Der Musikverein Sulgen spielt zu Masers Berufs-Abschied „In Harmonie vereint“. Foto: Herzog

Zwei Dutzend Vereine aus der Talstadt und dem Sulgen bereiteten Inge und Wolfgang Maser zu ihrer Geschäftsaufgabe einen gebührenden Abschied, der nicht frei von Emotionen war.

Samstag, 15.30 Uhr: An der Einmündung der Heiligenbronner Straße ins Gewann „Brambach“ heulten die Sirenen zweier Sulgener Feuerwehrfahrzeuge. Dabei handelte es sich nicht um einen alarmierten Einsatz, sondern um die akustische Begrüßung des von seiner letzten Auslieferungstour zurückkehrenden Wolfgang „Wolfi“ Maser ins Außenlager im Brambach.

In der Zufahrtsstraße ins Gewerbegebiet warteten circa 350 treue Weggefährten, Freunde und Vereinsvertreter des beliebten Sulgener Urgesteins und Getränkehandel-Unternehmers, um ihn auf den sprichwörtlich letzten Metern ein besonderes Geleit zu geben. Vorne weg die Da-Bach-na-Fahrer, die Maser aufforderten, aus seinem Lieferwagen aus- und in den bereitstehenden Zuber einzusteigen und sich bis zum Getränkelager chauffieren zu lassen. Da blieb selbst ein sonst nie um einen flotten Spruch verlegenen Maser sprachlos.

Gelungene Überraschung

Trotz Zeiten von digitalen Kommunikationsmöglichkeiten war der von einem Orga-Team um Frank Gebele, Raimund Haas und Sebastian Kimmich sowie zahlreichen Vereinsvertretern in den vergangenen Wochen vorbereitete Abschied bis zum Schluss geheim geblieben und auch Masers Frau Inge, die involviert war, ließ sich nichts anmerken. Die gelungene Überraschung stand Wolfi Maser ins Gesicht geschrieben und als der Musikverein Sulgen den Marsch „In Harmonie vereint“ anstimmte, kullerten ihm ein paar Tränen die Wangen hinunter.

Auf der Triumphfahrt im Zuber, die närrische Vorfreude weckte, winkte und prostete ihm das spalierstehende Publikum mit allerlei Vereinsutensilien zu und es schallten Narrenrufe hin und her. Angekommen am Lagergebäude mussten Wolfi und Inge Maser viele Hände schütteln. Über eine solche große Wertschätzung hätte sich bestimmt mancher Bürgermeister bei seiner Amtsverabschiedung auch gefreut.

Wolfi und Inge Maser bei der Verabschiedung Foto: Herzog

Passend zu Masers Rückblick auf den langjährigen und arbeitsintensiven Geschäftsbetrieb klang aus den Lautsprechern im mit Festgarnituren ausgestatteten Getränkelager „was für eine geile Zeit“ (Ben Zucker) und „ich würd’s wieder tun“ (Andrea Berg).

Gereimte Laudatio

Mit ihrer gereimten Laudatio sorgten Martin „Kuma“ Kuhner und Frank „Gub“ Gebele für Schnurratmosphäre, die immer wieder von Sprechchören wie „Es gibt nur einen Wolfi Maser“ und „Inge, Inge“ unterbrochen wurde. Zunächst beklagte sich das Duo, dass die Bierlieferkette im Großraum Sulgen jetzt durchbrochen sei und Maser die Biertrinker im Stich lasse. Auch der „Knaller“ von Klein Paris fände es fies, dass sein Lieferant einfach aufhöre. „Jetzt gammelsch nur no rum und machsch nix G’scheits, wirsch fetter und fetter und kriagschs ins Kreiz. Des isch doch zum Haare raufa, und ganz Schramberg hot nix mehr zum Saufa.“

Viele Anekdoten

Als Alternative boten Kuma und Gub an, für zwei bis drei Tage die Woche einzuspringen und deren Bier-Angebot vom Kleiner Zwerg über Radler und Zäpfle bis hin zum Maß ließ keine Wünsche offen. Sie würden auch kein Pfand verlangen, da Wolfi als Rentner Zeit genug habe, das Leergut abzuholen. Gebele erinnerte an Wolfis einst großen Wurf, „beim Salon Gabi in da Kurv. Des war wirklich a Malheur, 50 Kästa Bier laget vorm Friseur“. Im nächsten Sommer soll Maser, so wurde dem Duo zugetragen, im neuesten Band „Asterix und die Heiligen Bronner“ als Comicheld erscheinen.

Sie beide zögen vor Maser den Hut. Wenn jemand gemotzt habe, habe ihn das wenig gejuckt. Bei ihm sei der Kunde immer König gewesen. Einen Garanten für das erfolgreiche Geschäft habe Wolfi in seiner Frau gehabt. „Ohne die Inge an deiner Seite, wär dein Saftlada längst pleite“, frotzelte das Duo und forderte, dass sich Wolfi beim künftigen Geschenklädele von Inge zurückhalten möge. Im Namen aller beteiligten Vereine bedankten sich Kuhner und Gebele bei den Masers für das stets Gute miteinander und überreichten ein Plakat mit den Logos aller beteiligter Vereine.

Viermal den Eiffelturm bewegt

In Vertretung der Maser-Belegschaft hatte Uwe Bundt ausgerechnet, dass Wolfgang Maser pro Tag etwa drei Tonnen auf sein Lieferfahrzeug auf- und ablädt. Hochgerechnet auf sein Arbeitsleben als Getränkelieferant habe er praktisch viermal den Eiffelturm (wiegt rund 10 000 Tonnen) auf seinen Transporter auf- und abgeladen. Laut Bundt begann ein Arbeitstag bei Maser frühmorgens um 6.30 Uhr und fand spät abends den Abschluss im Klein Paris. „Jetzt kann ich versteh’n, der Wolfi ist ein Phänomen“, zielte Bundt auf die Beurteilung von Masers Hausarzt ab. Heinz Henne schenkte dem Unternehmerpaar eine Urkunde mit gesammelten Etiketten aus frühester Geschäftszeit und erinnerte an den Werbeslogan „Ob Kartoffel oder Nudel, schlucks nab mit Maser Sprudel“. Im Laufe des Abends wurden in geselliger Runde noch einige Anekdoten erzählt.