In Calw wird die Ferienbetreuung neu aufgestellt. 120 Plätze soll es geben. Ob das ausreicht, dazu gehen die Meinungen auseinander. Foto: monropic - stock.adobe.com

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler rückt näher. Ab September muss es klappen – auch in den Ferien. Nun wurde in Calw ein Konzept vorgelegt. Und Unmut geäußert.

Als die Calwer Stadtverwaltung vor rund zwei Monaten ihre Pläne für die künftige Ferienbetreuung vorlegte, ließ der Widerstand nicht lange auf sich warten.

 

Einer der Gründe: Statt wie bisher an mehreren Standorten soll es ab Herbst nur noch eine zentrale Anlaufstelle für die Betreuung geben – in der Erna-Brehm-Grund- und Werkrealschule in Calws Kernstadt.

Der Hintergrund

Ursache dieser Veränderung ist der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der ab dem kommenden Schuljahr für Erstklässler greift und ab September 2029, jedes Jahr um eine Klassenstufe wachsend, für alle Grundschüler gelten soll.

Eine Ganztagsbetreuung an fast allen Werktagen des Jahres, einschließlich der Ferien. Acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche. Lediglich an 20 Tagen darf geschlossen sein.

Die Stadt Calw stellte das vor Herausforderungen – nicht zuletzt, weil der Gemeinderat angesichts knapper Kassen vorgegeben hatte, dass alles ohne zusätzliches Personal erfüllt werden müsse.

Die Verwaltung erstellte in der Folge ein Konzept, mit dem das möglich sein soll. Unter anderem, indem während der Ferien Personal und Ressourcen an einem Standort (bislang sind es bis zu sechs) gebündelt werden.

Die Betreuungsangebote

In der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses ging es nun inhaltlich mehr in die Tiefe. Das Team der Jugendsozialarbeit Calw in Trägerschaft der Waldhaus gGmbH, die zusammen mit der Stadt Calw die Betreuung organisiert und umsetzt, nannte dabei neue Details zum Konzept.

So sei vorgesehen, neben der Räume der Erna-Brehm-Schule auch die dortige Mensa, die Sporthalle in der Badstraße, den nahen Bolzplatz, das Jugendhaus und Spielplätze zu nutzen.

Konkret sollen etwa in mehreren Räume verschiedene Angebote gemacht werden, von Basteln über Sport, Bewegung und Musik bis zur Lesestunde. Die Kinder können dann frei entscheiden, welches Angebot sie annehmen und welchen Raum sie aufsuchen.

Angedacht seien zudem Themenwochen, Ausflüge Richtung Wald, Stadtgarten, Bolzplatz oder auch darüber hinaus und eine Integration der Kinder-Spielstadt Mini-Calw.

Zeiten und Anfahrt

Betreut wird Montag bis Freitag, je von 8 bis 16 Uhr. Morgens und nachmittags soll es jeweils ein einstündiges Bring- und Abholfenster geben, also von 8 bis 9 Uhr sowie von 15 bis 16 Uhr. Die eigentliche Betreuungszeit einschließlich Mittagessen ist von 9 bis 15 Uhr angesetzt. Die 20 Schließtage pro Jahr sind in den Weihnachtsferien sowie in den Wochen vier und fünf der Sommerferien eingeplant.

Um die Kinder zur Betreuung zu bringen, könne die Schranke der Badstraße (Beginn Fußgängerzone) zu den Bring- und Abholzeiten geschlossen werden, um Stau und Gefahren durch den Autoverkehr in diesen Zeiten zu verringern. Eltern könnten dann auf dem angrenzenden Parkplatz ihr Fahrzeug abstellen, um die Kinder zur Betreuung zu bringen und abzuholen.

Sorge um Anzahl der Plätze

So weit, so gut – oder auch nicht. Denn für einige im Gremium steht nach wie vor eine entscheidende Frage im Raum: Sind genug Plätze für alle vorhanden?

