Die Familie Strohhäcker in der Stadtkirche beim Abschiedsgottesdienst. Foto: Günther

Thomas Strohhäcker war 33 Jahre lang Stadtpfarrer in Freudenstadt. In einem Festgottesdienst wurden er und seine Frau Ulla in den Ruhestand verabschiedet.

Freudenstadt - Wegen der Pandemie wurden nur 200 Gottesdienstbesucher – unter festlichem Geläut aller Kirchenglocken – zum Abschiedsgottesdienst in die Stadtkirche eingelassen. Wer keinen Platz fand, konnte den Gottesdienst per Live-Stream mitverfolgen. Außerdem wurde auf einen Ständerling sowie auf Grußworte verzichtet.

Grußwort in Papierform

Dekan Werner Trick überreichte die Grußworte von Schuldekan Hans Jörg Dieter, Bürgermeisterin Stephanie Hentschel, Pastor Michael Mäule, Christian Ruoß, Ester Pröger und dem "G.halbelf"-Team in gedruckter und gebundener Form. Trick oblag es auch, den beruflichen Lebensweg Thomas Strohhäckers und die großen Leistungen des Stadtpfarrers sowie des Ehepaars in Erinnerung zu rufen und zu würdigen: Nach seinem Vikariat beim Evangelischen Jugendwerk kam Strohhäcker 1988 auf die Pfarrstelle West nach Freudenstadt (wir berichteten).

Wichtig sei Strohhäcker stets die persönliche Beziehung zu Gott, Beziehungen überhaupt, die Jugendarbeit und in besonderer Weise die Konfirmandenarbeit gewesen, die er gemeinsam mit Ehefrau Ulla verantwortete: "Ihr wolltet jungen Menschen etwas vom Glauben mitgeben auf ihrem Lebensweg", sagte Trick.

Einsatz im Waldheim

Aber auch für den Einsatz im Waldheim und im Schülercafé, das Engagement in Glaubenskursen, Gebetskreisen und beim ökumenischen Mittagsgebet, bei "G.halbelf", bei vielen (Kranken)Besuchen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, für die Mitwirkung in der Evangelischen Allianz und für viele weitere Aktivitäten sprach Trick seinen Dank aus und entpflichtete Pfarrer Strohhäcker von seinem Amt.

Jede Menge Musik

Trick dankte Stohhäcker für seinen "treuen und unermüdlichen Dienst als Pfarrer an der Stadtkirche". Zu Ulla Strohhäcker sagte Trick: "Du hast den Dienst von Thomas mitgetragen und unterstützt."

Auch mit Musik zeigte die Stadtkirchengemeinde große Wertschätzung für das scheidende Pfarrerehepaar: Der Posaunenchor des CVJM-Freudenstadt überzeugte, unterstützt durch Mitglieder des Bezirksbläserchors, unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Jörg Michael Sander mit "Highland Cathedral" und den "Pirates of the Carribean".

Zudem bewiesen die Bläser bei den Wochenliedern, dass sie auch ausgezeichnet singen können. Das Musikteam Christian Ruoss erfreute mit "Du bist meine Zuversicht" und "Herr, in Deinem Namen". Sander überbrachte mit dem "Nun danket alle Gott" von Sigfried Karg-Elert gleichsam den musikalischen Dank für Strohhäckers Amtszeit, und am Ende brillierte der junge Organist Kevin Dilper mit seiner Interpretation der Toccata in F-Dur von Charles-Marie Widor.

Festlich geschmückt hatte Mesnerin Galina Mass Kanzel und Altar mit den weißen Paramenten, die sonst den Kirchenfesten vorbehalten sind.

Klischee nicht entsprochen

Mit einer zugleich tiefsinnigen und heiteren Predigt über Jesaja 42, 1-9 "Knecht Gottes" stand Pfarrer Strohhäcker – dem Anlass entsprechend festlich mit einer Stola aus Israel gekleidet – letztmals auf der Kanzel der Stadtkirche. Bezogen auf das Ende seiner Amtszeit bedauerte Strohhäcker verschmitzt: "Wäre ich katholisch, könnte ich noch Papst werden!" So aber sei es nun Zeit, "Auf Wiedersehen" zu sagen.

Er und seine Frau hätten manches in Freudenstadt erlebt, so Strohhäcker. Er sei Pfarrer mit Haut und Haaren gewesen, auch wenn er und seine Frau nicht ganz dem Klischee entsprochen hätten. Sie hätten in Freudenstadt eine Heimat und Freunde fürs Leben gefunden.

Maurerkelle weitergegeben

Manchmal frage er sich, ob er hätte mehr bewegen können und müssen, sagte Strohhäcker. "Und dann denke ich: Nein, wir haben unser Bestes gegeben. Wie andere auch!"

Als Zeichen, dass er dies weitergeben möchte, überreichte er Roberto Zinser, dem Laienvorsitzenden des Kirchengemeinderats, eine Maurerkelle. Auch Zinser verdeutlichte in seiner Ansprache, welche Wertschätzung die Strohhäckers in Freudenstadt genossen: "In den vergangenen 33 Jahren waren wir mit einem genialen Pfarrer und Menschen gesegnet, aber auch mit seiner Frau Ulla. Ihr Beide habt unsere Gemeinde und die Gemeindearbeit so tief geprägt, dass diese immer gegenwärtig sein wird. Fest im Glauben verankert, immer ansprechbar, engagiert und immer mit einem offenen Herzen." Stellvertretend überbrachten die Kirchengemeinderäte Christine Braun, Johannes Ruoss und Uli Haizmann Glückwünsche und Segenswünsche.

Dass es dem Ehepaar Strohhäcker gelungen ist, die Herzen der Freudenstädter zu erreichen, zeigte sich an der langen Warteschlange derer, die sich nach dem Gottesdienst persönlich von ihren "Strohis" verabschiedeten.

Info:

Pfarrer Strohhäcker ist noch bis 31. Januar im Amt. Zudem versieht Pfarrer Hans-Peter Zackes mit einem 75-Prozent-Dienstauftrag vertretungsweise die Pfarrstelle West. Ab Mitte Februar wird Fritz Rücker die Vertretung in der Kirchengemeinde und im Dekanat übernehmen.