Die Wohnstuben des Hotzenwaldhauses werden den Besuchern zugänglich gemacht und Teil des Führungsprogramms Foto: Kern

Nach mehr als 20 Jahren verabschiedet sich Ewald Lehmann von der Einrichtung im Gutacher Freilichtmuseum.

Nach mehr als 20 Jahren verabschiedet sich Ewald Lehmann von „seiner“ Mitmach-Werkstatt im Gutacher Freilichtmuseum. Das Hotzenwaldhaus war das zweite Zuhause von ihm und seiner Frau Sonja. Nun zwingt ihn aber seine angegriffene Gesundheit, kürzer zu treten.

 

Die Schlüsselübergabe von der Werkstatt an den wissenschaftlichen Leiter Thomas Hafen fällt spürbar nicht leicht. Ein endgültiges Lebewohl ist es auch nicht, denn das Museum wird weiterhin die Holzteile und Zuschnitte von Lehmann beziehen. „Ich habe ja noch viel Material“, erklärt Lehmann und erzählt von seiner riesigen Werkstatt in Kirnbach. Außerdem wird ein großzügiges Geschenk von ihm „unserer Hände Werk überdauern“, wie er sagt: Die von ihm selbst für den Raum maßgearbeiteten Arbeitstische aus Fichtenholz mit den Schraubstöcken aus Buche und Birnbaum samt der Ausstattung darf das Museum behalten. Dazu gehört nicht nur das handgefertigte Werkzeug, sondern auch Hilfsmittel für Rollstuhlfahrer und Kinder. Die Liebe zum Holz drückt sich in allen Arbeiten von Lehmann aus. Hinzu kommt sein freundliches Wesen den Menschen gegenüber.

Museumspädagoge Lucas Philipp (von links), wissenschaftlichen Leiter Thomas Hafen, Ewald und Sonja Lehmann, Tamara Vogt (Öffentlichkeitsarbeit) beim Tag der Schlüsselübergabe Foto: Kern

Spaß haben und dabei etwas lernen, war das Credo von Ewald Lehmann. Unzählige Schulklassen und internationale Gäste aller Generationen haben bei ihm Waldwichtel, Schlüsselbretter oder Wasser- und Windräder gebaut. „Nicht ein Tag war wie der andere,“ erinnert sich Lehmann an viele schöne Gespräche und Begegnungen.

Sogar auf kleine Missgeschicke war er immer vorbereitet wie kaputte Gürtelschnallen und gebrochenen Brillenbügel von Besuchern, die in der Werkstatt kurzerhand repariert wurden.

Der gelernte Metzger fühlt sich sehr verbunden mit dem Freilichtmuseum und seinen Besuchern. „Wir dachten, es geht ewig so weiter – aber das tut es natürlich nicht,“ wird auch Hafen den „Lehrer aus Leidenschaft“ vermissen.

Gemeinsam blickten die beiden zurück auf die handwerklichen Demonstrationen an zwei Tagen in der Woche, mit denen alles begann. Es stellte sich seinerzeit laut Hafen schnell heraus, dass vor allem die Kinder selbst etwas machen wollten und Lehmann hatte Lust, das Ganze auszuweiten. „Dem wissenschaftlichen Leiter ist es zu verdanken, was draus geworden ist,“ entsinnt sich der 72-Jährige an viele Impulse, die von Hafen kamen.

Die Idee der Offenen Werkstatt im Freilichtmuseum aber haben die Lehmanns mit ihrem Engagement zum Erfolg geführt, betonte Hafen. Tüchtige und wichtigste Mitstreiterin war Ehefrau Sonja als die „gute Seele im Hotzenwaldhaus“.

So geht’s weiter

Die bisherige Wirkungsstätte von Ewald Lehmann wird Teil der „Offenen Werkstatt für Familien“ und ergänzt damit das Mitmachprogramm von Pavillon und Lorenzenhof. Geöffnet ist zukünftig an Sonn- und Feiertagen sowie in den Schulferien von 11 Uhr bis 16 Uhr. Neu ist außerdem, dass die Wohnstuben des Hotzenwaldhauses für die Besucher geöffnet und in das Führungsprogramm eingebunden werden.