Laut Unterlagen wird es im Schuljahr 2026/2027 insgesamt 930 Kinder geben, die das Angebot der städtischen Ferienbetreuung wahrnehmen könnten. 260 davon kommen im Herbst in die erste Klasse – und haben entsprechend einen Rechtsanspruch.

Die Anmeldeplätze für die städtische Ferienbetreuung im Rahmen des Ganztagesförderungsgesetzes sind jedoch zunächst auf 120 Plätze begrenzt. Vorrang haben Kinder, mit Rechtsanspruch; danach werde geprüft, ob Erziehungsberechtigte Vollzeit arbeiten und ob sie Urlaub nehmen können. Bei Überbelegung werde eine Warteliste angelegt.

Dass das schwierig werden könnte, fiel unter anderem Ralf Recklies (SPD) auf.

„Sie haben völlig Recht“, meinte Calws Oberbürgermeister Florian Kling. Würden alle Kinder zur Betreuung kommen, wären es bei Weitem zu wenige Plätze. Die Grenze sei jedoch bei 120 Plätzen gezogen worden, weil es stadtweit bislang nie mehr als 120 Anmeldungen für eine Ferienbetreuung gegeben habe.

„Damit fangen wir an“, so Kling. „Wir werden sehen, wie oft wir an die Grenze kommen.“ Sollte sich zeigen, dass die Plätze nicht ausreichten, könne die Stadt nachsteuern und sogar eine zusätzlichen zweiten Standort einrichten – sofern der Gemeinderat dann bereit sei, das dafür nötige Geld auszugeben. Es sei auf jeden Fall nicht so, dass es dauerhaft bei 120 Plätzen bleiben müsse.

Kling: Calw hat gutes Level und mehr vorzuweisen als viele andere

Zudem meinte Kling, dass allein der Rechtsanspruch auf Betreuung den Bedarf nicht fundamental verändern werde. Und nur weil es einen Rechtsanspruch gebe, bedeute das nicht, dass dieser sofort und vor der Haustür erfüllt werden müsse. Calw habe mit seinem Angebot ein gutes Level und könne mehr vorweisen als viele andere Kommunen im Land.

Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw) war damit nicht zufrieden. Bereits in einer früheren Sitzung hatte er Kritik an einer Betreuung an einem zentralen Standort geäußert. Und auch Höfle ist skeptisch, ob 120 Plätze nicht zu wenige sind. Dass Kinder abgelehnt werden könnten, wenn es keinen Platz mehr gibt, „finde ich absolut grenzwertig“, machte er deutlich.

Kling entgegnete, dass in diesem Konzept viel Arbeit und Abstimmung unter schwierigen Rahmenbedingungen stecke – gerade auch, weil alles laut Auftrag des Gemeinderats mit denselben Ressourcen wie bisher gestemmt werden müsse. Es sei nicht in Ordnung, die Mitarbeiter im Rathaus immer arbeiten zu lassen und am Ende die Ergebnisse einfach abzulehnen. Dann müsse er sich schützend vor sie stellen.

„Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch finanzierbar“

Und: „Am Ende muss man als Gremium einen Weg finden, oder man tut nichts und regelt auch nichts“, so der Oberbürgermeister. Seit drei Jahren werde an einer Lösung gearbeitet. Wenn damit nicht jeder zufrieden sei, müsse am Ende die Mehrheit entscheiden.

Sollten plötzlich wider Erwarten doch 200 oder gar 300 verbindliche Anmeldungen für Betreuungsplätze in den Ferien zusammenkommen, versprach Kling indes, eine Not-Sitzung des Bildungsausschusses einzuberufen.

Dieter Kömpf (Freie Wähler) meinte am Ende, es sei doch „eigentlich ein gutes Konzept“. Nun müsse man eben mal beginnen und wenn nötig nachlegen. Aber: „Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch finanzierbar“, gab er zu bedenken.