Im Sommer geht Michael Kasper, der Leiter der Peter-Meyer-Schule, in den Ruhestand.
Die kindliche Entwicklung fasziniert Michael Kasper seit seiner ersten Stelle als Lehrer an der Ivo-Frueth-Schule in Oberndorf. Das war 1991. In der Zwischenzeit hat es in der Schullandschaft sowie in seiner persönlichen Laufbahn viele Veränderungen gegeben: Die Inklusion wurde eingeführt, zahlreiche Bildungspläne kamen und gingen, und der Fokus verlagerte sich immer stärker auf die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler.
Michael Kasper wechselte später nach Schramberg und leitet seit 2006 die Peter-Meyer-Schule (PMS). Im Sommer geht er in den Ruhestand. Bei all seinem Wirken orientierte er sich an einem zentralen Leitsatz: „Das Kind ist Akteur der eigenen Entwicklung.“
Fachlich und persönlich
Als sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Lernen (SBBZ) entwickelte sich die Einrichtung unter Kaspers Leitung zu einem Ort, an dem individuelle Entwicklungs- und Förderplanung im Mittelpunkt steht. Derzeit sind 19 Lehrkräfte an der PMS tätig. „Ich hatte das Glück, stets ein engagiertes Kollegium an meiner Seite zu haben“, sagt er rückblickend.
Differenzierter Unterricht, passgenaue Lernangebote und die konsequente Orientierung an den Fähigkeiten der rund 100 Schülerinnen und Schüler prägen den Alltag. Ziel ist es, Lernprozesse so zu gestalten, dass sie den einzelnen Kindern gerecht werden – fachlich wie persönlich.
Brücken bauen
Dabei versteht Michael Kasper Schule nie als abgeschlossenen Raum. Vielmehr setzt er auf Offenheit und Vernetzung. Kooperationen mit dem Jugendamt, der Agentur für Arbeit, therapeutischen Einrichtungen sowie kulturellen Partnern wie Musik- und Kunstschulen wurden kontinuierlich ausgebaut. „Teilhabe und Integration ermöglichen“ ist dabei ein Leitgedanke, der sich durch alle Bereiche zieht.
Auch dem geplanten Schulcampus steht Kasper positiv gegenüber. „Aus sonderpädagogischer Sicht ergibt sich dadurch ein Mehrwert“, sagt der Vater von vier Kindern. Wichtig sei dabei, dass die jeweilige Schulart erhalten bleibt und ihren spezifischen Bildungsauftrag eigenständig umsetzen kann.
Besonders am Herzen liegt ihm die Frage, wie es für die Schülerinnen und Schüler nach ihrer Zeit an der PMS weitergeht. Mit dem Ausbau des Übergangsmanagements und der engen Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen in Sulgen wurden konkrete Perspektiven geschaffen. Es gehe darum, Brücken zu bauen – zwischen Ausbildung, Arbeit und einem selbstbestimmten Leben.
Tragende Säule
Die tägliche Begegnung mit den Kindern und Jugendlichen, ihre Entwicklungsschritte und Fortschritte – all das war für ihn Motivation und Antrieb zugleich. Die „Freude an der Arbeit mit Kindern“ begleitete ihn durch seine gesamte Laufbahn. Das Leitbild der Peter-Meyer-Schule beschreibt auch sein persönliches Handeln: persönlich – miteinander – stark. Gerade das engagierte Kollegium sei dabei stets eine tragende Säule gewesen.
Als große Herausforderung nennt Kasper Veränderungen in der Schülerschaft. „Durch den unreflektierten Einsatz von Technik gehen Basisqualifikationen verloren.“ Auch die motorischen Fähigkeiten litten unter dem zunehmenden Gebrauch von Handy, Computer und Co., so seine Erfahrung. „Deshalb haben wir zusätzlich zum Sportunterricht regelmäßige Bewegungsrunden eingeführt“, erläutert er. Insgesamt sei die Schule offen für Neues. Ein Beispiel dafür ist „Harry“: Der Golden Retriever ist seit drei Jahren Schulhund. „Ich war anfangs etwas skeptisch, aber es hat sich sehr positiv entwickelt. Die Schüler kommen durch Harry zur Ruhe.“
Rückblick
Auch die Verankerung der Schule in der Region ist ihm wichtig. Das SBBZ ist heute ein fester Bestandteil der Schramberger Bildungslandschaft. Der Austausch mit anderen Schulen, die Offenheit von Betrieben für Praktika und die Unterstützung zahlreicher Partner haben dazu beigetragen, dass die Schule weit über ihre Grenzen hinaus anerkannt ist. Auch der engagierte Förderverein leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Im Rückblick überwiegt bei Kasper die Dankbarkeit: für die Zusammenarbeit, für das Vertrauen und für die vielen Begegnungen, die seinen Berufsweg geprägt haben. Dabei wird deutlich: Schule ist für ihn immer auch ein Ort des gemeinsamen Wachsens.
Und was wünscht er der PMS für die Zukunft? „Ich wünsche ihr ein stabiles Kollegium, weiterhin eine gute Vernetzung innerhalb der Schullandschaft und Akzeptanz in der Gesellschaft – und dass der Schulcampus irgendwann Wirklichkeit wird.“