Das Engagement von Leiterin Maren Siegmann fürs Museum in der Alten Schule in Efringen-Kirchen ist beendet. Wie es weitergeht, ist unklar.
Maren Siegmann hat ihren Job als Museumsleiterin mit Leidenschaft gemacht. Dies war in der November-Sitzung des Gemeinderats Efringen-Kirchen spürbar, als sie ihre Version des Sammlungskonzepts vorstellte, bei der das Archiv über das historische Wirken von Personen erhalten bliebe. Verwaltung und Gemeinderat sahen in diesem potenziellen Alleinstellungsmerkmal für das Museum in der Alten Schule aber einen Streichposten.
Die Zukunft des Museums ist ungewiss
Die Entscheidung darüber vertagten die Räte ohnehin. Zunächst müsse mit den involvierten Akteuren diskutiert werden, ob und wie der Museumsbetrieb wieder aufgenommen werden könnte, nachdem der Gemeinderat im Februar 2024 die Schließung aus Brandschutzgründen beschlossen hatte. Doch auch die Zukunft des Förderkreises Museum ist ungewiss: der Vorsitz ist nach dem Niederlegen des Amts von Helga Meier im März vakant geblieben.
Jahrzehntelang hat Meier mit Museumsleiterin Siegmann zusammengearbeitet, die das Museum in der Alten Schule in Efringen-Kirchen von 2007 bis 2025 geführt und es zu einem prägenden Ort für Regionalgeschichte entwickelt hat. Sie sei eine hervorragende Wissenschaftlerin, erklärt Meier gegenüber unserer Zeitung: „Ich ziehe den Hut vor dem, was sie über die Geschichte der Ortschaften recherchiert hat – unglaublich.“
Neues entdeckt und Geschichte ergänzt
Neben der Museumsarbeit hat sie auch das Gemeindearchiv betreut und ihre Themen in den Landesarchiven intensiv recherchiert. Meier beschreibt, dass sich Siegmann für die Festschrift zum 1200-Jahr-Jubiläum des Ortsteils Kirchen „stark eingebracht hat“. Zur Historie der dort einst großen jüdischen Gemeinschaft konnte sie Neues entdecken und so die Ortsgeschichte ergänzen.
Mit hohem persönlichen Einsatz hat sie das Museum in der Alten Schule durch spannende Themenausstellungen im Kulturangebot der Region präsent gehalten, schildert Jan Merk, Leiter des Dreiländermuseums Lörrach, und seinerzeit des Markgräfler Museums Müllheim, im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Damit hat sie gemeinsam mit dem Museumsverein gezeigt, wie auch kleinere Museen Wirkung entfalten können.“ Ihre Arbeit zeichne sich aus Sicht des baden-württembergischen Museumsverbands – Merk war bis 2023 dessen Präsident – durch die Bereitschaft zu Kooperationen, durch vielfältige, kreative Veranstaltungsformate und nicht zuletzt durch fundierte Archivforschungen aus.
Unter ihrer Leitung entstanden zahlreiche Ausstellungen, Begleitprogramme und Vermittlungsangebote. Sie baute Netzwerke aus, förderte kulturelle Projekte, setzte sich für Digitalisierung und Kooperationen ein und begleitete das Museum durch herausfordernde museumspolitische Zeiten – bis zum Abschluss ihrer Tätigkeit dieser Tage.
„Durch ihr Engagement war das Museum im regionalen Arbeitskreis der Museen und Archive aktiv, ebenso in den regelmäßigen Ausstellungsreihen des trinationalen Netzwerks Museen am Oberrhein gemeinsam mit dem Museumspass“, erklärt Merk.
„Findig und erfolgreich“ neue Formate erprobt
Findig und erfolgreich sei sie laut Merk auch bei der Erprobung neuer Formate gewesen: von ungewöhnlichen Vortragsthemen über Mitmachangebote zur Archäologie und regionalen Exkursionen bis hin zu digitalen Plattformen – zuletzt im landesweiten Projekt „Stadt.Land.Kultur“. Siegmann initiierte und organisierte regelmäßig Sonder- und Mini-Ausstellungen – oft mit regionalhistorischen Themen oder zeitgeschichtlichem Bezug. Beispiele aus den Jahren 2023 bis 2025 sind Ausstellungen zu historischen Orten und Flurnamen, wie etwa zur „Judengasse“ bei Mappach, die der Webseite des Förderkreises Museum zufolge noch bis Anfang März 2026 im Foyer des Rathauses Efringen-Kirchen zu sehen ist.
Es ist die inzwischen vierte Mini-Ausstellung begleitend zum Projekt „Stadt. Land. Kultur“. Dieses umfasst eine Online-Plattform unter www.museum.de das der teilnehmenden Stadt oder Gemeinde als Freilichtmuseum dienen kann.
Historisches an ein breites Publikum vermitteln
Eine weitere Mini-Ausstellung war dem Schlössli in Blansingen und der Erforschung eines historischen Gebäudes und seiner Nutzung gewidmet. Dabei ging es um arme Pfarrerswitwen, die fromme Markgräfin Wilhelmina und das wehrhafte Gebäude.
Ein Schwerpunkt der Historikerin lag auch auf der Vermittlung von Geschichte und Kultur an ein breites Publikum. Siegmann führte nicht nur durch Ausstellungen, sondern bot auch Themenführungen, Vorträge und kulturelle Spaziergänge an: zu archäologischen Funden rund um den Isteiner Klotz oder in historische Lebenswelten der Region.
Beitrag zur Pflege der regionalen Geschichte geleistet
Nun endete das jahrzehntelange Engagement von Maren Siegmann als Leiterin des Museums. Ihr Wirken kann laut Merk als maßgeblicher Beitrag zur Pflege der regionalen Geschichte und Kultur verstanden werden.
Zukunft ist unklar
Damit ist die Zukunft des Museums in der Alten Schule unklar. Dass Siegmann der Region als Historikerin erhalten bleiben könnte, weiß Merk: „Benachbarte Museen, darunter das Markgräfler Museum Müllheim oder das Dreiländermuseum Lörrach, gewinnen sie bis heute immer wieder für Vorträge und Veranstaltungen zu regionalen Themen.“