Film läuft! Lothar Speck von der Verkehrspolizei beim Einrichten der Abstandsmessung auf einer A 5-Autobahnbrücke. Foto: Braun

LZ-Check: So schnappt die Polizei auf der Autobahn reihenweise Abstands-Ignoranten

Meißenheim/Schutterwald - Auf keiner anderen Autobahn im Land werden mehr Drängler von der Polizei erwischt als auf der A 5 zwischen Herbolzheim und Rastatt. Voriges Jahr: 10. 000 Fälle mit einer Million Euro Bußgeldern. Die LZ hat gecheckt, wie diese Abstandskontrollen laufen.

Ein Juni-Morgen auf einer kleinen Autobahnbrücke der A 5 bei Schutterwald. Unten rollt der Verkehr, oben bringen Polizisten die Messstation in Position. Ihr VW-Bus parkt für die Autofahrer unsichtbar hinter Büschen. Drei mobile Kameras werden aufgebaut, verbunden mit Kabeln bis in den Bus. Zwei oben auf der Brücke, eine steht auf dem Fahrbahn-Teiler zwischen den Fahrspuren. Wenige Minuten, dann läuft die Kontrolle. Routine für Heiko Ludwig, Lothar Speck und Rolf Wieland von der Verkehrspolizei, die zum Polizeipräsidium Offenburg gehört.

Gemessen wird mit einer geeichten Anlage und Hightech: Im Bus sehen die Beamten Autokennzeichen und Gesichter megascharf. 25 Bilder pro Sekunde liefern die Kameras. Das Messprogramm filmt einen Endlos-Film. Dieser zeigt vor Ort die gravierenden Abstandsverstöße sofort an. Sie werden registriert und später in der Dienststelle ausgewertet. Faustformel für die Polizisten: einen Tag messen, zwei Tage auswerten.

Wo wird bei uns gemessen?

Auf drei Autobahnbrücken bei Meißenheim, Schutterwald und Sinzheim/Bühl.

Sieht man das?

Fast nicht. Die Videokameras stehen klein auf und neben der Brücke, von weitem kaum zu erkennen. Wenn man sie sieht, ist es zu spät. Tipp: Vor solchen Mess-Brücken sind weiße Linien auf der Fahrbahn, zur exakten Messung. Keine Linien: keine Abstandsmessung. Aber: Dort könnte ein Tempo-Blitzer stehen.

Blitzen die Abstandgeräte?

Nein. Sie filmen dauerhaft den Verkehr. Im Gegensatz zu herkömmlichen Blitzern merkt man also nicht, wenn man erfasst wird. Post von der Bußgeldstelle kommt später.

Wie oft wird gemessen?

Voriges Jahr waren die Abstandskontrolleure an 80 Tagen im Einsatz, mit 320 Stunden. Macht umgerechnet weniger als eine Stunde Kontrollzeit pro Tag, auf einem A 5-Abschnitt von 82 Kilometern. "Von Abkassieren kann da wirklich keine Rede sein", sagt Rolf Wieland. "Uns geht es rein um die Senkung der Unfallzahlen und damit um die Verletzten und Toten auf der Autobahn. Abstandsvergehen machen einen Großteil der Unfallursachen auf der A 5 aus, vor allem bei Unfällen mit schwerem Verlauf und Verletzten." Tatsächlich gehen diese heftigen Unfälle seit Einsatz der Messungen zurück, zeigt die Statistik.

Wie viele Drängler gehen ins Netz?

Vergangenes Jahr waren das auf dem A 5-Abschnitt rund 10 .000 Auto- und Lkw-Fahrer. So viele, wie in keinem anderen Autobahn-Kontrollbereich in Baden-Württemberg. Das kann daran liegen, dass hier bisher kaum auf Abstand kontrolliert wurde. Beim LZ-Check an der Kontrollstelle in Schutterwald wurden in nicht mal einer Stunde rund 70 Verstöße gefilmt. Macht mehr als einen pro Minute.

Was droht den Dränglern als Strafe?

Im besten Fall nur eine Geldbuße. Da beginnen die Sätze bei 25 Euro, gehen aber bis auf 400 Euro hoch. Faustformel: Je schneller und je weniger Abstand, desto teurer.

Mal ein Beispiel?

Wer mit Tempo 141 nur 13 Meter Abstand hält, kassiert 320 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und muss für zwei Monate auf den Führerschein verzichten. Ein echtes A 5-Beispiel. Wer noch dichter auffährt, muss sogar bis zu drei Monate den Deckel abgeben, plus Punkte und hohes Bußgeld. Gegen die Messergebnisse kann man Einspruch einlegen. Doch vor Gericht halten nahezu alle Verfahren stand, weiß Polizist Heiko Ludwig. Er verfolgt als Zeuge regelmäßig viele Verfahren.

Wenn ich normal fahre und plötzlich ein Auto vor mir mit zu wenig Abstand rauszieht, bin ich dann dran?

Nein, die Polizei sieht auf dem Film, ob jemand rausgezogen ist und damit der Hintermann unverschuldet zu wenig Abstand hatte.

Der zulässige Abstand auf der Autobahn lässt sich leicht feststellen. Faustformel: Halber Tacho in Metern. Also die gefahrene Geschwindigkeit durch zwei teilen, das sind die Meter Abstand, die’s braucht. Macht bei Tempo 100 dann 50 Meter. Die 50 Meter wiederum lassen sich gut abschätzen: die Leitpfosten stehen genau 50 Meter auseinander. Wer sich daran hält, hat noch einen kleinen Puffer: Mit Punkten bestraft werden Drängler erst ab einem Abstand, der unter der Hälfte des halben Tachowertes liegt.