Während Gerichte erneut den Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs prüfen, setzt sich Wildtierexperte Raoul Schwarze bei einer Mahnwache in Bühl gegen die Tötung ein.
Der geplante Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs schlägt über den Nordschwarzwald hinaus Wellen. Am Freitagabend versammelten sich bei einer Mahnwache in Bühl laut Medienberichten über 200 Menschen, um ein Zeichen gegen den Abschuss des Jungwolfs zu setzen. Darunter Bewohner der Region, aber auch Wolfsfreunde aus Augsburg und der Schweiz. Ebenfalls vor Ort: Raoul Schwarze, Projektleiter des Alternativen Wolf- und Bärenparks Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach und Vertreter der Stiftung für Bären. Schwarze war gekommen, um Alternativen zum Abschuss von GW2672m, der sich immer wieder Menschen genähert hatte, aufzuzeigen.
Nachdem das Verwaltungsgericht Stuttgart eine entsprechende Klage von Naturschützern abgewiesen hatte, hätte die Jagd auf den Hornisgrinde-Wolf noch diese Woche beginnen sollen. Doch die Naturschutzinitiative legte Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim ein. Und erzielte damit zumindest einen Teilerfolg. Bis zur Entscheidung des VGH darf das Tier nicht getötet werden.
Kein ungewöhnliches Verhalten
Ohnehin, „der Abschussbefehl ist zu früh gekommen“, macht Schwarze im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Vielmehr müsse auf Landesebene in das Wolfs-Monitoring investiert werden beziehungsweise in eine ausreichende Auswertung. Dies gelte auch für den Hornisgrinde-Wolf. Ohne präzise Auswertung könne das Verhalten des Wolfs nur ungenügend eingeschätzt werden.
Schwarze ist zudem der Meinung, dass das Verhalten des jungen Rüden vorschnell problematisiert wird. Ein „auffälliges Verhalten“ könne er nicht erkennen.
Der 39-Jährige sieht nur ein typisch wölfisches Verhalten, indem der Wolf es sich beispielsweise einfach macht und liegengelassene Essenreste als Futter ansieht.
Auch dass er immer wieder auf Wanderwegen gesehen werde und sich Menschen und ihren Hunden nähere, sei nichts Ungewöhnliches.
Eine Schutzzone für den Hornisgrinde-Wolf
„Der Mensch ist das Problem“, erklärt Schwarze – allem voran der Wolfstourismus. So versuchten Spaziergänger und Fotografen inzwischen immer häufiger das Tier anzulocken, um Fotos mit ihm zu machen.
Die Entscheidung, den Wolf abschießen zu lassen, sei eher aus dem Bauch heraus entschieden worden, meint Schwarze. Besser wäre es aus seiner Sicht, die Menschen aufzuklären, den Tourismus einzudämmen und Schutzzonen für das Raubtier einzurichten.
Auch der Versuch, den Hornisgrinde-Wolf zu vergrämen, ist nach Einschätzung des Projektleiters nicht konsequent genug verfolgt worden. Es könne Wochen oder gar Monate dauern, bis das gewünschte Ziel erreicht sei und der Wolf den Mensch als Bedrohung wahrnehme. Auch Gummigeschosse könnten in diesem Prozess zum Einsatz kommen, um das Tier abzuschrecken.
Die Tötung des Hornisgrinde-Wolfs sei „nicht mehr nur ein regionales Thema“, meint Schwarze. Selbst über Landesgrenzen hinweg habe das Schicksal des Tieres Aufmerksamkeit erzeugt – Aufmerksamkeit, die auch gebraucht werde.
Appell für gemeinsame Lösung
„Es war schön zu sehen, wie viele Menschen dieses Thema anzieht“, schildert der 39-Jährige sein Erleben der Mahnwache in Bühl. Zudem zeige es auch, wie sich Privatpersonen direkt engagieren können – durch ein gemeinsames Ziel.
An die zuständigen Behörden und Verwaltungsgerichte richtet Schwarze nun den Appell, gemeinsam eine Lösung zu finden: „Wir sind nur einen Telefonanruf entfernt.“