Wenn in der Altstadt erstmals der Rottweiler Narrenmarsch auf der Straße zu hören ist, dann ist Dreikönigstag – und das heißt: Die Abstauber sind unterwegs.
Nach altem Brauch befreien die Männer in Zylinder und Frack den Staub von den Narrenkleidern. Mit dem symbolischen „Reinigungsritual“ wird die närrische Saison offiziell eröffnet.
Bei der Altstädter Kabiszunft erfolgte der Auftakt traditionell im Pflug-Saal. Die Altstädter Kapelle mit Dirigent Axel Zimmermann an der Spitze geleitete die Abstauber mit Musik zum „Pflug“. Dort warteten schon zahlreiche Gäste auf die schmuck gekleideten Männer.
Von Trump bis zur Hängebrücke
Zum Einmarsch erklang der Rottweiler Narrenmarsch. Sofort machte sich närrische Stimmung breit. Es wurde kräftig mitgeklatscht. Erster Narrenmeister Bernd Ganter begrüßte die Gäste in gereimten Versen. Dabei streifte er kurz die Weltpolitik (Donald Trump) wie auch die Bundespolitik.
Auch im „Städtle“ sei einiges passiert, erinnerte Ganter. Mit der Hängebrücke habe man Gott sei Dank begonnen, „ansonsten hätte Stuttgart 21 den Wettlauf doch noch gewonnen“.
„Fiese Parkgebühren“
Sorgen bereite ihm die „Wirtschaftssituation“ in der Stadt. Er könne sich nicht vorstellen, so der Altstädter Narrenchef – wo die Besucher der Landesgartenschau einkehren sollten. Immer mehr Wirtschaften machten dicht. Die Cafés hätten schon am Samstagnachmittag zu, beklagte der Narrenmeister.
Auch zum neuen Parkhaus hatte er etwas zu sagen: „Wir haben ein neues Parkhaus auf der Wies’, doch finden die Leute die Parkgebühren fies“. Ganter erinnerte zudem an die Demonstration nackter Personen um einen stadtbekannten Bürger („Der Nacktsprung durchs Schwarze Tor“).
Die Altstädter Musiker präsentierten anschließend weitere Narrenmärsche. Indessen setzten die Abstauber Pinsel und Staubwedel ein und trieben mit den Besuchern ihren Schabernack. Danach traten die Abstauber bei frostigen Temperaturen ihre beschwerliche Tour durch die Altstadt an.