Eine Ära geht nach 18 Jahren zu Ende: Pfarrer Anton Romer verlässt die katholische Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler. Der 72-Jährige will weiterhin als Ruhestandspfarrer in der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach wirken.
„Ich bin gerne in Waldachtal und Pfalzgrafenweiler Pfarrer gewesen, sonst wäre ich nicht 18 Jahre lang geblieben“, erklärt Romer. „Seelsorger zu sein und für die Menschen da zu sein, das war mir wichtig, weniger die Bausachen“, blickt der Geistliche auf eine segensreiche Zeit zurück.
Sein Credo: „Es war mir ein Anliegen, unseren christlichen Glauben den Menschen näher zu bringen.“ Denn: „Es geht mir um Jesus Christus, um die Liebe zu ihm und um nichts anderes.“
Am Dienstag, 18. Juni 2024, kommt der Möbelwagen und er wird in seine oberländische Heimat umziehen. Nur 30 Minuten von seiner Heimatgemeinde Schemmerhofen-Altheim, Kreis Biberach, entfernt wird er nach der Sommerpause als Ruhestandsgeistlicher in der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach mit der Stadt und neun Dörfern weiterhin Gottesdienste halten und Kasualien übernehmen. Wohnen wird er dann im Pfarrhaus in der 400 Einwohner-Gemeinde Dietmanns. „Dort möchte ich weiterhin als Priester wirken, solange es meine Gesundheit zulässt und so lange es gewünscht wird.“
Mit 72 Jahren nicht mehr die Kraft für eine 72-Stunden-Woche
Romer sagt zu seinem Abschied: „Ich habe mit 72 Jahren nicht mehr die Kraft für eine 70 Stunden-Woche.“ Er fühle sich wie Kult-Fußballtrainer Jürgen Klopp: „Ich habe keine Energie mehr.“ Glaubwürdig und immens fleißig erfüllte er seinen Dienstauftrag. Am Herzen lagen ihm die Begegnungen, Seelsorge, Gottesdienste und Ökumene als auch die Begleitung von Trauernden, Geburtstagsbesuche, Hochzeiten und Taufen. Ein offenes Ohr hatte er für die Kinder- und Jugendarbeit, für Ministranten, den Herz-Jesu-Kindergarten Lützenhardt und für Senioren und Kranke. Glaubensvermittlung im Religionsunterricht zählte auch zu seinen Tätigkeiten.
Vom Industriemeister zum Priester: Mit 44 Jahren entschloss sich Anton Romer, sein Leben umzukrempeln. „Der Herrgott hatte eben anderes mit mir vor.“ Als Spätberufener wurde er im Alter von 50 Jahren zum Priester geweiht. Nach Vikars-Jahren in Wangen/Allgäu, Albstadt-Tailfingen und Horb am Neckar wurde ihm vom Bischof im September 2006 die Leitung der katholischen Seelsorgeeinheit Waldachtal/Pfalzgrafenweiler mit 3784 Gemeindemitgliedern übertragen. Seither feierte er Gottesdienste in den katholischen Kirchen von Lützenhardt, Pfalzgrafenweiler, Salzstetten und als Wallfahrtsseelsorger in Heiligenbronn. Er bemühte sich um ein lebendiges Gemeindeleben. Heute noch bedauert er die spürbar nachlassenden Gottesdienstbesuche und Kirchenaustritte, die ihn schmerzen.
Romer wird seine Aufgabe als Administrator der verwaisten Nachbar-Seelsorgeeinheit Steinachtal mit den Gemeinden Altheim, Bittelbronn, Grünmettstetten und Talheim von Dietmanns aus bis 15. September 2024 weiterführen.
Romer hofft, dass die Fronleichnamsprozessionen weitergeführt werden
Pfarrer Romer sprach zum Abschied einen Wunsch aus: „In wünsche allen Menschen meiner Gemeinden, dass sie Jesus Christus nicht los lassen, dass sie an ihm festhalten.“ Und: „Ich hoffe, dass die Fronleichnamsprozessionen weitergeführt werden zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.“ Er räumt ein: „Themen wie Missbrauch belasten mich persönlich. Ich habe das nicht für möglich gehalten.“ Dennoch zeigt sich der 72-jährige „Diener Gottes“ zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, die Kirche Gottes geht nicht unter!“
So geht es weiter
Ehrenvoll verabschiedet
wurde Pfarrer Romer von den Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit und Vertretern des öffentlichen Lebens als auch von vielen Gemeindemitgliedern in Pfalzgrafenweiler, Lützenhardt und Salzstetten.
Bis zur Neubesetzung
ist Pfarrer Bernhard Tschullik von der Seelsorgeeinheit Eutingen im Gäu auch für Waldachtal/Pfalzgrafenweiler zuständig. Dem Vernehmen nach gibt es hierfür schon mehrere Interessenten.
Die Dienststelle
von Diakon Toni Babic wird ab dem Schuljahr 2024/25 auf 100 Prozent aufgestockt. Der emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler aus Grünmettstetten wird neben Babic auch wie weitere Zelebranten Dienste in Waldachtal/Pfalzgrafenweiler übernehmen. Mitglieder des Rottenburger Domkapitels halten Wallfahrtsgottesdienste in Heiligenbronn.