Ehefrau Jacqueline stärkte dem Klinik-Chef Roland Wehrle den Rücken – beruflich stand ihm zuletzt vor allem Geschäftsführer Thomas Müller zur Seite. Foto: Ursula Kaletta/Picasa

„Was ein Mensch an Gutem in die Welt setzt, das bleibt in den Herzen der Mitmenschen.“ Diese anerkennenden Worte galten Roland Wehrle.

Er wurde nach 30 Jahren als Geschäftsführer der Tannheimer Nachsorgeklinik würdig verabschiedet.

 

Zahlreiche Mitarbeiter und Gäste standen am Haupteingang der Klinik Spalier, als Roland Wehrle mit einer zweispännigen Kutsche zu seinem Wirkungsort gebracht wurde. Es galt, sein 30-jähriges Wirken entsprechend zu würdigen.

„Freud und Leid sind oftmals nah beisammen, das spürt man in Tannheim immer wieder“, begann Geschäftsführer Thomas Müller die dreistündige Abschiedsfeier, die mit einer Gedenkminute zur Erinnerung an Aufsichtsratsmitglied Michael Fritz begann, der vor wenigen Tagen verstorben war.

Hohe Ansprüche an sich und andere

An 27 gemeinsame Jahre erinnerte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Butz. Viele Herausforderungen habe es gegeben, steinige Wege mussten bewältigt werden und gemeinsam habe man viele Erfolge erlebt. Wehrle habe an sich selbst und an seine Mitarbeiter hohe Ansprüche gestellt, zum Wohl der Patienten und deren Familien. Sei Ziel war es immer, ihnen eine bestmögliche Reha zu bieten. Wichtig sei es für ihn immer gewesen, den Mitarbeitern, für die er stets ein offenes Ohr hatte, angenehme Arbeitsplätze zu schaffen. „Er hinterlässt sehr große Fußspuren“, so Butz. Dies betätigte auch in einer Videobotschaft der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Mehl.

Roth: „Aufhören verlangt viel Stärke“

Seine Hochachtung für das Lebenswerk von Wehrle sprach Landrat Sven Hinterseh aus. Er habe den Beginn der Klink nicht von Anfang an miterlebt, Tannheim sei ihm zuvor nicht einmal bekannt gewesen, doch nach seiner Wahl im Jahr 2012 habe er nur Positives gehört und viele Mosaiksteine haben ein gutes Bild ergeben. Er kenne niemanden, der so viel Positives erreicht habe. „Ohne Roland Wehrle gäbe es die Nachsorgeklinik nicht.“

„Aufhören verlangt viel Stärke“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth. Wehrle habe die vielfältigen Herausforderungen gemeistert, durch seinen unermüdlichen Einsatz sei diese Klinik entstanden. Mit Dank, aber auch mit Wehmut, könne er nun auf das Erreichte zurückblicken. Für tausende Familien sei sie eine wertvolle wichtige Insel gewesen, ein Ort der Hilfe.

Skeptiker wurden überzeugt

„Wir sind stolz, dass die Klinik ihren Platz in Tannheim gefunden hat“ bestätigte Ortsvorsteherin Anja Keller. Um das zu erreichen, habe Wehrle viele Skeptiker von der Notwendigkeit überzeugt. Der Anfang sei ein steiniger Weg gewesen. Auch in Tannheim sei man skeptisch gewesen und habe befürchtet, was diese Klinik für den Ort mit sich bringe: Mehr Verkehr, fremde Menschen… Doch der Kampf habe sich gelohnt: Wehrle habe sie überzeugt und Prominente begeistert und von ihnen Unterstützung erfahren. So sei ein Ort der Hoffnung und Heilung entstanden.

„30 Jahre – Wir blicken zurück“, hieß die Videobotschaft, die von Thomas Müller und Stiftungsvorständin Sonja Faber-Schrecklein präsentiert wurde. Sie erinnerte an die Anfänge im Jahr 1990 als die Stiftung gegründet wurde, fünf Jahre später konnte der erste Spatenstich vollzogen werden, im November 1997 wurde die Klinik eröffnet, zur Besichtigung strömten tausender Besucher herbei. Danach gab es ständig bauliche Erweiterungen, gebührend wurden stets die jeweiligen Jubiläen gefeiert. Im Jahr 2005 wurde Wehrle das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

„Der Papa aus Tannheim“

„Ein Zuhause auf Zeit, ein Ort der Begegnung, wo Geborgenheit und Menschlichkeit gelebt wird“ sagte Brigitte Stähle vom Mukoviszidose-Verein. Mit viel Herz und Engagement würden die Patienten und ihre Familien liebevolle Betreuung und Freizeitangebote erfahren. Eine Zeit, die sie gemeinsam ohne die Last des Alltags verbringen können. Das alles habe die Arbeit von Roland Wehrle ermöglicht.

Den Worten schloss sich Andrea Willmann von der Stiftung Deutsche Kinderkrebsnachsorge an, betroffene und inzwischen verwaiste Mutter. Sie selbst habe erfahren, wie wichtig und wertvoll die Nachsorgeklinik ist. „Behalten Sie Ihren Elan“, bat Werner Bauz vom Bundesverband herzkranker Kinder den zu Verabschiedenden.

„Sie sind für uns der Papa aus Tannheim“ vermittelte eine Familie per Video. Für sie die Klinik ein Zuhause gewesen. In einem weiteren Video wurden „Roland Wehrles beste Momente“ aus den 30 Jahren gezeigt. Schöne Erlebnisse mit den Patientenfamilien und Prominenten gehörten dazu.

Ein „Arbeitszeugnis“ hatten die Mitarbeiter zusammengefasst, gespickt mit viel Humor, aber hervorgehoben wurde dabei das große und vielseitige Engagement Wehrles.

Vom Chef zum Berater

Ohne die engagierten Mitarbeiter sei der Erfolg nicht möglich gewesen, hob Wehrle hervor, Dank gelte jedem Einzelnen. Ebenso seiner Familie, die ihn stets unterstützt habe. Viel Freude, aber auch Demütigungen und rührende Einzelfälle habe er erlebt. Es war eine schöne Zeit bestätigte er. Die Klinik bedeute für ihn ein Kind und es sei nicht einfach, ein Kind, das man gezeugt habe, loszulassen. Nun gehe eine Türe zu und eine andere auf. Ab Januar wird er als Berater halbtags in der Klinik sein.

Beendet wurde die Verabschiedung mit dem Liedbeitrag „Nach vollen 30 Jahren“ zur Melodie von Udo Jürgens Song „Mit 66 Jahren“ wozu sich alle Anwesenden von ihren Plätzen erhoben.