Der Wochenmarkt in Horb war viele Jahre von Eckhard Künstle mit seinem Obst- und Gemüsestand geprägt. Sein Abschied aus Horb ist ein bisschen wie der eines Popstars.
„Wie viele Jahre ich nun schon nach Horb kam, das kann ich gar nicht mehr genau sagen“, sagt der heute 55-jährige Händler aus der kleinen Gemeinde Schwanau. Schwanau liegt im Ortenaukreis, nahe der französischen Grenze und dem Europapark. Von dort aus startete er viermal die Woche seine Tour auf die Märkte in Rottweil (mittwochs), Sulz (donnerstags), Horb (freitags) und Schramberg (samstags).
Horb lag ihm jedoch immer besonders am Herzen. Schon als sechsjähriger Bub kam er zum Wochenmarkt, der damals noch auf dem oberen Marktplatz war, mit seinem Vater in das Städtle mit seiner beeindruckenden Stadtsilhouette.
„Der Markt war immer mein Leben“, so der Händler, der vor einigen Wochen recht spontan die Reißleine zog, seinen Betrieb aufgab und sich ins Privatleben verabschiedete. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, so seine Bilanz. Auf der einen Seite fehlen ihm die guten Gespräche, die er mit seinen Kunden immer gehabt habe, die persönliche Zuneigung und das jahrelange Verhältnis. Auch die ausgezeichneten Beziehungen zum Horber Stadtmarketing werden ihm fehlen, die in keiner anderen Stadt so gut gewesen sei wie in Horb, wie er im persönlichen Gespräch mit Bürgermeister Ralph Zimmermann und Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter betonte.
Frühes Aufstehen ist die Schattenseite
Doch die Schattenseite seines Berufs sei das frühe Aufstehen, die ständige Angst, irgendwohin zu spät zu kommen; eine Angst, die teilweise sogar dazu führte, dass er in seinem LKW übernachtete, um ja nicht zu spät auf einen seiner Märkte zu kommen. „Unser gesamtes Privatleben hat unter dieser Dauerbelastung gelitten“, macht Künstle deutlich. „Deshalb habe ich mich zu diesem radikalen Schritt entscheiden. Ich habe zwar Angebote, für andere Frucht-Agenturen zu arbeiten, doch dann wäre ich ja wieder in diesem Hamsterrad gefangen.“
Für ihn ist der Schritt aufzuhören, wenn man es noch selbst bestimmen kann, genau richtig und Claudia Beuter staunte, wie erholt der Mann, bei dem auch sie jahrelang ihr Obst und ihr Gemüse gekauft hat, schon nach den wenigen Wochen Auszeit vom täglichen Stress, aussieht.
Zusammen mit Bürgermeister Ralph Zimmermann verabschiedete sie am Freitag Eckhard Künstle vom Horber Wochenmarkt.
Zimmermann hatte einen kleinen Geschenkkorb zum Abschied einpacken lassen, doch er war beileibe nicht der Einzige, der sich vom Marktbeschicker Künstle persönlich und mit einem kleinen Geschenk verabschieden wollte. „Der steht nun schon seit zwei Stunden dort drüben, schüttelt Hände, trägt Flaschen in die Markthalle und schwätzt mit seinen Fans“, sagte der Mann vom Gewürzstand zu einer Frau, die ihn fragte, was da los sei.
Viele Stammkunden wollen sich verabschieden
Künstle war bei seinem Abschiedsbesuch auf dem Horber Wochenmarkt ständig, wie ein Popstar, von seinen Ex-Kunden umringt, die teilweise sogar Schlange standen, um ein paar persönliche Abschiedsworte mit ihm zu wechseln und ihm alles Gute zu wünschen. Nur die ganz wichtigen Personen, oder die, die sich dafür halten, die drängelten sich vor. Sie ignorierten, dass er gerade mit dem Bürgermeister sprach, der ihn die gute Seele des Horber Marktes nannte und dem Künstler eine Geschichte aus seinem neuen Leben erzählte.
„Weil ich es gewohnt bin, mitten in der Nacht aufzustehen, ist meine innere Uhr noch immer darauf programmiert. An einem Samstag vor ein paar Wochen saß ich deshalb morgens um sechs Uhr draußen auf meiner Terrasse und trank eine Tasse Kaffee. Für meinen Nachbarn war dieser Vorgang so ungewohnt, dass er glaubte, da wären Einbrecher und die Polizei rief. Die kamen dann auch durch meinen Garten gestapft und ich musste die Situation erst mal aufklären“, sagte der Neupensionäre schmunzelnd. Man wird ihn in Horb vermissen, doch auch er wird oft an Horb denken, die Bilanz eines langen Händlerlebens auf den Märkten der Region.
Sein Nachfolger, Marcel Kimmich aus Fluorn-Winzeln, wird am kommenden Freitag das erste Mal seinen Obst- und Gemüsestand in Horb aufbauen.