Die ersten Hochrechnungen deuten darauf hin, dass die Grünen den neuen Ministerpräsidenten stellen werden. Das sind die ersten Reaktionen aus dem Kreis Freudenstadt.
Adrenalin ist kein Begriff für den Zustand der Grünen am Sonntagabend im „Waldgericht“ in Dornstetten-Aach. Rund 20 Minuten vor der ersten Hochrechnung der Landtagswahl bestellt sich Grünen-Landtagskandidat Daniel Belling noch ein alkoholfreies Pils, erzählt, er habe heute Morgen noch ausgeschlafen, um sich von den vergangenen beiden Monaten Wahlkampf zu erholen. „Es wird ein knappes Ergebnis, aber ich bin zuversichtlich“, gibt er seine Prognose ab.
Dass er damit voll ins Grüne trifft, damit habe er nicht gerechnet. Denn: Um 18 Uhr schauen die Gäste im Waldhof gebannt auf den an der Wand ausgestrahlten Fernseh-Livestream – und glauben ihren Augen kaum, als sie das Ergebnis sehen. 32 Prozent für die Grünen heißt es um 18 Uhr im SWR-Livestream. 28 Prozent für die CDU. Und die Grünen stehen von ihren Plätzen auf, jubeln, klatschen, was das Zeug hält.
Belling hält sich zum Zeitpunkt der ersten Wahl-Hochrechnung im Nebenraum auf. Um 18.06 Uhr betritt er dann den Party-Saal. Mit einem breiten Grinsen und glasigen Augen fragt er „War irgendwas?“ – er habe mit viel gerechnet, sagt er, „aber das Ergebnis ist unglaublich.“ Dass das Ergebnis der ersten Hochrechnung doch so eindeutig für die Grünen ausfalle, das habe er nicht erwartet.
„Absolute Überraschung“
Sein erster Gedanke zur Hochrechnung: „Absolute Überraschung“, meint er. Und das Grinsen weicht nicht eine Sekunde sein Gesicht.
Oberste Priorität habe zunächst erst mal das Ergebnis der Zweitstimme, „wie es für mich ausgeht, sehen wir später“, sagt er.
Um 18 Uhr hofft die CDU noch
Auf der Wahlparty der CDU in Freudenstadt ist kurz nach 18 Uhr das dominierende Gefühl Hoffnung. Denn zumindest im ZDF liegt da die CDU noch einen Prozentpunkt hinter den Grünen.
„Ich glaube, es wird noch ein spannender Abend“, meint die CDU-Landtagskandidatin Katrin Schindele. „Je nach Umfrage kann es noch ein Kopf an Kopf Rennen geben“, so Schindeles Einschätzung angesichts der ersten Prognosen.
Da es also zunächst weder eine Niederlage zu beklagen noch einen Sieg zu bejubeln gibt, ist Schindele bemüht, zumindest eine in ihren Augen positive Entwicklung hervorzuheben: „Man muss sehen, woher wir kommen“, meint die Abgeordnete mit Blick auf das CDU Ergebnis der vorangegangen Wahl. „Heute haben wir ordentlich zulegen können.“
Die FDP feiert ihre Wahlparty im Digital Hub in Horb. Es dämmert über dem Horizont. FDP-Direktkandidat Veit Grünberg steht noch unten, während sein Wahlkampfteam die Getränkekisten hoch tragen.
18.10 Uhr. Grünberg sagt: „Gestern habe ich Daniel Belling auf noch ein FDP-Feuerzeug geschenkt und gesagt: Damit kannst Du Dir morgen eine Zigarre anstecken.“
Oben schaut er fünf Minuten später auf das Handy – mit seiner Verlobten Macarena Müller. Grünberg sagt: „Noch bin ich optimistisch, dass die FDP über die 4,5 Prozent kommt. Ich bin froh, dass der Wahlkampf vorbei ist. Andererseits habe ich aber auch Blut geleckt – es könnte noch weiter gehen.“
Die Wahlparty soll um 19 Uhr starten. Grünberg: „Ich habe mein Wahlkampfteam sowie Freunde und Bekannte eingeladen. Die sind durch den Wahlkampf zu kurz gekommen. Ich hoffe, wir können später noch richtig feiern.“