Eine Ära geht zu Ende: Nach rund 35 Dienstjahren, davon 26 mit der Zusatzaufgabe Pressesprecher, geht der Erste Staatsanwalt Frank Grundke in den Ruhestand. Dafür kehrt ein alter Bekannter zurück.
Für ein „Urgestein“ der Staatsanwaltschaft Rottweil ist nun Schluss: Der Erste Staatsanwalt Frank Grundke tritt zum Mai seinen Ruhestand an. Sein letztes Jahr im Dienst hatte es dabei mit mehreren versuchten und vollendeten Tötungsdelikten nochmal in sich.
Die Aufgaben als Pressesprecher, oftmals auch ein „Stressgeschäft“, habe er stets ohne Klagen neben der Bearbeitung der eigenen dringenden Fälle erfüllt, stellte die Behördenleiterin Sabine Mayländer fest. An manchen Tagen habe er aber auch nichts Anderes als Pressearbeit gemacht, erinnert sich Grundke. In Zusammenhang mit öffentlichkeitswirksamen Fällen sei die Anzahl der Anfragen stets sprunghaft angestiegen.
Aus der Ruhe bringen konnte so etwas den gebürtigen Braunschweiger, der im Kreis Tuttlingen zu Hause ist, aber nie. Schon gar nicht mit mehr als 35 Dienstjahren.
Sein Weg nach Rottweil
Grundke kam im April 1990 als Rechtsreferendar in den Landgerichtsbezirk Rottweil. 1993 nahm er, zunächst als Assessor, seinen Dienst als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Rottweil und als Richter beim Amtsgericht Oberndorf auf.
2006 erfolgte nach seiner Abordnung zur Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart seine Ernennung zum Ersten Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Rottweil.
Mit einer Banklehre im Rücken sei Grundke für die Bearbeitung von Wirtschaftsdelikten quasi prädestiniert gewesen, ließ Mayländer durchblicken. In seine Zuständigkeit fielen aber neben Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Luftverkehrsdelikte – zu einem fuhr Grundke per Fahrrad aufs Klippeneck – auch Sexualverfahren jeglicher Art. Fälle, für die man innerlich gefestigt sein müsse, betont die Leitende Oberstaatsanwältin.
Die Pressearbeit suchte sich Grundke unter vielen möglichen Zusatzaufgaben bewusst aus. Die Arbeit habe ihm stets Spaß bereitet, die Zusammenarbeit habe überwiegend gut funktioniert, meint er.
In all den Jahren seien ihm einige Fälle in Erinnerung geblieben, darunter etwa ein Fall unter dem Stichwort „Ehrenmord“ und einer, in dem ein Vater mit der eigenen Tochter Kinder gezeugt hatte.
Experte auf vielen Gebieten
Dass man nun das „Schmuckkästchen“ Frank Grundke, der alles schonmal gemacht habe und alles wisse, verliere, sei sehr bedauerlich, sagt die Mayländer wehmütig. Grundke will sich im Ruhestand nun vermehrt der Familie widmen und seinem Hobby, dem Tennissport, nachgehen.
Wagner übernimmt Pressearbeit
Sein Nachfolger im Bereich der Pressearbeit ist kein Unbekannter. Oberstaatsanwalt Markus Wagner hat nicht nur schon einmal Aufgaben des Pressesprechers übernommen, seine Laufbahn hat auch in Rottweil begonnen.
Der 46-Jährige war bereits von 2011 bis 2015 bei der Staatsanwaltschaft Rottweil tätig und wurde nach vorangegangenen Verwendungen bei verschiedenen Amtsgerichten zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.
Danach war er Ermittlungsrichter und saß dem Schöffengericht am Amtsgericht in Rottweil vor, ehe er bei der Rottweiler Staatsanwaltschaft 2016 zum Ersten Staatsanwalt ernannt wurde. Im Dezember 2020 wechselte Wagner zur Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und wurde zum Oberstaatsanwalt ernannt. Ab 2022 war er Abteilungsleiter bei der Staatsanwaltschaft Tübingen.
Unterricht an der Polizeihochschule
Seit Mitte April – „er kam quasi als Ostergeschenk“, so Mayländer – ist Wagner wieder Teil der Rottweiler Staatsanwaltschaft und beerbt Oberstaatsanwalt Matthias Krausbeck als Leiter der Ermittlungsabteilung, die überwiegend Verfahren aus dem Landkreis Freudenstadt bearbeitet. Krausbeck ist seit März Vizepräsident des Rottweiler Landgerichts.
Seine Aufgaben trete er mit großer Spannung und viel Interesse an, erklärte Wagner beim Pressegespräch der Staatsanwaltschaft. Neben der Abteilungsleitung und der Pressearbeit geht er jedoch noch weiteren Tätigkeiten nach – wie dem Unterrichten der Referendare der Staatsanwaltschaft Rottweil und der Schüler an der Hochschule für Polizei in Schwenningen.
Was die Leitung von Grundkes Ermittlungsabteilung angeht, so tritt der Erste Staatsanwalt Achim Ruetz, bislang Leiter der Vollstreckungsabteilung, die Nachfolge an. Seine Stelle wiederum übernimmt Staatsanwältin Nathalie Kroner.