In der Bäderstadt geht bei der evangelischen Kirchengemeinde eine Ära zu Ende. Der langjährige Pfarrer Gottfried Löffler wird verabschiedet.
Eine Ära geht in der evangelischen Kirchengemeinde Bad Wildbad zu Ende. Fast drei Jahrzehnte lang war Gottfried Löffler das Gesicht der Gemeinde, ein Seelsorger in Zeiten des Wandels und ein „Sämann“ des Glaubens, wie er sich selbst bezeichnet. Am Sonntag, 15. März, wird er offiziell verabschiedet – ein Rückzug, der durch eine schwere Krankheit früher als geplant erfolgt, aber laut Pressemitteilung des Kirchenbezirks Neuenbürg Raum für Dankbarkeit lässt.
Lebensaufgabe Nach dem Studium in Tübingen und Erlangen, dem Examen 1991, dem Ausbildungsvikariat in Herbrechtingen und dem anschließenden Pfarrvikariat in Crailsheim fand Pfarrer Löffler in Bad Wildbad seine Lebensaufgabe.
Beeindruckende Chronik
Nach 29 Dienstjahren blickt er nun auf eine beeindruckende Chronik der Wechsel zurück: Fünf Klinikpfarrer, vier Kollegen auf der zweiten Pfarrstelle, vier Kantoren, zwei Diakoninnen und drei Kirchenpfleger begleitete er während ihrer Dienstzeit. Die Kürzung des Klinikpfarramts und der Wegfall des Kurpfarramts veränderten das Gefüge massiv. Auch die Kirchengemeinde Aichelberg wurde an das geschäftsführende Pfarramt angedockt. Löffler meisterte all diese Aufgaben mit diplomatischer Ruhe, heißt es in der Mitteilung weiter.
Lange Liste Die Liste der Projekte, die unter seiner Regie entstanden, ist lang. Ob das Sommertauffest, die „Wildbader Kinderbibel“ von 2003 oder die „Wildbader Predigten“ zum 250. Jubiläum der Stadtkirche – Löffler suchte immer neue Wege der Verkündigung. Er war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Hospizdienstes im Jahr 2005 und etablierte ungewöhnliche Traditionen wie den Gottesdienst am Buß- und Bettag mit der Stadtkapelle statt der Orgel.
Familie trägt es mit Besonders am Herzen lag ihm das „Heilig-Abend-Fest“ im Ludwig-Hofacker-Haus für Einsame und Arme, das ab 2008 stattfand. „Vieles davon war nur möglich, weil meine Familie es mitgetragen hat“, betont er. Seine Frau Esther stieg erst wieder in den Beruf ein, als die Kinder flügge waren. „Von den Kindern kam nie der Vorwurf, ich hätte keine Zeit für sie, obwohl sie definitiv oft zu kurzgekommen sind“, sagt er nachdenklich.
Gesundheitliche Probleme Der abrupte Wendepunkt kam im Herbst 2023. Mit gerade einmal 59 Jahren traten massive gesundheitliche Probleme auf. Nach eineinhalb Jahren der Ungewissheit wurde die seltene Autoimmunerkrankung Sarkoidose diagnostiziert. Seit Dezember 2025 ist klar: Er ist nur noch teildienstfähig. Daher wird er auf eine bewegliche Pfarrstelle im Kirchenbezirk Freudenstadt ernannt werden, um dort Vertretungsdienste zu leisten.
Abschied aus dem Enztal fällt ihm schwer
Nun leben Esther und Gottfried Löffler in Nagold im elterlichen Haus seiner Frau. Der Abschied vom Enztal fällt ihm schwer: „Ich habe noch nicht ganz realisiert, dass ich nicht mehr hier bin. Aber nach zwei Jahren Krankheit gewinnt man auch eine gewisse Distanz.“ Für die Zukunft hofft er, dass die Gesundheit Radtouren und handwerkliche Arbeit im Garten zulässt.
Sein Abschied in der Stadtkirche am Sonntag, 15. März, mit Dekan Joachim Botzenhardt wird sicher kein leichter sein – aber einer, der von tiefer Dankbarkeit getragen wird. Im Anschluss an den Gottesdienst, der um 15 Uhr beginnt, besteht im Rahmen eines Ständerlings die Möglichkeit, sich von Pfarrer Löffler zu verabschieden.