Ein vertrautes Gesicht im Rathaus geht: Achim Ringwald beendet Ende April seine Tätigkeit bei der Stadt Schramberg. Foto: Fritsche

Achim Ringwald erlebte fünf Stadtoberhäupter in Schramberg und war bei vielen politischen und organisatorischen Entwicklungen der Stadt hautnah dabei.

Bald wird man ihn bei Veranstaltungen der Stadt vermissen, denn wenn er nicht gerade Urlaub hatte, war er immer dabei: Am 30. April ist Achim Ringwalds letzter Arbeitstag im Rathaus – nach einer langen Laufbahn durch verschiedenste Abteilungen der Stadtverwaltung.

 

Ein „waschechter“ Schramberger

Ringwald, Jahrgang 1961, wurde noch im alten Krankenhaus geboren – heute steht dort das Gymnasium. Nach dem Besuch der Wirtschaftsschule, damals noch in den Räumen des Schlosses, begann er 1979 im Rathaus seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Nach dem Abschluss leistete er zwei Jahre Wehrdienst bei der Bundeswehr in Neuhausen ob Eck. 1983 kehrte er zurück und arbeitete zunächst bei den Stadtwerken. „Die waren damals als städtischer Eigenbetrieb noch eng an die Stadtverwaltung angebunden und im heutigen Stadtarchiv am Hammergraben untergebracht“, erinnert sich Ringwald.

Vom Steueramt zur IT

1998 wechselte er ins Steueramt der Stadtverwaltung. Dort kümmerte er sich gemeinsam mit Kollegen als Systembetreuer um den IBM AS/400-Computer, der an das kommunale Rechenzentrum in Reutlingen angebunden war. Ab 2001 hielten die ersten PC-Netzwerke Einzug, und es entstand eine eigene IT-Abteilung.

Neben seiner Tätigkeit war Ringwald auch für die Betreuung der städtischen Homepage zuständig, wirkte am Aufbau der Facebook-Seite mit und dokumentierte zahlreiche offizielle Termine fotografisch.

Fünf Oberbürgermeister erlebt

In seiner Dienstzeit arbeitete Ringwald unter fünf Stadtoberhäuptern: Roland Geitmann (1974 bis 1982), Bernd Reichert (1982 bis 1990), Herbert O. Zinell (1990 bis 2011), Thomas Herzog (2011 bis 2019) und Dorothee Eisenlohr (seit 2019).

Kommentare zu den einzelnen Amtszeiten lässt sich Ringwald nicht entlocken – ganz im Sinne der Diskretion eines langjährigen Personalratsvorsitzenden.

Eine besondere Erinnerung verbindet er jedoch mit der Bewerbung zur Landesgartenschau zu Zeiten des Stadtbaumeisters Rudolf Mager: „Alle haben sich eingebracht. Wir waren total geknickt, als es nichts wurde.“

Auch politisch bewegte Zeiten sind ihm im Gedächtnis geblieben: etwa der Bürgerentscheid zum Schutzraumbau im Schlossbergtunnel in den späten 1980er-Jahren oder die Diskussion um die Wasserüberleitung der Kleinen Kinzig in den Neckar zur Kühlung von Kraftwerken. „Der Schutzraum wurde von den Schrambergern mehrheitlich abgelehnt, die Wasserüberleitung kam aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses auch nicht zustande. Wir waren damals das Zünglein an der Waage.“

Arbeitswelt im Wandel

In Ausbildung und Berufsleben habe er viel vom damaligen Hauptamtsleiter Hermann Körner gelernt, der „die Azubis für kommunale Strukturen sensibilisierte“. Die Arbeitsmittel hätten sich seitdem grundlegend verändert: Telefon, Schreibmaschine, Briefe und Leitz-Ordner bestimmten damals den Alltag. „Das erste Fax gab es erst 1983 bei den Stadtwerken.“ Die gesamte Entwicklung der IT bis heute miterlebt zu haben, sei eine prägende Erfahrung gewesen.

14 Jahre Personalratsvorsitzender

Ein zentraler Abschnitt seiner Laufbahn begann 2010 mit der Wahl zum Personalratsvorsitzenden. 14 Jahre lang übte er dieses Amt aus. In dieser Zeit rief er auch die Veranstaltungsreihe „Nach Feierabend unterwegs mit dem Personalrat“ ins Leben – als Maßnahme zur Teambildung. „Es ging nicht nur um das Organisieren von Ausflügen und der Stadtfasnet, sondern man musste sich Problemen stellen, die es in sich hatten. Strenge Vertraulichkeit war das wichtigste Element.“

Besonders die Corona-Zeit habe ihn gefordert und auch schlaflose Nächte bereitet. Dennoch zieht er ein klares Fazit: „Wenn OB und Personalrat miteinander klarkommen, kann man unheimlich viel bewegen – sowohl bei der Interessenvertretung als auch beim Schlichten von Konflikten.“ Diese Zusammenarbeit habe in Schramberg Tradition und werde auch unter seinem Nachfolger Marco Vizzi fortgeführt.

Verbunden mit der Talstadt

Obwohl Ringwald in Schiltach lebt – er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder –, fühlt er sich Schramberg eng verbunden: „Ich hänge mit Herzblut an der Stadt, vor allem an der Talstadt“, in der er aufgewachsen ist und bis heute viele Freunde hat.

Auf die Frage nach notwendigen Entscheidungen für die Zukunft der Stadt bleibt er zurückhaltend: „Ich weiß es tatsächlich nicht.“ Er hoffe jedoch, dass sich Talstadt und Ortsteile nicht weiter auseinanderentwickeln. „Fürs Haus wünsche ich mir, dass es kollegial weitergeht und alle – Mitarbeiter wie Kommunalpolitik – an einem Strang ziehen.“

Blick nach vorn

Für den Ruhestand hat Ringwald zunächst einen klaren Plan: „Ich nehme mir erst einmal drei Monate Zeit, um in der neuen Lebensphase anzukommen.“ Danach möchte er sich verstärkt seinen sportlichen Aktivitäten widmen – künftig flexibler und ohne zeitliche Einschränkungen durch den Dienst.

Ganz zurückziehen wird er sich jedoch nicht: Er bleibt Mitglied der Musikgruppe Old News und engagiert sich weiterhin ehrenamtlich, unter anderem bei der Szene 64.

Mit seinem Abschied verliert die Stadt einen Mitarbeiter, der über Jahrzehnte hinweg nicht nur die Verwaltung begleitet, sondern auch das öffentliche Leben mitgeprägt hat.