Mit einem Gottesdienst wurde Roland Scharfenberg nach 15 Jahren als Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn in den Ruhestand verabschiedet.
Angesichts der zum Abschied gut gefüllten Kirche meinte Scharfenberg humorvoll: „Ich will das mal nicht zu meinen Ungunsten auslegen.“ Er erinnerte an 1984, als ihm, dem frischgebackenen Theologiestudenten, Worte von Jesaja vorgelesen wurden: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten“.
Nach dem Lernen von Spanisch und dem Wirken auf 4800 Metern in den Anden verschlug es ihn mit der vielköpfigen Familie in den Schwarzwald, der in den 90ern „noch ganz schön frostig im Winter“ war. 2010 wurde er Pfarrer der Petrus-, 2020 der Lorenzgemeinde.
Seine Füße hätten ihn in so manchen Zinken Langenschiltachs gebracht. An die Berge habe er sich gewöhnt. Dass er Freudenbote sei, lasse ihn immer noch jubilieren, so Scharfenberg. Frieden mit Gott erlebe er in verschiedensten Lebenslagen und könne nur empfehlen, darum zu bitten, denn das führe zum Frieden mit sich selbst und anderen.
Eine Freudenbotschaft wert
In Anlehnung an einen alten TV-Werbespot dichtete er: „Wenn einem so viel Gutes wird beschert, das ist schon eine Freudenbotschaft wert“. Dennoch sah er im Abschied auch gute Seiten „für euch und für mich“ und begrüßte Pfarrerin Elke Schott, die beauftragt war, „ihn rauszuschmeißen“.
Scharfenberg sei ursprünglich kein badisches Gewächs, sondern in Schweinfurt aufgewachsen, so Schott. Sie erinnerte ans Studium in Basel, den mehrjährigen Südamerika-Aufenhalt und seine vor allem ausbildenden Tätigkeiten. Scharfenberg habe sich immer wieder aufgemacht, umgeschaut, Neues entdeckt.
Besonders wichtig gewesen sei ihm der Kontakt zu Menschen, er habe Geschichten des Lebens anderer mitgetragen, Schwere wie Gute, nicht einfache, sondern tragfähige Antworten gesucht. Empathie habe ihn menschlich gemacht, ihn zeichne Loyalität, Humor und eine sensible, kraftvolle Art aus. Mit seiner Haltung habe er viele gestärkt und spüren lassen: „Da ist einer, der mitträgt“, habe aber nie vergessen, dass er selbst ein Getragener sei.
Schott war froh, dass Scharfenberg sich nicht komplett verabschiedet, sondern Gottesdienste in Altenheim oder Seniorencafé übernimmt. Sie hoffe, dass es ihm gelinge, sich gut abzugrenzen, denn sonst müsse sie ihn tatsächlich rausschmeißen.
Stärkende Worte
Nach dem Gottesdienst zollten Weggefährten sowie Vertreter von Kindergärten und anderen Religionsgemeinschaften Respekt. Scharfenberg habe über viele Jahre das geistliche und menschliche Leben der Stadt geprägt, Leuten zugehört, sie begleitet und ermutigt, so Bürgermeister Michael Rieger. Viele verbänden mit ihm stärkende Worte oder ein Lächeln im richtigen Moment.
Glauben und Zuversicht
Was in der Seelsorge zur Sprache komme, könne belastend sein, das müsse man irgendwie verarbeiten. Die „Rundum-Zuständigkeit“ eines Pfarrers sei sicher keine einfache, aber eine dankbare Aufgabe. Er habe Spuren des Glaubens und der Zuversicht hinterlassen, mit seiner stillen, aber aufmerksamen Art vielen Leuten Halt gegeben. Im Ruhestand werde er hoffentlich Zeit finden für Dinge, die im Alltag zu kurz kamen.