditionellen Häsern als eindeutiges Zeichen für den Beginn der Fasnet zu Gast.
Einseitigkeit der Jubiläumsveranstaltungen kritisiert
Melzer las Oberbürgermeister Jürgen Roth die Leviten, als er unter anderem die Einseitigkeit der Jubiläumsveranstaltungen zum Stadtjubiläum kritisierte, die überwiegend im Stadtteil Villingen stattgefunden hätten. Roth konterte, dass mit der Kulturnacht und ihren 17 000 Gästen die Resonanz in der Neckarstadt weitaus größer war, als bei allen anderen Villinger Jubiläumsveranstaltungen zusammen. Dass diese Resonanz auch ohne Jubiläum zustande kommt, vergaß er für den Moment.
Abstauber kommen mit Leiterwagen
In Frack und Zylinder betraten die Abstauber Bärbel Noel und Jörg Schlenker mit einem prall gefüllten Leiterwagen die Halle, die sie bis zur Bühne im Rückwärtsgang durchschritten. Den Rückwärtsgang hatten die beiden gewählt, da die Welt aktuell ohnehin Kopf stehe. Sie bringe bizarre und so in den vergangenen Jahrzehnten noch nie dagewesene Situationen hervor.
Schlenker motivierte die begeisterten Gäste, mit ihrer guten Laune alle Schrecken zu vertreiben. "Hinter jeder Maske steckt ein Mensch mit Frohnatur", begann er mit seiner Abstauber-Partnerin Bärbel Noel ein rund einstündiges närrisches Programm.
Kuriose Situationen
Er las Dutzende von kuriosen Situationen, Schandtaten und Begebenheiten vor, in die die Gäste im Publikum in den vergangenen drei Jahren verstrickt waren. Er verstand es, jede Begebenheit mit einer passenden Weisheit enden zu lassen, während Abstauberin Noel die Betroffenen mit ihrem Staubwedel kontinuierlich abstaubte.
Zu jenen, die des Öfteren ihren Kopf hinhalten mussten, gehörten die Glonki-Gilde, Ehrenzunftmeister Jürgen Wangler aber auch Oberbürgermeister Jürgen Roth. Letzterer durfte sich als Chef der Verwaltung und als Privatperson noch einmal an kuriose Begebenheiten erinnern. Letztendlich nahm er wie all die anderen das Abstauben mit reichlich Humor zur Kenntnis. Auch das Publikum hatte das größte Vergnügen an dem furiosen Fasnetauftakt, der mit dem gemeinsamen Schunkeln zum Schwenninger Fasnetlied endete.
Info: Ehrungen
Einen Marathon von 133 Ehrungen gab es für langjährige Mitglieder. Rekordhalter 2023 sind Hartmut Geiger und Klaus Kummer, die in Abwesenheit für 60 Jahre Zugehörigkeit zur Zunft einen gebührenden Platz auf der Ehrentafel in der Zunftstube erhalten. Auf ein halbes Jahrhundert in der Narrenzunft Schwenningen kommen Wolfgang Anderle, Birgit Benz-Lüdtkehölter, Horst Benzing, Birgit Bösinger, Denise Hess, Christoph Krieger, Anita Krogmann, Rose Kunz, Ilona Pfeffer, Grete Schmidt und Jürgen Stadler.