Maik Volz (rechts) hört im Gemeinderat auf. Künftig wird Michael Kern (Mitte) dem Gremium, welchem Sebastian Kopp (links) momentan vorsteht, angehören. Foto: Biermayer

Maik Volz fordert bei seinem Rücktritt weitere Bad Liebenzeller Stadträte auf, es ihm gleich zu tun. Nur so wäre ein „echter Neuanfang ohne Missgunst“ möglich.

Für Maik Volz (CDU) war am Dienstagabend nach fast 17 Jahren im Gemeinderat Schluss. Das Gremium genehmigte sein Ausscheiden aus persönlichen Gründen einstimmig. Der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp (UL) blickte zurück.

 

Volz sei insgesamt vier Mal in den Gemeinderat gewählt worden, in vielen Ausschüssen sowie zeitweise als CDU-Fraktionsvorsitzender tätig gewesen. 2019 erhielt Volz die Ehrenstele des Gemeindetages für sein damals zehnjähriges Engagement im Gemeinderat. Kopp dankte ihm für das Engagement.

Dann ergriff Volz das Wort. Nach reiflicher Überlegung lege er sein Amt nieder. Die Stadt habe in den vergangenen vier Jahren eine Entwicklung genommen, die er nicht mehr mittragen könne. Das zu erkennen, sei für ihn ein „schmerzlicher Prozess“ gewesen. Und eigentlich habe er bei der Kommunalwahl 2024 schon gar nicht mehr antreten wollen.

Großer Zuspruch von Bürgern und seiner Familie habe ihn aber umgestimmt. „Und da waren noch zwei Prozesse offen“, lieferte er einen weiteren Grund für seinen Wahlantritt 2024.

„Echter Neuanfang“

Mittlerweile sind die Prozesse gegen Ex-Bürgermeister Dietmar Fischer und gegen Stadtrat und Firmen-Chef Ekkehard Häberle im Zusammenhang mit Grundstücksgeschäften in den Talwiesen abgeschlossen. „Lasst die Dinge nun endlich ruhen“, gab Volz dem Gremium mit. Es gehe darum, Bad Liebenzell nach vorne zu bringen.

Das Ehrenamt im Gemeinderat brauche Energie und Leidenschaft. Er spreche seit einem Jahr ein „massives Führungsproblem“ in der Stadt an, bezog sich Volz auf den erkrankten Bürgermeister Roberto Chiari.

Volz fragte sich, ob das Übel dafür im Gemeinderat liege oder ob Chiari vielleicht politisch falsch beraten worden sei. Volz hatte auch eine Idee, wie ein „echter Neuanfang ohne Missgunst“ funktionieren könne. Erstens, einen neuen Bürgermeister wählen. Dann habe Chiari endlich die Zeit, um richtig gesund zu werden. Zweitens: Alle vor 2024 gewählten Stadträte sollten zurücktreten.

Der aktuelle CDU-Fraktionsvorsitzende Dietmar Fischer dankte Volz für dessen jahrelange Gremiumsarbeit. Volz habe Respekt, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit gelebt. Er sei ein „Mannschaftsspieler der ganz besonderen Art“.

„Manche reden von Respekt und Ehrlichkeit, andere leben aber Hinterhältigkeit“, sagte Fischer, wohl eine Spitze gegen die Konkurrenz von UL und Grünen.

Von dieser Seite fühlte sich Fischer wegen Untreue-Vorwürfen zu Unrecht beschuldigt, gar verleumdet. Doch dann widmete sich Fischer wieder Volz’ Abschied: „Die Fraktion sagt herzlichen Dank für über 20 Jahre Engagement.“ Für Volz rückt Michael Kern in den Gemeinderat und in die Ausschüsse nach. Auch das genehmigte der Gemeinderat einstimmig.