Wenn die Abstauber ausgesendet werden, dann will auch das närrische Volk wissen, das sich am Dreikönigstag auch heuer wieder zahlreich versammelt hatte, was es für die neue Fastnachtssaison Neues gibt. Foto: Siegmeier

Die Rottweiler Narrenzunft präsentiert pünktlich zur Aussendung der Abstauber die Narrster-App mit zunfteigener KI und manch anderem modernen Kniff.

Da seit Neuestem die Stadt mit allerlei Apps für die Bürger, Kameraüberwachung und KI auftrumpft, sieht sich offenbar auch die Narrenzunft unter Druck – und gibt sich pünktlich zur Aussendung der Abstauber höchst modern. Denn was die Stadt kann, das kann die Zunft allemal, macht Narrenmeister Christoph Bechtold deutlich und präsentiert die brandaktuelle Narrster-App, die so manchen Kniff parat hat – für Nutzer wie auch Zunft. Und so wird ganz digital in die – in dieser Saison recht kurze Fastnacht – gestartet.

 

Der Narrenmeister war heuer bemüht, vor der großen bunten Schar, die sich am Dreikönigsmorgen vor dem „Schädle“ versammelt hatte, „etwas schneller zu schwätzen“, da er die Anwesenden nicht mit zu hohen Parkgebühren belasten wollte.

Zudem waren die Zeitpläne der Abstauber allesamt gut, um nicht zu sagen, nahezu schon überfüllt, so dass die Zeit eilte, damit sie auch rechtzeitig und ausführlich ihres Amtes walten können.

Stadtverwaltung als Lehrmeister bei der „Abzocke“?

Aber dennoch entließ er seine Mannen in Frack und Zylinder nicht, ohne über die neuesten Änderungen bei der Zunft zu informieren. Nicht nur die Stadt muss sparen, sondern auch die Narrenzunft.

Deswegen habe man über „neue Einnahmequellen“ nachgedacht. Helfen sollen dabei Digitalisierung und KI. „Aber warum in die Ferne schweifen, wenn die Abzocke liegt so nah“, sagte der Narrenmeister mit Blick in Richtung Rathaus und Stadtverwaltung, die ja in diesem Punkt ein guter Lehrmeister sei, wie er hervorhob.

Eine zunfteigene Künstliche Intelligenz

Auch die Zunft setzt also KI ein, „aber nicht irgendeine“, wie Bechtold betont, „sondern eine zunfteigene und höchst entwickelte KI-Lösung namens SPEZI“, was für Super Potente Einzigartige Zunft Intelligenz steht.

„SPEZI basiert auf dem unfassbaren Verstand und nahezu endlosen Wissen aller Ausschussmitglieder der letzten 123 Jahre“, machte Bechtold deutlich, und sie verbinde Geldgier und Geiz, die mit den Sparideen der Stadt hochpotenziert würden. Bei der Rechnung komme nicht mal mehr der Hochbegabten-Stammtisch vom „Apfel“ mit, sagte er, und zeigte auch gleich auf, wie das Ganze funktioniert.

Narrensprung soll straffer vonstatten gehen

So gelte es, die Narrster-App aufs Handy zu laden und sich mit Namen und Geburtsdatum anzumelden. Jedes Einloggen koste fünf Euro. Und über die App können sich die Mitglieder die Narrenkarte digital herunterladen – für preiswerte zehn Euro pro Tag. Die Narrenkarte müsse dann auf die neue digitale Plakette hochgeladen werden. Und diese koste schlappe zehn Euro pro Jahr.

Absolut genial und grandios dabei ist, dass auf diese Weise auch die Zeit der Narren digital erfasst werde. „Damit wir den Narrensprung etwas straffer hinbekommen, hat jeder künftig 15 Minuten Zeit, um vom Schwarzen Tor bis zum Spital zu kommen“, so der Narrenmeister. Jede angefangene Minute mehr koste dann fünf Euro extra. Wer nebenbei mehr als fünf Mal an der Straße aufsage, der bekomme beim sechsten Mal eine Minute gutgeschrieben. So das neue Prozedere.

Strafe fürs „falsch Jucken“

Aber es gebe auch Bußgelder, denn die Innenstadt werde ja schließlich mittels SPEZI und Kameras überwacht. Rauchen vor dem Lokal ohne Larve koste 50 Euro, falsch Jucken ebenfalls. Wer Hochschwäbisch oder Badisch schwätzt, der muss sogar 100 Euro berappen, um nur mal ein paar Auszüge aus dem besagten Katalog zu nennen.

Während der Narrenmeister vom Balkon des Kirsner’schen Hauses seine Worte an das närrische Volk richtete, machten sich die Mannen in Frack und Zylinder bereits parat, um in die zahlreichen Narrenhäuser zu ziehen, um die Narrenkleider für die Saison vom Staub zu befreien und fit zu machen, damit se uff d‘ Gass könnet.

Chauffeur-Service für die Abstauber

Denn: „Merket uff ihr liebe Leit, seit heut gibt’s a neue Fasnet’s Zeit, ab jetzt goht’s Schlag uff Schlag, in sechs Wocha isch der große Fasnets-Tag“, reimte Bechtold und hatte zugleich noch eine gute Idee für Stadtverwaltung und Gemeinderat parat, damit sie serviceorientierter werden. „Ein Chaffeur-Service für unsere Abstauber mit Limousine. Jeder Fahrer bitte zuvorkommend und mit freundlicher Miene“, reimte Bechtold.

Doch ob das bei den am Dienstagmorgen so gar nicht geräumten beziehungsweise gestreuten Straßen tatsächlich eine gute Idee gewesen wäre, bleibt dahingestellt. Da dürften die Herren in Frack und Zylinder trotz dem einen oder anderen Schorle zu Fuß sicherer unterwegs gewesen sein.

Um den beschwerlichen Weg etwas beschwingter zu machen, spielte die Tagwachtkapelle nicht nur den lang ersehnten Rottweiler Narrenmarsch, sondern auch Altjäger-Marsch und weitere Narrenmärsche des Viererbunds, was vom Volk mit begeisterten „Juzgern“ beantwortet wurde.