Oberbürgermeister Klaus Konzelmann hat noch zwei Tage vor sich – und acht harte Jahre hinter sich. Foto: Karina Eyrich

Kritik hat Klaus Konzelmann in seinen acht Jahren im Amt reichlich einstecken müssen – wie viele seiner Vorgänger. Die Kolumnistin rät dazu, mal genauer hinzuschauen: Der scheidende Oberbürgermeister hatte nämlich ein ganz schönes Päckchen zu tragen.

Acht Jahre lang war Klaus Konzelmann der erste Bürger der Stadt Albstadt – und acht Jahre lang hatte er mit Herausforderungen zu kämpfen, um die ihn niemand beneidet, der bei Verstand ist, das ist bei seiner Verabschiedung vielfach betont worden. Zu Recht.

 

Ob es ein Kindergarten war, der wegen Nagetierbefalls von jetzt auf nachher abgerissen werden musste, ein Schulzentrum, dessen Sanierung die Stadt jahrzehntelang verschlafen hatte, die Sanierung der Neuen Mitte Tailfingen als gigantisches Projekt, die Flüchtlingsströme, die Coronavirus-Pandemie, der Krieg gegen die Ukraine mit Energiekrise und hoher Inflation als Folge, oder einfach das Übliche: Sanierungsstau bei Hallen, Straßen und Kanälen in insgesamt hoch dreistelliger Millionenhöhe. Das Päckchen, das Konzelmann nun acht Jahre lang getragen hat, kommt dem Felsen gleich, den Sisyphos in der griechischen Sage wieder und wieder den Berg hinaufrollen musste, damit er dann wieder und wieder – kaum dass der Gipfel in Sicht war – hinunter rollte.

Der Gemeinderat hat manchen Rückzieher gemacht

Bei all dem ist er nicht immer vom Gemeinderat getragen worden. Manchen Rückzieher hätten seine einstigen Ratskollegen gemacht, als es zum Schwur kam, so dass ein geplantes Projekt nicht verwirklicht werden konnte, hat Klaus Konzelmann im Interview mit unserer Redaktion, das an seinem letzten Arbeitstag erscheinen wird, berichtet.

Derselbe liegt nun nur noch fünf Tage entfernt. Dazwischen – am Pfingstmontag – wird Konzelmann noch seinen 61. Geburtstag feiern, und dann freut er sich auf die Ruhe, die endlich in sein Leben einziehen kann: ohne Terminkalender, ohne Kampfabstimmungen, ohne endlose Debatten mit jenen, die es immer besser wissen. In 31 Jahren in der Kommunalpolitik hat Konzelmann sie zur Genüge erlebt und dabei – wie so viele andere seiner Zunft – feststellen müssen, dass es immer welche gab, denen er es nicht recht machen konnte, ganz egal was er tat.

Die Meckerer sind meist nicht die Tatkräftigsten

So ist das als Gemeinderat und als Stadtoberhaupt: Diejenigen, die am lautesten schreien, wenn eine Entscheidung gefallen ist, sind meist genau jene, die sich im ganzen Prozess von der Idee bis zum Gemeinderatsbeschluss am wenigsten eingebracht haben. Bei den Bürgerworkshops – Agenda 2030, Hufeisen-Konzept, Sanierungsgebiete, Spielplätze und das Jahrhundertprojekt „Reaktivierung der Talgangbahn“ etwa waren Themen derselben – ließ die Beteiligung zuweilen ziemlich zu wünschen übrig, waren jene dabei, die immer mitmachen, und das waren oft nicht viele. Gerade in den größeren Stadtteilen.

Natürlich: Es ist jedem unbenommen, lieber mit seiner Frau spazieren zu gehen, abends aufs Mountainbike zu sitzen oder das Fußballspiel im Fernsehen anzuschauen, und dann gibt es noch jene, die zwischen Beruf, Kindererziehung und der Pflege der Eltern einfach nicht mehr im Ring herum kommen, für ehrenamtlichen Einsatz schlicht und einfach keine Zeit haben. Aber zumindest für Erstere gilt: Wer will findet Wege – und wer nicht will, findet Gründe.

Ohne Unterstützung geht’s einfach nicht

Wenn der neue Oberbürgermeister Roland Tralmer am 1. Juni sein Amt antritt, dann ist ihm zu wünschen, dass er die Unterstützung möglichst vieler bekommt. Ohne geht’s nämlich nicht. Nirgends. Kein Oberbürgermeister, und sei er noch so tatkräftig, kann etwas bewegen, wenn er keine oder zu wenige Mitstreiter hat. Und übrigens auch, wenn an allen Ecken und Enden das Geld fehlt.

Klaus Konzelmann kann ein Lied davon singen, und es ist ein feiner Zug von ihm, dass er bei seinem Abschiedsfest selbst so vielen gedankt hat. „Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“, hat Schauspieler Ewald Balser gesagt. Klaus Konzelmann gehört in jedem Fall dazu. Dafür ein dickes Dankeschön – Chapeau!