Nach Tagen voll guter Laune hatten die St. Georgener Narren am Dienstagabend dann gar nichts mehr zu lachen. Ihnen war es eher zum Heulen zumute.
Schlurfende, fast widerwillige Schritte, heulende Fohrebobbele, die dumpfen Töne des Trauermarschs und riesige weiße Taschentücher, in die so manche Krokodilsträne geweint wird – ja, der Weg auf den Schulhof der Robert-Gerwig-Schule fiel dem einen oder anderen Fasnetsbegeisterten am Dienstagabend alles andere als leicht.
Immerhin galt es, einen Schlussstrich unter die diesjährigen hohen Tage der Fasnet zu ziehen. Nach einem ruhigen Rosenmontag, an dem die St. Georgener Narren außerhalb der Bergstadt aktiv waren, kamen die Vertreter der Bergstadt am Dienstag noch einmal zusammen, um unter großem Wehklagen der versammelten Hästräger die Fasnet 2026 noch einmal auflodern zu sehen.
Gerade erst – so fühlte es sich an – hatte Alexandra Pies, Zunftmeisterin der Narrenzunft St. Georgen, am Schmotzigen Donnerstag den Rathausschlüssel von Bürgermeister Michael Rieger erbeutet. Nach nur wenigen Tagen an der Macht hieß es für die Narren der Bergstadt nun schon wieder: Abschied nehmen.
„Die Stimme ist heiser, der Geldbeutel leer“ – so fasste Pies die Lage scherzhaft in Reimen zusammen. Auch wenn mancher gerne noch weiter gemacht hätte – „Aschermittwoch fordert seinen Preis.“
Und dann stand auch schon Karola Erchinger in Vertretung von Bürgermeister Rieger bereit, um sich den Rathausschlüssel wieder zu schnappen. „Ihr habt das Rathaus fest in der Hand gehabt, habt regiert und hoffentlich noch ein paar Cent im Stadtsettel zurückgelassen“, meinte Erchinger in Richtung der Narren. Doch nun sei die fünfte Jahreszeit wieder vorüber, die Macht gehe zurück an die Obrigkeit.
Puppe brennt lichterloh
„Wir danken allen, die mit uns gefeiert, gelacht, getanzt und genossen haben.“ Damit nahm Erchinger den Schlüssel an sich. Für fast ein Jahr wird der nun wieder im Rathaus verwahrt – bis die Narren am kommenden Schmotzigen einmal mehr versuchen werden, ihn zu erbeuten. Zunächst aber ist ihr Regiment vorüber. Am kommenden Samstag werden noch die Spättle abgehängt – dann sind auch die letzten Spuren der diesjährigen Fasnet aus der Bergstadt verschwunden.
Am Dienstag stand jedoch zunächst der traurige Höhepunkt an: Kurze Startschwierigkeiten gab’s, doch dann brannte die Puppe, welche die Narren zuvor aufgebahrt auf den Schulhof getragen hatten, lichterloh. Die versammelten Hästräger heulten herzzerreißend.
Für die Narren beginnt nun die Zeit des Wartens. Denn nach der Fasnet ist ja bekanntlich vor der Fasnet. Und bei allem Wehklagen gibt es auch eine gute Nachricht. Denn allzu lange müssen sich die Fasnetsbegeisterten der Bergstadt gar nicht gedulden, bis sie wieder ausgelassen feiern dürfen.
Noch 351 Tage bis zur nächsten Fasnet
Nachdem die Kampagne 2026 recht bald im Jahr lag – und damit auch ziemlich kurz war –, ist die Fasnet 2027 sogar noch ein bisschen früher. Der Schmotzige Donnerstag fällt dann auf Donnerstag, 4. Februar. Nur 351 Tage nach dem diesjährigen Aschermittwoch beginnen also schon wieder die hohen Tage der Fasnet. In diesem Sinne: „’s goht degege!“