Er hat mit vier Bürgermeistern vertrauensvoll zusammengearbeitet und 40 Jahre im Dienst der Gemeinde Rust verbracht: Rechnungsamtsleiter Thomas Sauter geht zum 30. Juni in den Ruhestand. Unserer Redaktion hat er verraten, was seinen Beruf so reizvoll macht und was er nun vorhat.
Thomas Sauter war der erste Rechnungsamtsleiter der Gemeinde Rust – und hat diese auch in schwierigen Zeiten begleitet. Doch nun, nach knapp 34 Jahren, in dieser Position heißt es Abschied zu nehmen.
Herr Sauter, wie geht es Ihnen mit dem bevorstehenden Ruhestand?
Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Ich freue mich, dass ich mich von meinem vollen Terminkalender verabschieden und nun meine Zeit – bei guter Gesundheit – flexibel gestalten kann und mehr Zeit für meine Frau und meine Familie habe. Auf der anderen Seite komme ich weg von einem geregelten Tagesablauf und vielen Verantwortlichkeiten – das wird mir sicher fehlen.
Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand?
Ich liebe die Natur und wir haben einen großen Garten, in dem ich einiges nachzuholen habe. Zudem habe ich ein Buch, das ich schon lange fertig lesen will – auch wenn es inzwischen nicht mehr aktuell ist: Gorbatschows „Perestroika“. Auch die Kollegen haben mir schon Bücher für den Ruhestand geschenkt. Zudem habe ich eine kleine Enkelin, die nebenan wohnt. Mehr Zeit mit ihr zu verbringen, verspricht eine große Freude zu werden.
Wie sind Sie damals eigentlich im Bereich Rechnungswesen gelandet? Muss man dazu besonders gut in Mathe sein?
Ich war in Mathe kein Einserschüler und es war am Anfang auch gar nicht meine Intention in diesen Bereich zu gehen.
Wie kam es dann dazu?
Ich habe im Januar 1986 als Grundbuchschreiber begonnen mit begleitenden finanztechnischen Fragen. In dieser Position habe ich unter anderem das Personalwesen verantwortet und die Liegenschaften und Gebäude der Gemeinde verwaltet. Ein Rechnungsamt gab es damals nicht. Ich habe mir einen Teil des Finanzwesens mit dem damaligen Bürgermeister Erich Spoth geteilt. Mit wachsenden Aufgaben brauchten wir dafür jedoch eine eigene Amtsstruktur. Da die Gemeindeordnung für den „Fachbediensteten fürs Finanzwesen“ eine berufliche Qualifikation fordert und ich als Einziger diese Qualifikation hatte und bereits mit den Finanzen zu tun hatte, bin ich auf diese Position reingerutscht. 1991 habe ich den ersten Haushalt unter komplett eigner Regie entworfen. Am Anfang war die Kämmerei nicht mein Lieblingsbereich, aber mit der Zeit bin ich immer mehr reingewachsen und es hat mich immer mehr gepackt und fasziniert.
Gibt es Projekte, auf die Sie besonders stolz waren?
EDV war immer mein Thema: Ich komme aus einer Zeit, in der noch mit Lochkarten gearbeitet wurde. Von daher war ich immer stolz auf die Einführung des PC-Netzwerks 1991 unter meiner Regie – als Erste in der gesamten Raumschaft. Selbst größere Gemeinden um uns herum oder kleine Städte waren noch nicht so weit – inzwischen haben wir diesen Bereich mit der interkommunalen Zusammenarbeit mit Ringsheim noch ausgebaut. Und dann sind es noch viele „Kleinigkeiten“: Etwa, dass es die Gemeinde es geschafft hat, ein Naturzentrum zu bauen – und dass wir bei der Finanzierung steuerliche Vorteile ausgehandelt haben. Was mich bei meinen Aufgaben immer unheimlich gestärkt hat: Wir hatten immer eine gute Mannschaft, auf die ich mich verlassen konnte. Am Anfang waren wir zu dritt, mittlerweile gehören sieben Personen zu meinem Bereich.
Dass Ihre Nachfolge geregelt ist, macht es Ihnen auch sicher leichter zu gehen...
Rust verfügt wieder über liquide Mittel, insofern kann ich der Gemeinde ein gut bestelltes Feld hinterlassen. Ich bin dem Gemeinderat dankbar, dass wir für eine Nachfolge sorgen konnten – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels: Meine derzeitige Stellvertreterin Marion Fleig wird das Amt zum 1. Juli übernehmen. Es war sehr angenehm und unterstützend sie schon dabei zu haben – etwa bei der Einführung des kommunalen Haushaltsrecht. Sie macht es top und hat mit Anita Würzburger eine gute Stellvertreterin. Das beruhigt mich sehr, zumal ich ja weiter in Rust lebe und die Gemeinde weiter im Blick habe.
In mehr als 30 Jahren Amtszeit gab es aber auch schwierige Momente?
Von besonderer Schwierigkeit war die Einführung der Kurtaxe. Was mir aber noch viel mehr Kopfzerbrechen bereitet hatte, war die Situation rund um Corona. Wir hatten für 2020 mit zehn Millionen Euro Gewerbesteuer geplant – die dann einfach weg waren. 2019 hatten wir zwar noch genug finanzielle Mittel zur Verfügung, dass wir 2020 das Schlimmste überstehen konnten. Aber wir hatten Investitionen am Laufen, die bezahlt werden mussten. Das hat bei mir für schlaflose Nächte gesorgt. Wir führten regen Schriftverkehr mit den Verantwortlichen in Land und Bund – aber keiner konnte uns wirklich helfen. So blieb mir nichts anderes übrig, als diese Zeit mit Krediten auszugleichen. Immerhin: Wir hatten günstige Konditionen , weil der Kreditzins ganz unten war – und diese haben wir uns auch für die Zukunft gesichert.
Aber das war ja noch nicht alles gewesen ...
Dadurch dass das Land einen Sonderweg bei den Kompensationszahlungen ging, haben wir – im Gegensatz zu den Kommunen außerhalb Baden-Württembergs – nur einen Teil unserer Ausfälle erhalten: 2,9 statt zehn Millionen Euro. Erschwerend kam hinzu, dass wir 2021 Umlagen an Land und Kreis zahlen mussten – und diese nicht schieben durften. Wir mussten sie also irgendwie erwirtschaften. Wir mussten Leistungen wie die Regelbeitragsfreiheit bei den Kita-Gebühren aussetzen, Vereinszuschüsse reduzieren und auch der Gemeinderat hat auf einen Teil seiner Aufwandsentschädigung verzichtet. Das war eine richtig große Herausforderung, die ich so noch nie erlebt habe und die mich damals auch persönlich und menschlich mitgenommen hat – auch wenn sich wieder alles normalisiert hat.
Der Fachkräftemangel macht sich auch bei der Kämmerei bemerkbar. Um jungen Menschen Mut zu machen, diesen Beruf zu ergreifen: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Die Verantwortlichkeiten, die mit diesem Job einher gingen, haben mir immer Freude gemacht. Rust mit seinen besonderen Anforderungen hat diesen Beruf wirklich interessant gemacht. Durch die Parkbesucher und Übernachtungsgäste haben wir Infrastrukturteile – etwa Wasser und Abwasser – wie eine mittlere Kleinstadt. Gleichzeitig ist die Gemeinde klein genug, dass man Einblicke in viele Bereiche hat. Wer neugierig ist, bereit ist, selbst Ideen zu entwickeln und in Gremien und Rat dabei zu sein, für den kann eine Gemeinde wie unsere wirklich viel bieten.