Nach 47 Berufsjahren im öffentlichen Dienst und davon rund 38 Jahren bei der Stadt Schramberg wird Fachbereichsleiter Uwe Weisser zum 31. Januar 2025 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand gehen.
Da Uwe Weisser noch Urlaub und durch Überstunden freie Tage hat, ist der Donnerstag sein letzter Arbeitstag im Rathaus Schramberg als Leiter des „Fachbereichs 1 – Zentrale Verwaltung und Finanzen“.
Mit seinen Abteilungen Finanzen, Personal, Organisation und IT sowie dem Bürgerservice ist dieser Fachbereich so etwas wie das „operative Rückgrat“ der Stadtverwaltung, das mit allen anderen Fachbereichen in Verbindung steht. Am Ratstisch neben der Oberbürgermeisterin sitzend, war er denn auch oft so etwas wie ein ruhender Pol, der auch in stürmischen Sitzungen immer die richtige Antwort parat hatte.
Start am 1. März 1987
Uwe Weisser, in Schramberg geboren und zur Schule gegangen, hatte 1982 die Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt für den öffentlichen Dienst abgeschlossen. Nach zwei beruflichen Stationen in der Sozialverwaltung des Landes begann er am 1. März 1987 seine Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Schramberg zunächst im Kultur-, Schul- und Sportamt. „Von meinem damaligen Chef Georg Roming habe ich viel lernen können“, erzählte Weisser beim Gespräch mit unserer Redaktion.
Danach wechselte er zur Liegenschaftsverwaltung, der „Verwaltung des bebauten und unbebauten kommunalen Grundbesitzes“, die damals noch bei der Kämmerei angesiedelt war. „Das war die Zeit, als auch für die Kommunen die Wirtschaftsförderung als eine ihrer Aufgaben aufkam“, berichtete Weisser. Der damalige Oberbürgermeister Herbert O. Zinell habe das Thema weitsichtig vorangetrieben.
H.A.U. wird Gewerbepark
In der Folge wurde Weisser am 1. Juni 1991 als Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Schramberg der erste mit einer solchen Funktion in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg: „Oberbürgermeister Zinell hatte das in die Wege geleitet“, betont Weisser.
Die Aufgaben wuchsen schnell und brauchten eine Struktur: So wurde von der Stadt der Eigenbetrieb Wirtschaftsförderung gegründet, geleitet von Weisser. „Die H.A.U., die eine Brache war, als Technologie- und Gewerbepark nutzbar zu machen und Nutzer finden, war ein super Projekt“, erinnerte er sich an eine Aufgabe aus den Jahren 1993 und 1994, die auch „viel Spaß gemacht hat“. Ein weiteres großes Projekt war das interkommunale Industriegebiet in Waldmössingen. „Keine einfache Sache, weil das Gelände auf zwei Gemarkungen lag, nämlich von Schramberg und Dunningen“.
Berufsbegleitend hatte Weisser von 1997 bis 2000 an der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie in Villingen-Schwenningen Betriebswirtschaft studiert und abgeschlossen. Die dort erworbenen Kenntnisse konnte er ab 2001 als Geschäftsführer der Schramberger Wohnungsbau GmbH und als Leiter der Wirtschaftsförderung einbringen. Am 1. Juni 2013 schließlich wurde er auf Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Thomas Herzog Leiter des Fachbereichs 1. Für diese Aufgabe war es für die Stadt von Vorteil, dass er als Verwaltungschef auch die Bedeutung und Belange der Unternehmen der Region im Blick hatte.
Digitalisierte Verwaltung
Auf die Frage, was sich in den 47 Jahren seiner Arbeit verändert hat, nannte Weisser vor allem die Digitalisierung der Verwaltungsarbeit. „Schon seit 2006 gibt es in Schramberg in Teilbereichen die elektronische Akte, vorangetrieben von Zinell. Das nächste Ziel ist, vollständig ohne Papier zu arbeiten“, erklärte Weisser – das auch als Voraussetzung für flexible Arbeitsplätze zum Beispiel im Home-Office, flankiert durch Datensicherheit und -schutz. „Wir haben mit der IT der Stadtverwaltung ein super Team, das Schritt hält mit den Entwicklungen“, versicherte Weisser. Und auf die Frage, was er nicht so gut finde, antwortete er: „Die Bürokratie wurde immer mehr ausgeweitet statt abgebaut“.
Im Ruhestand freut Uwe Weisser sich darauf, mehr Zeit für seine Familie zu haben, auch zum Verreisen mit seiner Frau Irmgard und zum Lesen. Da interessiert ihn zum Beispiel die Entwicklung im Bereich der KI. Außerdem wartet noch der Garten auf ihn.