Pfarrer Chacko Nadakkevilayil verlässt den Heuberg in wenigen Tagen. Vermissen wird er besonders die Menschen, die er ins Herz geschlossen hat. Foto: Graf

Ein Jahr lang unterstützte Pfarrer Chacko Nadakkevilayil die Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Heuberg und in der Seelsorgeeinheit Heuberg. Nun kehrt er zurück in seine indische Heimat.

Meßstetten - Dass er nur ein Jahr bleiben wird, war von vornerein klar. Pfarrer Chacko – zu Deutsch Jakob – kam im Sommer 2021 auf den Heuberg, um in Deutschland sein Sabbatjahr zu verbringen. Eine Auszeit war es nicht wirklich, denn der 49-Jährige hatte vor allem nach dem Weggang von Pfarrer Joseph Kaniyodickal im März alle Hände voll zu tun. Im Juli kehrt er nach knapp einem Jahr – coronabedingt hatte er im vergangenen Sommer lange auf sein Visum warten müssen – zurück nach Indien.

Pfarrer Chacko wurde im Jahr 2001 zum Priester geweiht. Die deutsche Sprache lernte er in Innsbruck, wo er von 2006 bis 2010 studierte und schließlich promovierte. Anschließend er bis 2012 Pfarrvikar in der Seelsorgeeinheit Schemenmerhofen bei Biberach – und lernte das Schwabenland kennen und lieben. Daher habe er sich für seinen Deutschlandaufenthalt bewusst den Südwesten ausgesucht, um die Region und die Menschen noch besser kennenzulernen. Seit 2012 ist er Professor der Philosophie und Psychologie und unterrichtete seither an einer Hochschule in seiner Heimat, dem indischen Bundesstaat Kerala.

Ursprünglich als Unterstützung

Im Sommer vergangenen Jahres wurde Pfarrer Chacko von den beiden Seelsorgeeinheiten Heuberg und Am kleinen Heuberg freudig begrüßt – denn die Hilfe wurde beiderorts dringend gebraucht. Pater Augusty Kollamkunnel O. Praem, der Leiter der Seelsorgeeinheit Kleiner Heuberg, welche die Kirchengemeinden in Geislingen und Rosenfeld umfasst, ist kurz zuvor Dekan des katholischen Dekanats geworden. Zu 30 bis 50 Prozent Beschäftigungsumfang sollte Pfarrer Chacko auch in Meßstetten, Obernheim und Nusplingen tätig sein. Der 49-Jährige übernahm Gottesdienste, Taufen, Beerdigungen, Trauungen, Familienbesuche und griff den jeweiligen Leitern vor Ort somit unter die Arme.

Ab dem Winter war Pfarrer Chacko dann besonders gefordert: Pfarrer Joseph Kaniyodickal – bis zu diesem Zeitpunkt Leiter der Seelsorgeeinheit Heuberg – hat die Seelsorgeeinheit Heuberg verlassen, nachdem sein Bischof ihn im Heimaturlaub um Rückkehr nach Indien gebeten hatte. Pfarrer Chacko, der bisher lediglich unterstützend zur Seite gestanden hatte, war nun angehalten, alle Aufgaben in Nusplingen, Obernheim, Unterdigisheim und Meßstetten zu übernehmen und erhöhte dort seinen Beschäftigungsumfang auf 100 Prozent. Er zog aus dem Binsdorfer Pfarrhaus aus und zog nach Nusplingen. Dank der Unterstützung von Gemeindereferentin Anja Hermle und einigen Kirchengemeindemitgliedern sei alles geglückt.

Vorlesung in Indien morgens ab 5.30 Uhr

Seine Aufgaben hat er stets mit Freude erfüllt, betont der Geistliche. Bemerkenswert ist, dass der Seelsorger neben seinem Vollzeitjob in der Seelsorgeeinheit Heuberg seine Dozententätigkeit nicht ruhen ließ. Drei- bis viermal pro Woche hielt er morgens ab 5.30 Uhr eine Online-Vorlesung für seine Studenten in Indien. Das sei teilweise sehr stressig gewesen und es blieb wenig Zeit zum Schlafen, wie der Pfarrer erklärt. Dennoch übte er diese Lehrtätigkeit mit viel Leidenschaft aus. Auch seine Forschungen – unter anderem zum Thema "Rationalität und Glaube" – betrieb der Pfarrer parallel zu seinen Aufgaben in der Seelsorgeeinheit. So verfasste er im vergangenen Jahr zwei Artikel, die an seiner Heimatuniversität veröffentlicht wurden.

Wechsel an eine Hochschule in Nordindien

In wenigen Tagen Juni wird der Geistliche nach Indien zurückkehren, wo ihn wieder etwas Neues erwartet. Er wird nicht mehr an seiner vormaligen Stelle lehren, sondern an einer von Rom betreuten philosophisch-theologischen Hochschule in Nordindien, rund 1800 Kilometer von seiner ehemaligen Heimat entfernt. Dort erwarte ihn eine andere Kultur und damit auch eine andere, vorherrschende Religion als im christlich geprägten Bundesstaat Kerala, worauf er sehr gespannt sei. Seine Aufgabe wird es sein, mehr als 800 Priester und Laien für ihren Dienst in der Kirche auszubilden. Er freue sich auf die Arbeit mit den jungen Menschen und darauf, eine Zukunft für die Kirche schaffen zu können.

Die Menschen waren anfangs skeptisch

Besonders erfüllend sei es gewesen, mit jungen Menschen über den Glauben und das Leben zu sprechen. Er sei in den Gemeinden herzlich aufgenommen worden und habe das Gefühl, dass ihn die Gemeindemitglieder ins Herz geschlossen haben. Geliebt habe er auf dem Heuberg auch die Natur, in der er viel unterwegs war. Bei seinen Spaziergängen durch den Wald und durch die Ortschaften habe er oft die Menschen angesprochen. Anfangs sei man ihm als Fremder gegenüber noch skeptisch gewesen, doch als er dann als Pfarrer bekannt war, habe er viele gute Unterhaltungen geführt. Sein psychologisches Wissen habe ihm bei Begegnungen aller Art geholfen. Es sei dem Pfarrer stets ein Anliegen gewesen, Seelsorge nicht nur in der Kirche zu betreiben, sondern auch mit den Menschen auf der Straße in Kontakt zu treten. Dabei habe er gespürt, dass viele Menschen auf dem Heuberg christliche Werte in sich tragen – auch wenn sie nicht immer in die Kirche gehen.

Der Abschied fällt Pfarrer Chacko schwer

Die Abreise wird Pfarrer Chacko schwer fallen. Viele Menschen habe er ins Herz geschlossen und auch die Freundlichkeit der Heuberger werde er vermissen. Abschließend wird der Pfarrer noch in jeder Gemeinde der Seelsorgeeinheit Heuberg einen Abschiedsgottesdienst feiern und einige organisatorische Aufgaben erledigen.

Zudem wird er den Aushilfspfarrer John Kennedy Mensa, der für zwei Monate in der Seelsorgeeinheit tätig sein wird, einlernen. Ab Ende Juli wird dann voraussichtlich ein neuer Geistlicher, Pfarrer Safi Powath, in die Seelsorgeeinheit kommen. Nach Abschluss seiner zweiten Dienstprüfung soll dieser auch die Leitung übernehmen und damit Pfarrer Hans-Joachim Fogl ablösen.