Bei seiner Verabschiedung holte Altensteigs Bürgermeister auch seine Familie auf die Bühne. Aus dem Gespräch von Gerhard Feeß mit seiner Frau Jutta und den Töchtern Melanie und Lisa erfuhren die Zuhörer viel über den Alltag in einem Bürgermeisterhaushalt.
Die Familie komme stets zu kurz, urteilte Bürgermeister-Gattin Jutta Feeß. Mehr noch: Der Beruf nehme die Familie in Sippenhaft. Das fange bei der Terminplanung an und reiche bis hin zu Bedrohungen, wenn der Bürgermeister und sein Gemeinderat wieder einmal unpopuläre Beschlüsse gefasst hätten. Einmal sei sogar das Haus der Familie beschmiert worden.
Dass ihr Mann künftig mehr Zeit zu Hause verbringe, bereite ihr keine Sorgen: „Ich habe eine lange Liste, was er erledigen kann, und ein paar Hobbys hat er ja auch noch.“
Das Beste sei jedoch, dass die Fremdbestimmung der vergangenen Jahre wegfalle.
„Die Feste waren schon toll“
Die Töchter Lisa und Melanie gaben einen exemplarische Wochenablauf wieder, mit Pausenbrote schmieren, Kreistags-, Gemeinderats-, Ausschuss-, Zweckverbands- und Fraktionssitzungen, Tiefgaragenbränden, unvorhergesehenen Terminen und Festbesuchen. Wobei: „Die Feste waren schon toll“, konstatierte Melanie. Lediglich den Sonntag habe man oft frei halten können.
Sie wünschten ihm viel Zeit für Hobbys, Familie, Freunde und Reisen und schenkten ihm einen Gutschein für dreimal Familienzeit. Melanie trug zudem ein Lied vor, Lisa hatte eine Torte gebacken.
„Ihr seid das Beste, was ich im Leben habe“, sagte Gerhard Feeß sichtlich gerührt.
Frage nach der Zukunft bleibt unbeantwortet
Blieb noch die Frag nach der Zukunft des scheidenden Altensteiger Bürgermeisters. Die Gerüchteküche brodelt offenbar. „Ich habe gehört, wir machen eine Weltreise“, sagte Feeß zu seiner Frau. Dem erteilte Jutta Feeß aber genau so eine Absage wie einer Wohnmobilreise. „Manche glauben, ich übernehme die Leitung eines großen Zweckverbands“, berichtete Feeß weiter, ließ die Antwort aber offen.
Außerdem sei er darauf hingewiesen worden, dass die Nordseeinsel Wangerooge einen Bürgermeister suche und im Kreis Freudenstadt der Sessel des Landrats vakant sei. „Ich denke da halten wir es mit Franz Beckenbauer“, sagte Feeß, und seine Frau stimmte zu: „Schaun mer mal.“