Die Künstlerin Regina Hiekisch verlässt am 1. Februar schweren Herzens das ihr lieb gewonnene Unterkirnach, ihre Freunde und ihr Haus, das sie mit ihrem verstorbenen Mann Manfred vor 50 Jahren entworfen und gebaut hatte. Im Gespräch verrät sie ihre Pläne.
„Ich könnte weinen, ich liebe unser Haus, weil wir es unter schwierigen Umständen gebaut haben. Unser Enthusiasmus verleitete uns zu künstlerischer Gestaltung des Baukörpers unseres Hauses“, erklärt sie traurig.
Es tue ihr sehr weh zu gehen, aber die Vernunft diktiere den Wegzug, berichtet sie und hat schon wieder ihren Humor gefunden: „Die Karawane zieht weiter“, das sind vier Fahrzeuge, ihre beiden Söhne mit zwei Autos, zwei Umzugswagen und Regina Hiekisch.
Nach Neckarsulm
Sie ziehe nach Neckarsulm in eine Anlage mit „Betreutem Wohnen“, ihr Sohn Rochus und seine Partnerin wohnen nicht weit entfernt, so sei sie nicht alleine.
Wer Regina Hiekisch kennt weiß, dass sie auch in ihrer neuen Heimat nicht lange allein sein wird. Mit bald 91 Jahren ist sie immer noch voller Lebensfreude, Ideen und Schaffenskraft, was ihre Kunst betrifft. Aber das große Haus und der riesige Garten seien ihr jetzt doch zuviel, hat sie eingesehen. Ihre Söhne würden sich um ihr Haus kümmern, ist sie beruhigt.
Bewegtes Leben
Mit 90 Jahren hat Regina Hiekisch ein bewegtes Leben gelebt, von ihrer Zeit in der ehemaligen DDR, ihrem Wegzug nach West-Deutschland, wo sie als Oberstudienrätin für Bildende Kunst zuerst fünf Jahre an der Grundschule in Obereschach lehrte, danach von 1965 bis 1970 an der Karl-Brachat-Realschule in Villingen tätig war und anschließend 20 Jahre am Gymnasium am Romäusring Bildende Kunst unterrichtete.
1974 zog sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in das eigene Haus in Unterkirnach, wo sie zwei Amtsperioden für die CDU im Gemeinderat wirkte.
Nach Otto Günter übernahm sie den Vorsitz des CDU-Ortsvereins Unterkirnach für mehrere Jahre.
Sie hatte unzählige Ausstellungen ihrer Gemälde – im Rathaus Unterkirnach, in allen Banken in der Region und bei der IHK. Mehrfach stellte sie in den Donauhallen überregional aus. Doch alle Ausstellungen kann sie nicht aufzählen, es waren viele.
Sieben Wetterfahnen
Sie entwarf sieben Wetterfahnen für öffentliche Gebäude in Unterkirnach, ob Rathaus, Mühle oder Buswartehäuschen. Im Foyer der Schlossberghalle hängen zwei Bilder von ihr eines Schwarzwälder Paares, Großvater und Mädchen. Im Sitzungssaal des neuen Rathauses sind ihre Porträts von Helmut Glatz und Altbürgermeister Siegfried Baumann zu sehen.
Europäischer Wettbewerb
Dann muss sie lachen und unbedingt noch etwas loswerden: „Mit meinen Schülerinnen des Gymnasiums habe ich Skizzen und Bilder von einer Befragung von Bürgern zum Thema „Alte Gebäude abreißen oder sanieren?“ anfertigen lassen, ich habe sie in Villingen losgeschickt“, erinnert sie sich. Dann kommt der Clou: Ein Jahr später habe das Europäische Parlament einen Malwettbewerb gerade für dieses Thema ausgeschrieben. „Wir haben uns in der Schule kaputt gelacht, waren wir doch ein Jahr voraus gewesen. Also schickten wir unsere Bilder und Skizzen zum Europäischen Parlament und gewannen den ersten Preis europaweit“, lacht sie herzlich.
Viele werden Regina Hiekisch vermissen – am 31. Januar verabschiedet sie sich in ihrem Haus von liebgewonnenen Freunden.